Riesenmeerschweinchen CUY: Haltungsanforderungen

Bei Cuys handelt es sich um eine besonders große Form des Hausmeerschweinchens. Ihr Ursprungsland ist Südamerika (Peru, Ecuador, Kolumbien, Bolivien, Andenregion). Dort werden sie überwiegend von Kleinbauern gehalten bzw. gezüchtet und dienen als günstige und proteinreiche Fleischlieferanten.

THP 3 21 Page42 Image1DAS MEERSCHWEINCHEN ALS HOCHZEITSSCHMAUS

Es wird sehr darauf geachtet, dass nur helle Fellfarben gezüchtet werden, da dunkle auf dem Speiseteller „unappetitlich“ aussehen (bei sämtlichen Tierarten mit Fell ist darunter die Haut in derselben Färbung wie die Fellhaare, die darüber wachsen).
Cuys gehören in Peru zum traditionellen Hochzeitsmahl auf die Menükarte und sollen so ähnlich schmecken wie das Fleisch von Kaninchen.

GEWICHTS- UND GRÖSSENUNTERSCHIEDE

Die in Deutschland gezüchteten Cuys stammen von den wenigen Tieren aus Südamerika ab, die, wie auch immer, den Weg zu uns gefunden haben. Unsere normalen Hausmeerschweinchen erreichen ausgewachsen in seltenen Fällen ein Gewicht von 1,5 Kilogramm. Das wiegt ein Cuy schon im Alter von 4 Monaten, wobei das Endgewicht bei 2 – 3 Kilogramm liegt und die Körperlänge 27 – 35 Zentimeter beträgt.
Eine Besonderheit bildet die Rasse Cobayos, die bis zu 4 Kilogramm Gewicht und eine Körperlänge von bis zu 50 Zentimeter erreichen kann.
Die Tragezeit der Cuy-Weibchen beträgt wie beim Hausmeerschweinchen zwischen 68 und 73 Tagen, die Wurfgröße liegt bei 1 – 8 Jungen, die jeweils zwischen 80 und 250 Gramm wiegen. Da Cuys in ihrem Ursprungsland schnell an Gewicht zulegen „müssen“ (Mast), haben sie nur eine geringe Lebenserwartung von 2 – 3 Jahren.
Durch das schnelle Ansetzen von Fett werden Leber, Gelenke und HerzKreislauf-System stark beeinträchtigt. Je langsamer die Tiere an Gewicht zulegen, desto gesünder für ihren Organismus, das erhöht die Lebenserwartung.

THP 3 21 Page42 Image2HALTUNG

Cuys werden von den Kleinbauern Perus überwiegend in kleinen Ställen oder im Haus gehalten, wo sie fast ausschließlich mit Küchenabfällen wie Kartoffel-, Bananenschalen oder Maisgrün ernährt werden.
Eine Cuy-freundliche Ernährung sähe allerdings Wiese, Kräuter, Blättriges (Salate), Gurke, Tomate, Paprika und Heu vor. Stärkehaltige und kalorienreiche Futtermittel wie Pellets oder Fertigfuttermischungen sind tabu für diese Meerschweinchen. Eine weitere Besonderheit der Cuys ist ihre hohe Stress- und Wärmeempfindlichkeit. Keinesfalls dürfen sie von oben gegriffen werden. Sie fühlen sich in angenehmer Kühle wesentlich wohler als bei zu viel Wärme.
Aufgrund ihres scheuen Charakters sollten Cuys immer genügend Unterschlupfmöglichkeiten haben. Bei der Haltung gelten Kaninchenstandards, also mindesten 2 m2 pro Tier – je mehr, desto besser! Häuschen und Tunnel sollten Kaninchengröße haben.

NICHT ALLE VERSTEHEN SICH GUT

Cuys können in normale Hausmeerschweinchen-Gruppen integriert werden (reine Weibchen- oder reine Böckchengruppen). Die Riesenmeerschweinchen können allerdings ein dominantes Verhalten an den Tag legen. Das sollte man beobachten, um eventuell durch Trennung einzugreifen.
Auch sprechen Cuys eine etwas andere „Sprache“ als unsere Hausmeerschweinchen, sodass sie sich dadurch oft abgrenzen und ihre eigenen Wege gehen. Sie besitzen einen hohen Fluchtinstinkt. Wenn Transporte anstehen (z.B. zum Tierarzt), die Tiere besser einzeln in der Box transportieren, da Transportstress zu aggressiven Handlungen, z.B. ein ineinander Verbeißen, führen kann. Ebenso können ungewöhnliche Situationen zu aggressiver Stimmung führen. Darum ist bei der Haltung von Cuys auf ein ruhiges Umfeld zu achten.

INTERESSANTES

Aufgrund eines Erbfehlers neigen viele Cuys zu Polydaktylie (Vielzehigkeit). Das schränkt die Tiere aber nicht ein. Sie bewegen sich mit mehr Zehen genauso gut fort wie Tiere mit normaler Zehenanzahl.

GENETISCHES

Cuys und Hausmeerschweinchen können zwar genetisch miteinander verpaart werden, jedoch sollte dies nie mit einem Cuy-Böckchen und einem Hausmeerschweinchen-Weibchen geschehen, da das beim Hausmeerschweinchen-Weibchen zu Komplikationen während der Trächtigkeit und der Geburt führen kann (Risse von Geburtskanal und Gebärmutter, Geburtsstockung, Tod).

THP 3 21 Page42 Image3SYLVIA RECH
TIERHEILPRAKTIKERIN

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Tierhaltungsberatung, Tierpsychologie, spezialisiert auf Kaninchen und Meerschweinchen, Autorin

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