Keine Ruhe im Bauch - Durchfall beim Hund
In Tierheilpraxen werden täglich Hunde mit typischen Symptomen einer Gastroenteropathie vorgestellt: Sodbrennen, Gastritis, breiiger Kot, wässriger, teils blutiger Durchfall, der manchmal chronisch und wiederholt oder akut auftritt. Blähungen, erhöhte Darmperistaltik und Grasfressen runden das Bild ab. Auch gibt es Patienten, die wiederholt mit Ohrenentzündungen, Juckreiz, Hefeinfektionen und Entzündungen der Analdrüse zu tun haben. Leider ist keine Statistik für
Der Magen-Darm-Traktbeeinflusst weit mehr als die Verdauung – auch Haut, Immunsystem und Verhalten stehen im engen Zusammenhang mit einer gesunden Darmfunktion.
die Entwicklung von Magen-Darm-Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten greifbar, da keine Vergleichszahlen gesammelt wurden, aber es gibt zumindest einen Wert der IVC Journal-Studie (Texas A&M, 2026), dass jeder 10. Hund in der Praxis ein Verdauungsproblem hat. Eine Studie der Cairo University (2015) verglich 2.376 erkrankte Hunde. Sie zeigte, wie dominant Verdauungsprobleme sind, denn fast 57 Prozent aller Erkrankungen gehörten dieser Problematik an.
Der Darm wird häufig unterschätzt
Ein gesunder Darm arbeitet leise, effizient und unauffällig. Er verursacht keine Schmerzen, Geräusche, Blähungen, Durchfall oder Sodbrennen. Er zeigt sich in vielen kleinen Signalen, die Sie täglich beobachten können. Ihr Hund verwertet sein Futter gut und bleibt stabil im Gewicht, er setzt 1-2x täglich gut geformten, festen (aber nicht zu harten), dunkelbraunen, geruchsarmen Kot ab. Sein Fell ist glänzend und dicht – ein Zeichen, dass die Nährstoffe ankommen. Seine Haut ist gesund, er hat keine Rötungen, Juckreiz oder wiederkehrende Ohrenentzündungen. Ihr Hund hat ein ausgeglichenes Verhalten, er ist weder aufgekratzt noch apathisch, zu ängstlich oder aggressiv. Bei letzteren Anzeichen wird häufig ein Trainer konsultiert, doch nicht der Darm genauer betrachtet. Der Darm ist wie ein guter Diener, der im Hintergrund arbeitet, den man nicht bemerkt. Bevor er richtig krank wird, sendet er oft unspezifische Signale. Viele Hundehalter übersehen diese, weil sie „nicht schlimm genug“ sind, um zum Tierarzt zu gehen. Genau hier ist der richtige Moment zum Handeln! Wiederkehrender weicher Kot ist nicht normal, auch „ab und zu breiig“ ist chronischer Durchfall. Das ist der erste Hinweis, dass im Darm etwas nicht stimmt – es sei denn, man hat gerade das Futter umgestellt oder der Hund hat etwas Neues, Ungewöhnliches gefressen. Die Form, Farbe, Konsistenz, Dringlichkeit des Kotabsatzes, das Aussehen und die Menge lassen Rückschlüsse darauf zu, ob der Dünndarm oder der Dickdarm betroffen ist und ob sonst ein organisches Problem vorliegt. Das grenzt die Diagnose und häufig die Ursache dann schon mal ein. Tab. 1 hilft, Durchfälle zu unterscheiden und dem vorliegenden Problem auf die Spur zu kommen.
Fallstudie
Wie hilfreich diese Unterscheidung in der Praxis sein kann, zeigt der Fall einer 7-jährigen Hündin, die mir mit „ab und zu Durchfall“ und Gewichtsverlust vorgestellt wurde. Nach der Anamnese, Analyse des Blutbildes und einem Kot-Tagebuch wurde das Muster deutlich: erheblicher Dünndarmdurchfall mit schlechter Futterverwertung.
Die Blutuntersuchung zeigte ein erniedrigtes Vitamin B12 bei erhöhter Folsäure – das klassische Bild einer SIBO (bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms).
