Geliebtes Haustier: Wenn der Abschied näher rückt

THP 6 20 Page38 Image1Wo ist bloß die Zeit geblieben? Ist unser Seelengefährte nicht gerade erst eingezogen? Alles war neu und aufregend. Jeder durfte sich an den anderen und den gemeinsamen Alltag gewöhnen. Doch nun sind die Schritte unseres Tieres deutlich langsamer, Springen und Treppensteigen geht nicht mehr, weiße Fellhaare und eine graue Schnauze zeigen an, dass der Freund fürs Leben „plötzlich“ alt geworden ist.
So lange wie möglich verdrängen wir den Gedanken ans Abschiednehmen. Unser Magen zieht sich dann zusammen, wenn wir unser Tier genau beobachten und spüren, es ist nicht mehr allzu lang hin. Wir müssen uns mit dem letzten Schritt auseinandersetzen.
Dabei haben diese letzten Monate, Wochen und Tage mit unserem Tier noch einmal eine ganz andere Intensität. Alte Tiere besitzen eine Weisheit und eine Ruhe, die in jungen Jahren nicht da war, viele Situationen sind deutlich entspannter geworden. Oft hört man sie quasi sagen: „Juckt mich nicht mehr.“ Jetzt dürfen wir anders für sie da sein.

THP 6 20 Page39 Image1DIE BEDÜRFNISSE VERÄNDERN SICH

Wir können versuchen, das Tier durch Achtsamkeit, gesunde Ernährung und gute Auslastung bis ins hohe Alter fit zu halten. Doch irgendwann werden die Augen schlechter, Zahnprobleme treten auf, die Knochen werden mü- der und die Gelenke arthrotisch.
Wir können unsere Hunde und Katzen mit Steighilfen, Tragegeschirren, besser erreichbaren Liege- und Schlafplätzen sowie Nahrungsergänzungsmitteln unterstützen. Auch Hunderampen können Mensch und Hund bei den Autofahrten helfen, damit der ältere Hund nicht mehr ins Auto hinein- oder aus dem Auto herausspringen oder getragen werden muss.
Hundeschuhe helfen bei arthrotischen Gelenken beim Aufstehen oder beim Bewegen über rutschige Böden im Haus, sollten aber nicht dauerhaft angelassen werden. Hunde regulieren zwar ihren Wärmehaushalt durch Hecheln und die Zunge; es befinden sich aber auch Schweißdrüsen unter den Pfoten. Man kann daher bei sehr rutschigen Böden überlegen, vorübergehend Teppiche für den besseren Halt auszulegen.
Unsere Hündinnen waren im hohen Alter im Schlaf teils inkontinent, sodass wir auf ihren Liegeplätzen Krankenbettunterlagen gelegt haben, die wir jederzeit austauschen konnten.
Alte Pferde brauchen ebenso an den Stoffwechsel, die Zähne und den veränderten Alltag angepasste Nahrung. Frische Luft, kontinuierliche Bewegungsmöglichkeiten für die Gelenke ohne Überlastung und mit Ruhemöglichkeiten in einer ausgeglichenen Herde kann einen Stallumzug für das alte Pferd nötig machen.
Auch ältere Tiere möchten noch ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert und gefordert werden.

