Hundealter berechnen: Neue Formel

AdobeStock 162998096„Ein Menschenjahr entspricht sieben Hundejahren.“ Wer hat diese Pfotenregel nicht schon einmal gehört? Biologen weisen schon länger darauf hin, dass dieser Ansatz nicht stimmen kann. US-Forscher haben nun eine weitaus präzisere Formel entwickelt, die sich an der Epigenetik orientiert.

DIE MAGISCHE SIEBEN

Plötzlich sind sie da, die ersten grauen Haare an Amys Schnauze, um ihre Augen und an den Ohren. „Dabei ist sie doch erst 7 Jahre alt. Als Mensch wäre sie jetzt wohl 49“, überlegt ihr Frauchen und schaut besorgt in das Gesicht ihrer Mischlingshündin. Ihre Berechnung beruht auf der weit verbreiteten Annahme, ein Hundejahr entspräche sieben Menschenjahren.
Wäre dem tatsächlich so, müsste ein 17-jähriger Vierbeiner 119 Menschenjahre alt sein. Wissenschaftler der Universität Kalifornien haben den Multiplikator „Sieben“ auf den Prüfstand gestellt und herausgefunden, dass er nicht stimmen kann, weil Hunde in ihren Lebensphasen unterschiedlich schnell altern.

AdobeStock 51154763DIE EPIGENETISCHE UHR

Der Alterungsprozess unserer Haustiere hängt von mehreren Faktoren ab. Lebensumstände und Umwelteinflüsse spielen eine ebenso große Rolle wie Ernährung und Bewegung. Hinzu kommen Größe und Rasse. Prof. Trey Ideker hat sich auf das noch junge Forschungsfeld der Epigenetik spezialisiert. Gemeinsam mit seinem Team untersucht er über längere Zeiträume hinweg Veränderungen im Genom von Hunden, hervorgerufen durch die bereits erwähnten Lebensumstände. Die Wissenschaftler berücksichtigten dabei, dass auch Krankheiten und Stress auf das Erbgut einwirken können. Aus den gewonnenen Erkenntnissen leiteten sie ihre Annahme ab, dass jedes Lebewesen eine epigenetische Uhr in sich trägt, die maßgeblich an dessen Alterungsprozess beteiligt ist.
Warum die Lebenszeit von Hunden überhaupt in Menschenjahre umgerechnet wird, ist nach Ideker im engen Zusammenleben zwischen Mensch und Hund unter vergleichbaren Bedingungen begründet. Genau das mache sein Forschungsgebiet so spannend, denn daraus ließen sich Rückschlüsse im Hundegenom auf den Alterungsprozess der Vierbeiner ziehen, die wiederum in Relation zum Menschen bewertet werden könnten. Die bisherige Annahme eines Multiplikators mit sieben Menschenjahren konnten die Wissenschaftler widerlegen, denn Welpen und Junghunde altern schneller als Kinder und Teenager. Hingegen verlangsamt sich der Alterungsprozess bei Hundesenioren entsprechend dem Menschen in seiner zweiten Lebenshälfte. Die Erklärung dafür ist in der DNA begründet.

 

DNA-METHYLIERUNG

Der Fachmann spricht von einer DNAMethylierung und meint eine chemische Veränderung des Genoms. Hier werden Methylgruppen (-CH³) durch Methyltransferasen an einzelne Basen der DNA angedockt. Diese ringförmig angeordneten Basen hei- ßen Adenin (A), Cytosin (C), Guanin (G) und Thymin (T). Am Kohlenstoffatom 5 des Cytosinrings hängen die Methyltransferasen einer Methylgruppe an. Diese Gruppen sind ein Teil der DNA-Sequenzen. Hunde und Menschen weisen davon rund 28 Millionen auf. Diese Zahl verdeutlicht, wie aufwendig genetische Forschung ist. Zum Glück für Prof. Ideker verändert sich durch die Methylierung nicht die zu entschlüsselnde DNA-Sequenz, sodass die Reihenfolge der DNA-Buchstaben im DNA-Text gleich bleibt. Allerdings verändert sich durch den Alterungsprozess der Zellen das Muster der Methylierung. Dies geschieht so regelmäßig, dass Wissenschaftler daraus das Modell einer epigenetischen Uhr ableiten. Laut Ideker könne man sich die Methylierungen wie Falten auf der DNA vorstellen. Diese wären vergleichbar mit dem Alterungsprozess beim Menschen, der sich ebenfalls durch Falten im Gesicht, graue Haare und andere Faktoren zeige. Bislang war es nur möglich, diese genetische Uhr für eine Spezies zu entschlüsseln. Das kalifornische Forscherteam hat es nun geschafft, eine Formel für eine epigenetische Uhr zu entwickeln, die auch auf Hunde angewendet werden kann. Sie versprechen sich davon, nicht nur weitere Erkenntnisse hinsichtlich des Alterungsprozesses bei Vierbeinern zu gewinnen, sondern sehen darin auch eine diagnostische Hilfe für Tiertherapeuten.

DIE FORMEL

Für ihre Untersuchung wählten die Forscher 104 Labrador Retriever aus. Die Tiere waren zwischen wenigen Wochen bis zu 16 Jahre alt. Die Auswertung ihrer DNA-Methylierung ergab die Formel:

Menschenalter = 16 x In (Hundehalter) + 31

Das ist allerdings nur mit einem wissenschaftlichen Kalkulator (z.B. online auf Sciencemag) zu berechnen, da es sich bei „In“ um eine irrationale Zahl (natürlicher Logarithmus) handelt. Nach dieser Formel entsprechen 2 Hundejahre ca. 42 Menschenjahre. Ein 4-jähriger Hund wäre demnach ungefähr 53 Menschenjahre alt. Ausgehend von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von Labrador Retrievern von 12 – 13 Jahren, lässt sich daraus schließen, dass sie ein Durchschnittsalter vergleichbar des Menschen mit 70 – 75 Jahren erreichen können. Ideker und seine Kollegen planen weitere Untersuchungen mit anderen Hunderassen, um ihre Forschungsergebnisse spezifizieren zu können.

HÖHERE LEBENSERWARTUNG

Zwar lässt sich feststellen, dass kleine Hunderassen wie Dackel, Jack-Russel-Terrier und Chihuahuas meist älter werden als ihre großen Artgenossen, doch bestätigen Ausnahmen die Regel, denn ausgerechnet Vertreter mittelgroßer und großer Rassen knackten die Zwanzigermarke. Der Berner Sennenhund Penny erreichte ein Alter von 25 und der Australian Cattle Dog Bluey starb im Alter von 29. Die Australian-Kelpie-Hündin Maggie hätte es mit ihren biblischen 30 Jahren 2016 ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft, wenn der Besitzer ihre Geburtskurkunde nicht verloren hätte. Zugegeben, diese Altersklassen sind extrem selten, allerdings zeigt sich an diesen Beispielen, dass unsere Vierbeiner heutzutage sehr viel älter als noch vor 50 oder 60 Jahren werden können.

ONLINE-KALKULATOR

Wie alt die 7-jährige Amy nun wirklich in Menschenjahren ist, lässt sich mit dem Online-Kalkulator (auf www.sciencemag.org) errechnen. Gibt man 7 ein, erhält man 62,1 Jahre als Ergebnis. Da lassen sich dann auch ihre grauen Haare als altersgemäß betiteln.

CLAUDIA HÖTZENDORFER
DIPL.-JOURNALISTIN

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE
Autorin und Lektorin, Herausgeberin des Online-Magazins Duesseldogs.de, Schwerpunkte: Ernährung, Gesundheit und Forschung

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