Arthrose - Nicht nur im Alter

THP 2 18 final Page11 Image2Gelenkverschleiß beim Tier

Allgemein  ist  unter  Arthrose  eine  degenerative  Gelenkerkrankung  zu  verstehen,  die  durch  langjährige Überbelastung entsteht. Beim Menschen wird oft von einer typischen Alterserscheinung gesprochen, auch wenn das Alter nicht immer die entscheidende Rolle bei der Entstehung einer Arthrose spielt. Beim Hund sind die Verhältnisse denen  des  Menschen  sehr  ähnlich,  sodass  ein Vergleich  durchaus vorgenommen  werden kann, denn wie beim Menschen führt ein arthrotisch verändertes Gelenk  auch beim Hund zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Ausgangspunkt ist der  Gelenkknorpel

THP 2 18 final Page11 Image3Ein Gelenk besteht mindestens aus zwei kongruent zueinander passenden Knochen, die durch Bänder, Sehnen, Gelenkkapsel und Muskulatur zusammengehalten werden. Der den Knochenendflächen aufsitzende Knorpel sorgt zusammen mit der Gelenkflüssigkeit (Synovia), die von der Gelenkkapsel gebildet wird, für einen reibungslosen Bewegungsablauf des Gelenkes. Besteht zwischen den Knochenanteilen jedoch eine angeborene oder durch falsche Belastung entstandene Inkongruenz, führt dies langfristig zu einer Ausdünnung der Knorpelschicht. Der Knorpel hält dieser falschen Druckbelastung irgendwann nicht mehr stand, sodass es zur Entstehung von Knorpelschäden kommt, die zu einer Überproduktion an Bindegewebe führen. Der für den reibungslosen Bewegungsablauf wichtige Gelenkknorpel wird mehr und mehr durch Granulationsgewebe und minderwertigen Faserknorpel ersetzt, sodass sich die erhöhte Druckbelastung mit Fortschreiten auf den Knochen überträgt. Dieser wirkt dem Druck mit vermehrter Knochenzellbildung entgegen, sodass sich an den Gelenkrändern Knochenwülste, sog. Osteophyten, bilden. Gleichzeitig versucht die Gelenkkapsel durch vermehrte Produktion von Gelenkflüssigkeit ebenfalls dem vermehrten Druck entgegenzuwirken, sodass es neben der Osteophytenbildung auch zu einem chronischen Entzündungsprozess mit wiederkehrenden Gelenkergüssen kommen kann.

Risikofaktoren gibt es viele

Obwohl die Arthrose oftmals als typische Alterserscheinung deklariert wird, kann sie sowohl beim Menschen als auch beim Hund schon in jungen Jahren auftreten. Die Hintergründe dafür konnten bis heute nicht abschließend geklärt werden. Fest steht aber, dass es verschiedene Risikofaktoren gibt, die zur Arthrose beitragen. Neben einer langfristigen Fehlbelastung zählen dazu vor allem erbliche Komponenten, angeborene Fehlstellungen, Traumen und Stoffwechselerkrankungen. Je nach Ursache lässt sich die Arthrose dann als primäre oder sekundäre Arthrose bezeichnen. Fehlbelastungen und angeborene Fehlstellungen oder Gelenkdysplasien (Ellenbogengelenk, Hüftgelenk) stellen primäre Arthrosen dar, während traumatisch, metabolisch oder medikamentös bedingte Arthrosen zu den sekundären Arthrosen zählen.

THP 2 18 final Page12 Image1Jedes Gelenk kann betroffen sein

Prinzipiell kann die Arthrose an jedem Gelenk auftreten, wobei nur ein einzelnes oder auch mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen sein können. Bei Hunden lässt sich eine Arthrose besonders häufig an den Hüftgelenken (Coxarthrose), Ellenbogengelenken (Cubarthrose), Kniegelenken (Gonarthrose) und den Schultergelenken (Omarthrose) beobachten. Aber auch an der Wirbelsäule kann eine Arthrose zwischen den einzelnen Wirbelkörpern (Spondylosen) oder an den kleinen Wirbelgelenken (Facettengelenksarthrose) entstehen. Diese Arthrosearten kennen wir insbesondere auch beim Menschen mit Rückenschmerzen.

