Vergiftungen beim Kaninchen - Gefahren in Haus und Garten

Weihnachtsstern rotWenn man heute in älterer Literatur etwas zum Thema „Vergiftungen beim Kaninchen“ finden möchte, liest man überwiegend solche Sätze: „… kommt beim Kaninchen selten vor, da sie in Käfigen bzw. Ställen gehalten werden“.
Jedoch wissen wir es heute besser und kennen den enormen Bewegungsdrang und das soziale Leben der kleinen Langohren. Daher wird die Haltung von Kaninchen in freier Wohnungshaltung, im eigenen Kaninchenzimmer oder in Außenhaltung immer mehr umgesetzt. Zwar langsam, jedoch stetig.
So kann es leider auch vorkommen, dass die Tiere etwas aufnehmen, das nicht für sie geeignet ist, sodass sie anschließend z.B. an einer Vergiftung leiden.
Auch wenn man ein separates Kaninchenzimmer gut von Giftpflanzen freihält, kann sich ganz unbedacht in der freien Wohnungshaltung eine Pflanze befinden, die dem Kaninchen (wenn es herankommt) mehr als nur Bauchschmerzen bereitet. Aufgrund ihrer Magenanatomie können Kaninchen nämlich nicht erbrechen.

ZIMMERPFLANZEN, DIE FÜR KANINCHEN GIFTIG SIND

Besonders Saison-Blumen/Pflanzen wie Narzissen und Tulpen zu Ostern, das Maiglöckchen, die Pfingstrosen oder der an Weihnachten beliebte Weihnachtsstern haben in der Nähe von Kaninchen nichts zu suchen und sind aus deren Reichweite ebenso zu entfernen wie das Alpenveilchen und die Azalee.
Beliebte Zimmergrünpflanzen wie der Gummibaum, einige Arten des Ficus Benjamini, der robuste Zamioculcas (Glücksfeder), der Drachenbaum und das Einblatt gehören zu den zahlreichen Giftpflanzen, die vor den kleinen Hopplern in Sicherheit gebracht werden müssen.

AUCH IM GARTEN UND AUF DEM BALKON LAUERT GEFAHR

Nun bewegen wir uns an die frische Luft und finden auch in unseren Gärten und auf Balkonen zahlreiche Pflanzen, die giftig für unsere Tiere sind. An oberster Stelle stehen der Oleander und die wunderschöne Engelstrompete.
Symptome, die Kaninchen zeigen, wenn sie eine dieser Pflanzen zu sich genommen haben, sind Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, Orientierungslosigkeit, Bewusstseinsstörungen und Muskelzittern, oft gefolgt vom Tod des Tieres.
Vorsicht auch beim Buchsbaum, den Wandelröschen, der Clematis, dem Kirschlorbeer und meiner persönlichen Lieblingssommerpflanze, der Petunie.

PFLANZEN SAMMELN IN FREIER NATUR IST NICHT UNGEFÄHRLICH

Wir wandern weiter über Felder und Wiesen. Für uns Kaninchenfans gibt es nichts Schöneres, als unsere Tiere mit einer großen Tasche voll mit frisch gepflückter Wiese und Kräuter zu verwöhnen. Es ist die Nahrung Nr. 1 für die kleinen Langohren. Die artgerechteste und gesündeste Ernährung sowieso. Aber auch hier lauern Gefahren. Große Vorsicht ist beim Aronstab, der Herbstzeitlosen, dem eleganten Fingerhut und Schöllkraut geboten. Ebenfalls giftig für Kaninchen sind Steinklee, Jakobskreuzkraut, Riesenbärenklau und Lupinen.

Hinweis: Giftige Wiesenpflanzen wie die Herbstzeitlose können sich leider auch in seltenen Fällen im getrockneten Heu befinden.

CHEMISCHE KEULE MIT NACH HAUSE GEBRACHT

Problematisch sind auch gedüngte Wiesen, Unkrautvernichtungsmittel und Pflanzenschutzmittel im Allgemeinen. Gedüngte Wiesen kann man gut daran erkennen, dass sie – ähnlich wie ein Fußballfeld – gestreift erscheinen: Ein hellgrüner Streifen wechselt sich mit einem dunkelgrünen ab. Dabei handelt es sich um die Bahnen, die der Landwirt mit seiner Düngemaschine auf und ab fährt, um seine Wiese zu düngen. Bei einer Intoxikation durch Düngemittel spricht man von einer Nitrat-Nitrit-Vergiftung.

GIFT AUS DEM SUPERMARKT

Auch Salate, Kräuter, Gemüse und Obst aus Gewächshäusern können mit Dünger und Pflanzenschutzmittel belastet sein. Daher empfiehlt es sich, diese vor dem Verfüttern mit handwarmem Wasser gründlich abzuspülen, um zumindest die äußeren Schadstoffe zu entfernen.
Kartoffelkeimlinge sowie grüne Stellen an der Kartoffel, die zu lange dem Licht ausgesetzt waren, sind ebenfalls sehr giftig. Allerdings sollten Kartoffeln grundsätzlich nicht an Kaninchen verfüttert werden.

PROBLEM LAGERHALTUNG

Auch erwähnenswert sind die Schimmelgifte (Mykotoxine), die sich bei unsachgemäßer Lagerung des Futters entwickeln können. Feuchtigkeit und Wärme sind hier oft die führenden Gründe. Angeschimmeltes Futter ist umgehend komplett zu entfernen. Es ist keinesfalls ausreichend, nur die betroffene Stelle rauszuschneiden oder den ersichtlichen oberen Teil in einer Verpackung zu entfernen, denn Schimmelpilze (auch verzehrbare Pilze) verteilen ihre Sporen und kontaminieren somit das gesamte Futter, ohne dass dies mit bloßem Auge zu sehen ist.

