Darmgesundheit: Informationen vom Labor Vetscreen

Foto: © Alex – stock.adobe.comDer Darm ist ein Organ der Superlative: Als größte Oberfläche innerhalb des Körpers ist er körperfremden Substanzen und Mikroorganismen ausgesetzt. Seine Aufgaben umfassen die Aufnahme von wertvollen Stoffen in den Körper, die Ausscheidung von nicht (mehr) brauchbaren Substanzen sowie die Abgrenzung des Körperinneren vor Antigenen und fremden Substanzen wie Mikroben. Letzteres ist allein schon eine große Herausforderung, beherbergt der Darm doch ein Bakterienaufkommen von ca. 100 Billionen. Magen und Dünndarm sind dagegen recht keimarm. Dies ist gut so, da hier einerseits chemische Reaktionen und andererseits Kreisläufe stattfinden, die durch ungeordnete bakterielle Aktivität gestört werden würden.
Ein Beispiel: Gallensäuren werden im Duodenum (Zwölffingerdarm) zur Fettemulgation zur Verfügung gestellt, im Ileum (Krummdarm) allerdings zu einem hohen Prozentsatz resorbiert (Enterohepatischer Kreislauf). Werden durch eine Überwucherung des Dünndarms mit Keimen die Gallensäuren vorzeitig dekonjugiert, verliert der Darm ständig Gallensäuren; die Fettverdauung ist erschwert, eine Verschiebung zugunsten fettabbauender Keime im Dickdarm kann die Folge sein. Die Darmflora ist eine Lebensgemeinschaft von Bakterien verschiedener Arten (über 300 Arten sind bekannt). Diese Symbiose schafft sich selbst ein Ökosystem mit optimalen Lebensbedingungen für die dazugehörigen Keime. Fremde Keime haben im gesunden Organismus daher kaum eine Chance, sich häuslich niederzulassen oder auszubreiten, denn die Standortflora produziert neben einem sauren Milieu und einem lückenlosen Bakterienrasen auch verschiedene Bakteriozide, die gezielt gegen andersartige Bakterien und Pilze gerichtet sind. Der Löwenanteil (über 99,9%) der physiologischen Darmflora besteht aus Anaerobier. Keime, die angewiesen sind auf sauerstofffreie Umgebung (Bifidobakterien, Eubakterien, Bakteroides-Arten und die bekanntesten Vertreter dieser Gruppe: Laktobazillen). Ihre Stoffwechselaktivität ist eine schonende: Sie zersetzen Kohlenhydrate und in gewissem Umfang auch Rohfaser ohne Gasbildung in niedermolekulare Fettsäuren, die vom Körper aufgenommen und weiter verstoffwechselt werden können. Protein wird von wenigen Keimen ebenfalls in Maßen mit verwertet. Zu den labordiagnostisch gern gesehenen Darmbewohnern gehören E. coli, verschiedene Staphylokokken, Streptokokken und Laktobazillen.

Funktionen der Darmflora

Die Bakterienmasse produziert Vitamine (B, K) und Aminosäuren. Sie ist außerdem für die Umwandlung der Gallenfarbstoffe und die Resorption von Nahrungsbestandteilen verantwortlich.

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Problem Dysbiose – bakterielle Fehlbesiedelung

Ganz anders sieht es mit den typischen Dysbakterie-Keimen aus: Sie bevorzugen die Verstoffwechselung von Proteinen (Fäulnis) bzw. sind fulminante Kohlenhydratfermenter und setzen dabei Gase und hohe Mengen an Säuren frei. Gewinnen diese Keime die Oberhand, wird das gesamte Darmmilieu geändert: Es kommt zu pH-Verschiebungen, Gasbildung und Funktionsstörungen (z.B. Diarrhoe, Resorption, Peristaltik); die Darmbarriere wird durch Bakteriengifte geschädigt und Mukosazellen werden zersetzt. Damit verbunden kommt es zum Vordringen fremder Substanzen in die Abwehrzonen, das wiederum kann Auslöser von Futtermittelallergien werden. (Achtung: Länger anhaltende Fäulniszustände führen zur Leberschädigung!)
Häufige Ursachen für eine gestörte Verdauung neben speziellen Erkrankungen bei Hund, Katze und Pferd sind Antibiotikagabe, falsche Fütterung bzw. abrupter Futterwechsel und Stress. Ist das Darmmilieu verändert bzw. liegt eine Dysbakterie vor, lassen sich die neuen Bewohner nicht so einfach vertreiben. Das heißt, dass eine Darmsanierung durchaus einige Monate in Anspruch nimmt, vorausgesetzt, es gelingt dem Therapeuten, die Ursache der Verschiebung ebenfalls mit zu beseitigen.
Neben der vordergründigen Behebung des Darmproblems (z.B. Durchfälle, Erbrechen, Meteorismus) muss bei längerer Problematik sowie bei Rezidiven der Grund des Problems eingegrenzt werden.
Typische Vertreter für Dysbakterien sind häufig hämolysierende E. coli, Acinetobacter, Klebsiellen, Pseudomonaden und Proteus.