THP 6 20 Page40 Image1DER RICHTIGE ZEITPUNKT UND NATÜRLICHE STERBEBEGLEITUNG

Schwere, nicht immer behandelbare Krankheiten, die die Lebensqualität unseres tierischen Begleiters so stark einschränken, geben uns den Zeitpunkt vor.
Bei dem eigenen alten Tier fällt es schwer, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Man entscheidet über Leben und Tod und möchte auf keinen Fall zu früh entscheiden, aber auch nicht, dass das Tier sich unnötig über alle Maße quälen muss, weil man nicht Abschied nehmen und nicht loslassen kann. Wir haben uns an altersbedingte Veränderungen und die Einschränkungen mit unserem Tier gewöhnt und möglicherweise Sorge, den neutralen Blick verloren zu haben.
Jedes Mensch-Tier-Gespann darf für mich hier seinen ganz eigenen individuellen Weg gehen. Lange Zeit war es normal, dass wir unser altes Tier über Tierärzte „erlöst“ haben. Besonders, wenn uns dies vom Tierarzt oder unserem Umfeld geraten wurde. Doch immer mehr Tierhalter gehen den Weg der natürlichen Sterbebegleitung, denn Sterben ist keine Krankheit. Dieser Übergang gehört zum Leben dazu. Man kann – ebenso wie bei den Menschen – das Tier palliativ behandeln und es mit Unterstützung, z. B. vom Tierheilpraktiker, anderen Therapeuten oder dem Tierarzt, natürlich begleiten. Dies ist aber nicht immer möglich.
Ich habe meine Tiere sowohl natürlich im Sterbeprozess und in ihrem Übergang begleitet als auch einschläfern lassen müssen, je nach dem individuellen Weg des Tieres und den gegebenen Umständen. Bei einer meiner Hündinnen hatte sich in der Lunge der Krebs so stark ausgebreitet, dass wir nach der Diagnose entschieden haben, sie auf den Prozess des Einschläferns vorzubereiten. Zu stark waren die Schmerzen, die Luftprobleme und die Einschränkungen durch diese Krankheit.
Unseren uralten Kater wiederum durften wir beim natürlichen Sterben begleiten. Er nahm eines Morgens selbst Abschied von seinem Revier, durchstreifte, wie schon lange nicht mehr, die Nachbarsgärten und verabschiedete sich. Alle Lebenskräfte blühten noch einmal auf. Am Abend krampfte er und verstarb in meinen Armen in Minutenschnelle.
Ebenso durfte ich diesen natürlichen Weg mit einer unserer Hennen gehen. Sie war alt und lebensmüde und stellte Fressen und Trinken ein. Ich nahm sie mit hinein, bettete sie behaglich, war bei ihr, und es dauerte nicht einmal einen Tag nach ihrem Anzeigen, da ging sie selbst den Weg über die Regenbogenbrücke. Sie breitete auf einmal die Flügel aus, bewegte sich unruhig, und in Sekundenschnelle war sie aus ihrem Körper getreten. Sie war die ganze Zeit behütet und umsorgt. Dieser Prozess ist von Tierart zu Tierart unterschiedlich. Besonders Kleintiere und Vögel haben einen anderen, höheren Stoffwechsel.
Doch warum sollte ich ihr den Stress der Fahrt, das Warten beim Tierarzt oder das Setzen der Spritze zumuten, wenn sie nicht akut krank war, sondern einfach des Lebens mü- de? Für mich war dieser Weg der richtige, zumal man bei einigen Tierarten schwer mit Spritzen genau die Gefäße finden und treffen kann. Das gilt auch bei sehr dehydrierten Tieren, bei denen man die Spritze zum Einschläfern teils direkt ins Herz setzen muss.
Der Weg der natürlichen Sterbebegleitung mit seinem Tier nimmt mittlerweile mehr Raum ein. Es macht selbstverständlich einen Unterschied, ob es sich um ein krankes Tier handelt, das behandelt und versorgt werden muss, oder ob das Tier einfach an sein natürliches Lebensende gelangt ist und man diesen Weg, der Kraft, mehr Zeit und Mut kostet, in Abstimmung mit dem Tierarzt geht.

Wissen macht stark, und es kann helfen, sich mit dem Thema zu befassen, auch über die Sterbephasen Bescheid zu wissen und mit seinem Tierarzt einmal darüber ausführlich zu sprechen. Was passiert währenddessen im Körper, hat das Tier Schmerzen oder Probleme? In einer bestimmten Phase soll der Körper des Tieres körpereigene Opiate ausschütten und das Schmerzempfinden ist ein ganz anderes. Es zieht sich zurück und kann sich somit selbst auf seinen Übergang vorbereiten.
Bei meiner Arbeit als Tierdolmetscherin haben mir Tiere berichtet, wie sich ihre Seele bereits teilweise aus dem Körper herausgezogen hat und so für sie das körperliche Empfinden nicht mehr das ist, wie wir es als Außenstehende wahrnehmen.
Hat man als Tierhalter eventuell berufsbedingt nicht die Möglichkeit, dann ist der Weg, dem Tier möglichst zuhause stressfrei und vorbereitet per Einschläferung beim Übergang zu helfen, auch die für sich richtig getroffene Entscheidung. Jeder sollte die für sich und sein Tier passenden Vorgehensweise finden dürfen, ohne Druck von außen. Die eigene Entscheidung sollte stimmig sein, damit der notwendige Akt des Loslassens sich nicht wie ein Trauma anfühlt, sondern trotz allem richtig ist.