Durchfallursachen
Die Ursachen für das Rumoren im Bauch mit Symptomen wie Blähungen, Dünn- oder Dickdarmdurchfall sind in der Regel nicht nur in einem kranken Darm zu finden, sondern häufig auch außerhalb des Darms. Durchfälle können durch Infektionen mit Parasiten (Würmern, Giardien) verursacht werden, oder durch Bakterien und Viren. Die Fütterung spielt eine große Rolle für die Entstehung von Durchfällen: zu viele oder schwer verdauliche Proteine, zu viele Kohlenhydrate, zu viele oder zu wenige Ballaststoffe, Unverträglichkeiten auf Nahrungsbestandteile, zu schnelle Futterwechsel oder verdorbenes Futter. Der Darm kann durch diese primären Faktoren Erkrankungen entwickeln, die in der Fachwelt als IBD (inflammatory bowel disease), SIBO (small intestinal bacterial overgrowth) oder Leaky Gut (löchriger Darm) bekannt sind. Eine Verschiebung der Mikroorganismen

(Bakterien, Einzeller, Pilze, Hefen) zugunsten krankmachender Keime in der Darmflora des Dickdarms ist zugleich Ursache und Folge dieser Krankheiten und als „Dysbiose im Mikrobiom“ bekannt. Nicht zu unterschätzen sind Faktoren wie Stress und Angst, die Durchfall auslösen können, z. B. bei IBD, die nicht heilbar, aber durch diätetische Maßnahmen gut zu kontrollieren ist. Bei IBD sind häufig und im Wechsel beide Darmabschnitte betroffen, entsprechend äußert sich das in Dünn- und Dickdarmdurchfall. Auch Probleme in den Stoffwechsel- und Verdauungsorganen verursachen Durchfall, Pankreatitis, EPI (exokrine Pankreasinsuffizienz), Gastritis, Leber- und Gallenblasenprobleme, Diabetes oder Schilddrüsenprobleme. Die Krux ist dabei, dass sich diese Organprobleme in direkten Zusammenhang mit einer gestörten Darmfunktion bringen lassen. Henne oder Ei? Bei der Therapie, bzw. symptomatischen Behandlung dieser organischen Probleme durch Tierheilpraktiker oder Tierarzt sollte deshalb immer der Darm mit einbezogen werden.
Kotprobe kann Aufschluss geben
Zum Glück geben unsere Hunde durch ihren täglichen Toilettengang mit anschließendem Aufsammeln der Hinterlassenschaften einen grandiosen Hinweis darauf, wie es innerhalb ihres Magen-Darm-Trakts aussieht und ob vielleicht etwas in Schieflage geraten ist. Der Kot des Hundes sollte kein Tabu sein – er ist das wertvollste Diagnosewerkzeug, das Sie täglich in der Hand halten. Während Blutbilder und Ultraschall wichtige Informationen liefern, erzählt der Kot eine Geschichte: von der Verdauung, Darmflora, Entzündungen und der Fähigkeit des Körpers, Nährstoffe aufzunehmen. Wer lernt, diese Hinweise zu lesen, erkennt Probleme oft Monate, bevor sie ausbrechen. Wie sollte also der optimale Output aussehen, und wie erkennt man, was vielleicht nicht in Ordnung sein könnte? Wann ist Handlungsbedarf? Der Kot eines Hundes sollte eine braune bis dunkelbraune Farbe haben (je nach Futterbestandteilen kann das auch mal heller oder dunkler sein), er wird in festen, kneteartigen „Würstchen“ abgesetzt, die sich gut aufsammeln lassen, möglichst nicht auseinanderfallen, und er hat einen normalen Geruch nach Hundekot, nicht stechend nach Fisch oder Fäulnis. Alarmzeichen sind Kothaufen wie in Tab. 2 beschrieben.
Fazit
Der Kot allein ist kein sicherer Diagnoseersatz – immer sollte der gesamte Gesundheitszustand mit Verhalten, Fressen und Trinken beobachtet werden. Eine einmalige Farbabweichung kann harmlos sein (z. B. nach einem bunten Leckerli oder Fressen von Gras), während wiederholte oder begleitende Symptome wie Erbrechen, Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit und Gewichtsverlust ernste Ursachen haben können. Ein einmaliger weicher Kot nach einem üppigen Snack ist kein Drama, aber ein über Wochen wiederkehrender breiiger Kot mit starkem Geruch sollte abgeklärt werden. Wer seinen Hund gut kennt, spürt frühzeitig, wann etwas nicht stimmt. Regelmäßiges Kontrollieren des Kots – am besten täglich beim Gassigehen – gehört zu einer verantwortungsvollen Hundehaltung. Zögern Sie nicht, bei Unsicherheiten oder alarmierenden Zeichen (schwarzer, teeriger Kot, frisches Blut, anhaltender Durchfall) einen Tierarzt aufzusuchen. Besser einmal zu viel nachgefragt als einmal zu wenig.
Verdauungsprobleme gehören zu den häufigsten Gründen für einen Besuch beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker

RENATE ALMOSLÖCHNER
Ernährungsberaterin für Hunde
Schwerpunkte: Ernährungsberatung für Hunde, IBD, SIBO, Dysbiose, PLE und Stoffwechselerkrankungen, Buchautorin