Pankreasinsuffizienz

Die Aufnahme von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen sollte vollständig im Dünndarm erfolgen. Voraussetzungen dafür sind, dass genügend Enzyme durch die Bauchspeicheldrü- se und Dünndarmzellen bereitgestellt werden und die Gallensäuren in ausreichender Menge vorhanden sind. Befinden sich in der Darmflora übermäßige Mengen an Proteolyten (Keime wie Proteus sp. oder Pseudomonaden), ist als eine Möglichkeit der Mangel an Enzymen abzuklären. Beim Hund steht hierzu als verlässlicher Parameter die Pankreas-Elastase aus der Kotprobe zur Verfügung. TLI aus dem Serum sind ebenfalls zur Abklärung einer Unterfunktion geeignet. Nicht aussagekräftig sind die Enzyme Amylase und Lipase; sie dienen der Pankreatitis-Diagnostik. Bei der Katze wird häufig Chymotrypsin aus der Kotprobe bestimmt, ergänzend möglich ist die Messung von TLI aus dem Serum. (Wichtig ist hier, dass das Tier mindestens sechs Stunden nüchtern war.)

Proteinverlust im Darm

Im Rahmen entzündlicher Prozesse können erhebliche Mengen an Protein in den Darm abgesondert werden, ähnlich einer nässenden Wunde. Dieses Protein wird ebenfalls durch Bakterien im Dickdarm verstoffwechselt und kann zum klassischen Proteolyse-Befund führen. Neben einer ergänzenden Blutuntersuchung sind ggf. weitere Untersuchungsmethoden heranzuziehen.

Abwehrmangel

Der Darm weist zu wenig Antikörperschutz im Darmlumen auf. Er ist den Angriffen immer wieder ohnmächtig ausgesetzt und reagiert in diesen Phasen (meist erhöhter Stressbelastung) mit Entzündungen, die teils blutig werden. Werden mehrfach auch größere Mengen an Pilzen aus frisch gewonnenem Probenmaterial isoliert, kann das für eine Darm-Mykose sprechen.

Allergien

Der Darm ist – z.B. nach Vorschädigung – für die bisher gefütterten Nahrungsmittel sensibilisiert und reagiert mit Entzündungen. Zur Eingrenzung dient ein Serum-Futtermittel-Allergietest, der bei klinischem Verdacht einen Anhaltspunkt zur Fütterungstaktik bieten kann. Therapeutisch gibt es ausschließlich die Vermeidung der allergieauslösenden Nahrungsmittel. Die Regeneration führt teilweise nach Monaten zu einer wiederkehrenden Toleranz für die Allergene, daher kann nach ausreichend langer Phase der Diät sowie der klinischen Wiederherstellung ein schrittweiser Wechsel der Kost versucht werden.
Sinnvoll kann eine ergänzende Untersuchung des Blutes sein.

Enterotoxine

Anlass zu blutigen Durchfallepisoden geben manche Toxin-bildende Clostridien. Diese Keime finden ihr Milieu bei Verstopfungssituationen sowie nach Antibiosen, die sie durch Sporenbildung besser überstehen als andere Artgenossen. Die Toxinabgabe erfolgt intervallartig, insbesondere nach Antibiotikagaben oder anderen Stressoren (z.B. gefrorenes Futter).
Diagnostisch lassen sich Toxine gezielt bestimmen, da das Toxin-Vorkommen nicht mit der festgestellten Menge an Clostridien übereinstimmt.
Therapeutisch sollte Durchfall nicht mit weiteren Antibiosen angegangen werden, sondern mit diätetischen und absorptionsfördernden Maßnahmen. Autonosoden lassen sich ebenfalls mit großem Erfolg gegen die auslösenden Keime einsetzen.

Pathogene Keime

Keime wie Salmonellen, enterohämorrhagische E. coli (kurz EHEC), Campylobacter, Shigellen und Yersinien spielen bei Haustieren eine eher untergeordnete Rolle im Durchfallgeschehen. Saisonales Auftreten findet sich bei ihnen – im Gegensatz zum Menschen – in aller Regel nicht. Allerdings ist ein Ausschluss der pathogenen Keime zum Schutz des Menschen sinnvoll.
Therapeutisch wird in positiven Fällen antibiotisch oder mit Huminsäuren, proteolytischen Enzymen und Lactulose behandelt. Eine Kotuntersuchung kann Aufschluss über die Zusammensetzung der Keimflora, Pilzbefall, pH-Wert, Vorhandensein von Clostridien (Gasbildner) geben sowie Parasitenbefall oder Pankreasinsuffizienz ausschließen.

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