Folge sind Schmerzen und  Bewegungseinschränkung

Klinisch äußert sich eine Arthrose durch Schmerzen, die sowohl beim Aufstehen, bei Belastung und auch in Ruhe auftreten können. Verbunden sind die Schmerzen mit Bewegungseinschränkungen. Meist schwellen die betroffenen Gelenke durch die vermehrte Bildung von Gelenkflüssigkeit leicht an, sodass sich das Gelenk beim Abtasten etwas verdickt und „teigig“ anfühlt. Zu Beginn einer Arthrose zeigen sich Schmerzen und Bewegungseinschränkungen besonders am Anfang der Bewegung. Mit fortlaufender Bewegung „läuft das Gelenk sich ein“ und die Schmerzen lassen nach. Mit Fortschreiten der Arthrose treten die Schmerzen dann auch in Ruhephasen auf und das Gelenk fängt an, sich zu verformen. Fühlt sich das betroffene Gelenk bei Palpation (Abtasten) warm an, spricht dies für eine aktive Form der Arthrose (aktivierte Arthrose), die durch zusätzlich auftretende Entzündungsprozesse im Gelenk hervorgerufen wird.

Der Nachweis ist einfach

Da eine Arthrose mit knöchernen Zubildungen am betroffenen Gelenk einhergeht, lässt sie sich schnell anhand einer Röntgenaufnahme nachweisen. So lässt sich auch der Grad der Abnutzung festlegen. Geht die Arthrose mit Entzündungserscheinungen einher, ist die Kernspintomographie (MRT) der Röntgendiagnostik überlegen. Kernspintomographisch lassen sich entzündliche Veränderungen im Bereich der Gelenkkapsel durch intravenö- se oder intraartikuläre Kontrastmittelgabe eindeutig nachweisen und in ihrer Ausdehnung beurteilen. Die Beurteilung, ob eine Arthrose inaktiv oder aktiv ist, ist ausschlaggebend für das therapeutische Vorgehen.

Eine Heilung gibt es nicht

Entscheidend für die Behandlung der Arthrose ist das Ausmaß an Schmerzen und der damit verbundenen Bewegungseinschränkungen des Gelenkes. Aber aber welche Therapie durchgeführt wird, heilbar ist Arthrose nicht. Bislang gibt es keine Therapie, die ein Rückgängigmachen von Abnutzungserscheinungen am Gelenk möglich macht. Entscheidend ist, dass der Nachweis der Arthrose möglichst früh erfolgt, damit rasch mit einer ad- äquaten Therapie begonnen werden kann. Therapeutische Möglichkeiten gibt es viele, wobei die einen auf die Schmerzreduktion und die anderen auf die Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit abzielen. Zur Reduzierung von Schmerzen und Entzündungen werden beim Hund wie auch beim Menschen sog. NSRA-Medikamente eingesetzt. Diese „nichtsteroidalen Antiphlogistika“ oder „nichtsteroidalen Antirheumatika“ sind entzündungshemmende und schmerzmindernde Medikamente, die zum Standard der Arthrosebehandlung gehören. Auch Glukokortikoide wie Kortison zählen zu den Mitteln der Wahl, da sie ihre Wirkung intrazellulär entfalten und wie die NSRA eine entzündunghemmende Wirkung aufweisen. Die beim Menschen manchmal ins Gelenk injizierte Hyaluronsäure findet beim Hund bislang keine Anwendung, da die Wirksamkeit als fragwürdig eingestuft wird. Zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit können physikalische Therapiemaßnahmen wie Elektrotherapie, Wärmebehandlung und Physiotherapie wegweisend sein. Ist die Arthrose bereits soweit fortgeschritten, dass keine therapeutischen Maßnahmen mehr greifen, kann operativ ein künstliches Gelenk (Endoprothese) eingesetzt werden. Beim Menschen hat sich die Endoprothetik bereits an fast allen großen Gelenken bewährt, beim Hund wird sie bisher fast ausschließlich am Hüftgelenk durchgeführt.

DR. ISA FOLTINDR. ISA FOLTIN
TIERÄRZTIN
RADIOLOGIN
DIPL.-JOURNALISTIN

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