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Tierfriseur - Ein Beruf, der Liebe und Empathie zum Tier vereint

In meiner Tierheilpraxis betreue ich viele Tiere, die mit ihren Besitzern bereits unterschiedliche Hundefriseur-Salons besucht haben. Oft waren die Tierhalter unzufrieden oder die Tiere wurden nicht nach ihren Wünschen behandelt. Bei mir im Salon sind die Besitzer während der kompletten Session bei ihren Tieren und geben ihnen so das Gefühl, nicht allein zu sein. Auch die Besitzer selbst haben ein gutes Gefühl, wenn sie bei ihren Hunden bleiben dürfen, und fassen Vertrauen, weil sie jeden Schritt der Behandlung mitverfolgen können. In Gesprächen mit meinen Kunden habe ich erfahren, was Tierbesitzern dabei wichtig ist. Meist sind das:

• ein sorgsamer Umgang mit dem Hund
• ein guter Bindungsaufbau zum Tier
• hygienische Arbeitsbedingungen

• kompetente Beratung über Fellzustand, Fellpflege und Fellbeschaffenheit
• ein sauberes Umfeld
• eine rassespezifische Schur
• eine stressfreie Umgebung
• dasEingehen auf Kundenwünsche, d. h. dass der Hund nicht pauschal nach Buch frisiert und gepflegt wird
• genügend Zeit
• lieber Qualität statt Quantität
• dass das Tier als Individuum gesehen wird, nicht als Ware
• dass Tieren mit Ängsten entsprechend Zeit gegeben wird
• Einfühlungsvermögen

Mehr als nur das Fell betrachten

Hat man einen Hund auf dem Tisch, ist man sehr nah an ihm dran und kann – neben der Fellbehandlung – auch andere Auffälligkeiten beobachten. Man kann die Haut in Augenschein nehmen und bei Schuppenbildung, Rötungen, trockener Haut oder sonstigen Irritationen genauer hinsehen und die Problematik mit dem Besitzer besprechen. Auch die Schutzfunktion des Hundefells muss beachtet werden, denn dieses schützt den Hund vor Hitze und Kälte und sollte aufrechterhalten werden.

Besondere Vorsicht bei Welpen

Welpen sollten ab dem 4. Monat mit Ruhe und Geduld an das Umfeld des Friseur-Salons, den Tisch, die fremden Geräusche und die Maschine gewöhnt werden, damit die Prozedur der Fellbehandlung schnell zur Routine gehört. Das Alter spielt bei der Gesamtbeurteilung des Hundes eine wichtige Rolle, denn bestimmte Rassen sollten erst ab dem 5. Lebensmonat geschoren werden, z. B. der Havaneser.

 

Hundefriseure vereinen Fachwissen, handwerkliches Geschick, Geduld/Ausdauer und Einfühlungsvermögen für die umfassende Fellpflege.

Immer im Austausch mit den Hundebesitzern

Man kann den Hundebesitzern Tipps zur Fellpflege, zum Bürsten, Baden und zur Wahl des richtigen Shampoos geben, während man den Hund behandelt. Bei Verwendung eines Shampoos spielt der pH-Wert eine entscheidende Rolle, dieser sollte immer zwischen 6 und 8,6 – im neutralen bis leicht alkalischen Bereich – liegen.

Ein Beruf mit vielen Facetten

Hundefriseur ist ein Beruf, der weit über das Haareschneiden hinausgeht, denn Fellpflege, Baden, Föhnen, Scheren, Trimmen, Auszupfen von losem Deckhaar, Krallenpflege, Ohrenpflege, zum Teil auch Zahnreinigung mit Ultraschall gehören ebenso dazu wie eine Beratung zur Fellstruktur, zu Hautproblemen und zur passenden Pflege. Als Hundefriseur muss man die unterschiedlichen Rassen und ihre Charaktere kennen und Kenntnisse zur Anatomie des Hundes haben. Der Beruf ist körperlich anstrengend, entsprechend sollte man eine gewisse körperliche Fitness mitbringen. Man muss oft lange stehen und braucht Kraft, um große und unruhige Hunde halten zu können. Empathie und Geduld sind wichtig, ebenso eine ruhige Art, handwerkliches Geschick und sicherer Umgang mit Scheren, Schermaschine und verschiedenen Bürsten.