UNSACHGEMÄSSE BEHANDLUNG KANN SPUREN HINTERLASSEN

Kurzzeitige neurologische Störungen sowie kahle, felllose Stellen im Bereich des Genicks der Kaninchen nach einer unsachgemäßen Behandlung mit Antiparasitika, z.B. gegen Milben oder Flöhe, trifft man gelegentlich an. Antiparasitika werden oft auf Basis von chlorierten Kohlenwasserstoffen hergestellt, die zu einer Überempfindlichkeit bei Tieren führen.
Dass Schädlingsbekämpfungsmittel, z.B. Ratten- und Mäusegifte, gefährlich sind, versteht sich von selbst.
Eine genaue Diagnose einer Vergiftung zu stellen, erweist sich als sehr schwierig, es sei denn, man konnte das Tier genau in dem Moment beobachten, als es die giftige Pflanze zu sich genommen hat. Nagespuren sind ebenso ein Hinweis. Auch sollte ein zeitlicher Zusammenhang einer bestimmten Fütterung oder der Gabe eines Antiparasitikums und dem Auftreten der Symptome näher ins Auge gefasst werden.

SYMPTOME EINER VERGIFTUNG

Durchfall, Aufgasung, Apathie, Fressunlust, Speichelausfluss, Muskelzittern, Koliken, Krämpfe, Erregungszustände, Abmagerung, sekundäre Infektionen und Blutungen sind Symptome, die auf eine Vergiftung hinweisen. Je nachdem, welches Gift in welcher Menge aufgenommen wurde, unterscheiden sich die Symptome in Auftreten und Schwere. Eine Behandlung, um die aufgenommenen Giftstoffe im Kaninchenorganismus unschädlich zu machen, erfolgt durch Infusionen und der Gabe von Medikamenten, um u. a. die Nierentätigkeit anzuregen. Die sofortige Gabe von Aktivkohle kann Toxine im Darm binden, sodass diese erst gar nicht den Weg in den Kaninchenkörper finden. Aktivkohle darf allerdings nicht bei Durchfällen bakterieller Art verabreicht werden, da sie die Bakterien bindet, jedoch nicht abtötet und diese dann länger im Darm verbleiben und den Durchfall eher noch verschlimmern. Es sollte unbedingt dafür gesorgt werden, dass das Tier viel Flüssigkeit zu sich nimmt. Neben Wasser können auch verdünnte Kräutertees oder verdünnter Karottensaft angeboten werden. Notfalls das Kaninchen mit nadelloser Spritze vorsichtig „zwangstränken“, damit das Gift schneller aus dem Körper gespült wird.

BEGLEITBEHANDLUNG

Bei leichten Vergiftungen eignen sich: Nux vomica compositum (Heel) bei Durchfall, Verstopfung, angespannter und harter Bauchdecke nach Aufnahme von ungeeignetem bzw. verdorbenem Futter, Okubaka bei jeglicher Vergiftungslage und Veratum album, um den Kreislauf aufrechtzuerhalten.

FRISCHES AUS DEM OBST- UND GEMÜSEGARTEN

Auch bestimmtes Obst und Gemüse, z.B. Physalis, Kumquat, Granatapfel, Avocado, Zwiebeln, Porree, Rhabarber, rohe Bohnen und Macadamianüsse, sind für kleine Langohren giftig.
Ein verantwortungsbewusster Kaninchenhalter informiert sich am besten schon vor der Anschaffung neuer Pflanzen, welche geeignet und welche giftig sind. Es sind ausreichend Literatur und Informationen im Internet darüber vorhanden, ebenso über giftige/ungeeignete Lebensmittel, Obst, Gemüse etc.
So können wir uns darüber freuen, dass unsere Langohren lange gesund bleiben.

SeelenkaninchenTHP 6 20 Page48 Image8SYLVIA RECH & HEIKO RECH
SEELENKANINCHEN Teil 1
SHAKER MEDIA VERLAG
ISBN 978-3956317569, 15,90 €
SEELENKANINCHEN Teil 2
SHAKER MEDIA VERLAG
ISBN 978-3956318115, 15,90 €

SYLVIA RECHSYLVIA RECH
TIERHEILPRAKTIKERIN

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE
Tierhaltungsberatung, Tierpsychologie, Tierheilkunde, spezialisiert auf Kaninchen und Meerschweinchen, Buchautorin

KONTAKT
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Fotos: © naruedom – Adobe, H. A. Eberlein – Adobe, New Africa –Adobe, FreiDenker26 – Adobe, sonne07 – Adobe, E. Mücke – Adobe, no – Adobe, G. Slabihoud – Adobe, E. Hötzel – Adobe, TwilightArtPictures – Adobe, Yü Lan – Adobe, E. Muecke – Adobe, Buriy – Adobe, eyewave – Adobe, V. Malyshchyts – Adobe, grey – Adobe, oxie99 – Adobe

So erreichen Sie uns

Anschrift

Verband Deutscher Tierheilpraktiker e.V.
Verbandsverwaltung
Kottgeiseringer Straße 5
82299 Türkenfeld

Telefon Service-Team

E-Mail

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!