THP 6 20 Page41 Image5TRAUER UND ABSCHIED

Einen Augenblick scheint die Welt nach dem Übergang des Tieres stillzustehen. Man funktioniert, muss entscheiden, ob das Tier kremiert oder begraben werden soll, und wo.
Wenn aber das Funktionieren-müssen zur Ruhe kommt und wir Zeit und Raum für die Trauer haben, dann kommt mitunter der Abschiedsschmerz mit aller Macht.
Üblicherweise können in der Zeit der Trauer Gefühle hochkommen wie Schuldzuweisungen, Verhandeln oder NichtWahrhaben-Wollen bis hin zu einer Depression, wenn man aus dieser Trauer nicht mehr herausfindet.
Alles ist auf einmal still, der Platz nicht besetzt, das geliebte Tier begrüßt einem bei der Rückkehr nicht mehr, die gemeinsamen Ausflüge fehlen. Ein neues Tier ersetzt den tierischen Gefährten nicht, kann aber helfen und das Herz wieder öffnen für das weitere Leben. Doch nicht jeder möchte oder kann einem neuen Tier ein Zuhause geben. Es kann helfen, Abschiedsbriefe zu schreiben, diese z. B. mit ins Grab zu legen oder einen schönen Gedenkplatz für das Tier einzurichten.
Unser Tier ist weiter bei uns und in unserem Alltag, wenn wir es lebendig und präsent halten mit Erzählungen über gemeinsame Erlebnisse und mit einem Ort des Gedenkens.
Für mich stirbt die Seele nicht. Sie ist weiterhin fühl- und erreichbar. Besonders nah spürt man die Anwesenheit seines Tieres noch einige Tage nach dem Verlassen des Körpers.
Es kann einem in seiner Trauer helfen, sich mit anderen Tierhaltern auszutauschen. Wenn man spürt, dass nach der Trauer ggf. eine Depression folgt, sollte man sich allerdings professionelle Hilfe holen. Warum sollte dies bei dem Verlust eines geliebten Seelengefährten nicht legitim sein? Unser Tier möchte sicher nicht, dass wir nur noch in der Vergangenheit leben und unser eigenes Leben verpassen.

WAS NOCH ZU BEDENKEN IST

Wie beim Abschied eines nahestehenden Menschen auch, ist nach dem Abschied unseres Tieres einiges zu regeln. So muss der Hund bei der zuständigen Steuerstelle – teils mit Nachweis des Tierarztes – von der Hundesteuer abgemeldet werden. Ist unser Tier gechippt und beim zentralen Haustierregister eingetragen, muss es auch hier als „verstorben“ gemeldet werden.
Mitunter hilft es eine kurze Zeit, sich mit den To-Do-Listen abzulenken. Aber es ist genauso wichtig, sich die Zeit für die eigene Trauer zu nehmen.
Wie bei der Geburt oder dem Einzug des Tieres, so ist für mich auch der Abschied von ihm eine gemeinsame Lebensphase. Und diese sollten wir sowohl für uns als auch für unser Tier so kraft- und lichtvoll wie möglich gestalten. Es kann helfen, sich mutig und rechtzeitig mit diesen Gedanken zu befassen, um mehr Stärke in seinen Entscheidungen zu spüren und die eigene Intuition wahrzunehmen, wann welcher Schritt gegangen werden darf.

THP 6 20 Page41 Image3WENN DIE TIERSEELE AUF REISEN GEHTTHP 6 20 Page41 Image2

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von Christiane Krieg
Shaker Media Verlag

CHRISTIANE KRIEG CHRISTIANE KRIEG

TIERKOMMUNIKATORIN

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Tierkommunikation, Seelengespräche, Ahnenfeld- und Inkarnationsaufstellungen, Schamanische Arbeit, CD- und Buchautorin

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