Spezialthema Trimmen

Beim Trimmen müssen abgestorbene Haare fachgerecht von Hand oder mit einem Trimmmesser ausgezupft werden, um das Fell gesund, kurz und farbintensiv zu halten. Der Hautstoffwechsel sollte dabei angeregt werden, um Juckreiz zu verhindern. Das kann man mit einem Trimmesser, Fingerling, Trimmstein oder Trimmpuder erreichen.

Auf den pH-Wert achten

Beim Baden des Hundes ist unbedingt ein geeignetes Shampoo zu verwenden, denn ein ungeeignetes würde den natürlichen Säureschutzmantel der Haut des Hundes angreifen, was zu Juckreiz und Schuppenbildung führen und die Haut anfälliger für Bakterien und Parasiten machen kann. Die Dicke der Haut ist beim Hund mit nur 3-5 Schichten viel dünner und viel empfindlicher als beim Menschen, dessen Haut über 10-15 Schichten verfügt. Deshalb muss unbedingt ein pH-neutrales Shampoo verwendet werden. Bei Shampoos für Menschen liegt der pH-Wert bei ca. 5,5 – und das ist für die Hundehaut viel zu sauer. Ich verwende in meiner Praxis ein Bio-Shampoo ohne Parfumzusatz und trage, wenn der Kunde dies wünscht, noch ein Seidenprotein auf, das Vitamin B enthält und vor UV-Strahlung schützt.

Ohr ist nicht gleich Ohr

Auch bringe ich Zeit auf, um bei den Hunden eineOhrenpflege durchzuführen, d. h. ich nehme den Gehörgang in Augenschein, denn dieser sollte immer gut belüftet sein. Lose Haare, die den Gehörgang einengen, können einfach mit den Fingern oder einer Pinzette herausgezupft werden. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass das Ohr nicht verletzt wird. Ich schaue regelmäßig mit einem Otoskop in die Ohren und reinige sie, falls nötig, mit einem milden Ohrreiniger. Der äußere Gehörgang lässt sich mit einem weichen Tuch reinigen, das kann der Besitzer auch selbst immer wieder tun. Ich entferne die Haare am Ohr, allerdings nur in Maßen, da sie auch eine gewisse Schutzfunktion haben, denn sie verhindern z. B. das Eindringen von Fremdkörpern. Beim Beschnitt der Haare am äußeren Ohr ist der Wunsch des Kunden zu berücksichtigen, da hier die Vorstellungen zur Haarlänge unterschiedlich sind. Die Haarlänge an den Ohren richtet sich auch nach der rassespezifischen Form des Ohres. Hierzu gibt es ein gutes Nachschlagewerk von Melissa Vetplank CMG mit dem Titel „Notes from the Grooming Table“.

Augen sind besonders empfindlich

Die Augen der Hunde pflege ich mit einer speziellen Augenschere mit abgerundeten Kanten, damit lässt sich die Augenpartie sehr gut schneiden und Verschmutzungen sowie Verfilzungen an den Augen entfernen. Wenn dabei Auffälligkeiten an den Augen, z. B.übermäßiger Tränenfluss oder Rötungen beobachtet werden, sollte man dies dem Tierbesitzer mitteilen. Auch rassespezifische Verlegungen des Tränenkanals lassen sich dabei diagnostizieren. Es ist wichtig, dass man diese Auffälligkeiten dem Besitzer kommuniziert, damit dieser das ggf. tierärztlich abklären lässt. Ein Hundefriseur sieht den Hund ja meist öfter als der Tierarzt und sollte daher ein besonderes Augenmerk auf das Allgemeinbefinden und besondere Strukturen haben, z. B. die Haare direkt am Auge. Hier sollte man darauf achten, dass Haare nicht bis ins Auge ragen, denn diese können zu Irritationen oder einer Hornhautverletzung führen.

Tasthaare niemals kürzen

Zusätzlich betrachte ich regelmäßig die Zähne und das Zahnfleisch meiner Kundenhunde und kürze die Haare an der Schnauze mit äußerster Vorsicht, denn hier befinden sich die Vibrissen. Das sind Tasthaare, auch Sinushaare genannt, die dicker als normale Haare sind und für den Hund wichtige Sinnesorgane darstellen. Der Hund nimmt damit Luftbewegungen, Hindernisse und Abstände wahr und kann sich damit sogar im Dunkeln orientieren. Vibrissen sind tief in der Haut verankert und stark mit Nervenbahnen verbunden, sie funktionieren wie ein Radar oder ein Abstandshalter. Das Kürzen/Abscheren von Vibrissen ist in Deutschland und Österreich laut Tierschutz-

Durch Scheren, Trimmen und Bürsten wird der Fellwechsel unterstützt und abgestorbene Haare werden entfernt.

gesetz verboten, da das den Hund in seiner Orientierung beeinträchtigen würde.

Haare an der Rute mit Bedacht kürzen

Auch die Rute muss besondere Beachtung finden. Hier dürfen die Haare nicht zu kurz geschnitten werden, denn die Rute ist für den Hund ein zentrales Organ für Kommunikation, Balance, Steuerung und Signalisierung von Emotionen sowie für soziale Interaktionen und Stabilisierung bei Bewegungen. Insofern dürfen hier die Haare nur mit Bedacht gekürzt werden.

 

Krallen haben Blutgefäße

Die Krallen müssen gesondert betrachtet und behandelt werden, denn ihr Kürzen spielt eine wesentlicheRolle, um z. B. Fehlstellungen zu verhindern. Es ist wichtig, die Krallen fachgerecht zu schneiden. Im Inneren der Kralle verlaufen Blutgefäße und Nerven, die geschützt werden müssen. Die Gefäße lassen sich an hellen Krallen gut erkennen, sodass das Krallenschneiden mit Schutz der Blutgefäße einfach ist. Bei dunklen Krallen kann man versuchen, die Krallen mit einer Taschenlampe zu durchleuchten, um das Blutgefäß zu erkennen, oder man schneidet die Krallen millimeterweise. Hat man das Blutgefäß trotz aller Vorsicht doch verletzt, tritt vorne aus der Kralle Blut aus, das mit Wasserstoffperoxid oder einem anderen Mittel gestillt werden kann. Der richtige Winkel muss beim Krallenkürzen beachtet werden, um die Stellung der Kralle am Boden nicht zu verändern bzw. den Gang des Hundes nicht negativ zu beeinflussen.

Tierheilpraktiker & Tierfriseur – eine exzellente Kombi

Oft begegnen mir bei meiner Arbeit Tiere mit Verspannungen. Meist heißt es dann, der Hund würde beim Hundefriseur nie ruhig halten. In Wirklichkeit steckt aber z. B. eine Blockade an der Schwanzwirbelsäule oder eine Patellaluxation (Kniescheibe gleitet aus ihrer Führrinne) dahinter.

Als Tierheilpraktikerin ist es mir möglich, den Hund dann dahingehend zu behandeln, sodass er zunächst von seinen Schmerzen befreit ist, und ihn zu mobilisieren, dass ich ohne Probleme die Fellpflege durchführen kann.

Wichtige Arbeitsgeräte

Das Arbeitsgerät des Hundefriseurs besteht aus unterschiedlichem Zubehör, wie verschiedenen Bürsten und Kämmen, einem Flohkamm, einer kleinen Pfoten- und Augenschere mit abgerundeten Kanten, einer gebogenen Schere, einer Modellierschere, einer Schermaschine, unterschiedlichen Aufsteckkämmen und Scherköpfen.

Ausbildungsmöglichkeiten

Um den Beruf des Hundefriseurs ausüben zu können, gibt es verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten. Der Beruf selbst, im Fachjargon auch „Groomer“ genannt, ist in Deutschland kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, aber es gibt Fachschulen und Akademien. Ich habe meine Ausbildung an den Paracelsus Gesundheitsakademien gemacht, und kann diese jedem sehr empfehlen, der Interesse an dem schönen und vielseitigen Beruf des Tierfriseurs hat.

TINA SPENGLERBUSCHAUER
Tierheilpraktikerin Tierfriseurin Schwerpunkte: Fellpflege, Homöopathie, Manuelle Therapien und Phytotherapie tierfriseurin-st. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!