Shiatsu für Pferde
Im Herbst regiert das Erdelement (Magenmeridian und Milzmeridian). Es ist die Zeit des psychischen und physischen Verdauens, des Genughabens für den Winter, des Hamsterns. Jetzt wird Energie aus der Nahrung gezogen und im Körper gespeichert. Gerade Jungpferde und Seniorenpferde profitieren im Herbst von Shiatsu, indem vorbeugend der Körper und das Gemüt gestärkt und vitalisiert wird, damit im Winter auf die Reserven zurückgegriffen werden kann.
Verbesserung der Aufnahme von Nährstoffen
Da sich im Herbst die Nahrungsaufnahme verändert, kann man Pferde über Magen- und Milzmeridian bei der Umstellung unterstützen. Durch ein ausgeglichenes Erdelement ist eine verbesserte Aufnahme der Nährstoffe und eine höhere Energiegewinnung aus dem Futter möglich. Wir sprechen hier nicht nur von physischer Nahrungsaufnahme, sondern laut TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) geht es hier auch um psychische Nahrungsaufnahme wie Informationen, Gelerntes, Gefühle etc. Gerade für Jungpferde kann das im Training eine gute Unterstützung sein. Für Senioren kann es ausgleichend wirken, sodass sie mit den Veränderungen, wie weniger Leistungsfähigkeit, Steifheit, längerem Fellwechsel, anderem Rang in der Herde etc., besser zurechtkommen. Man kann sich das Erdelement wie das klassische Bild der italienischen Mama vorstellen: Geborgenheit, Fürsorge, wohl genährt, Sicherheit, zu Hause ankommen.
Auffüllen, auffüllen, auffüllen
Viele Pferdebesitzer haben vor dem Winter nur eines im Sinn: das Pferd in allen Bereichen „aufzufüllen“. Das bedeutet einerseits, seinen Liebling mit Nährstoffen auf den Winter vorzubereiten, und andererseits, das Immunsystem zu stärken. Dass man hier mit Shiatsu unterstützen kann, wissen nur wenige. Die Meridiane werden ausgeglichen und aufgefüllt, sodass Blutfluss und Lymphfluss im Körper optimal zirkulieren können und so der Sauerstofftransport und die Entgiftung verbessert werden. Sind die Meridiane in Balance, gilt das Immunsystem als stark. Eine einfache,
aber wichtige und wirkungsvolle Methode, um dem Körper zusätzlich Abwehrkraft zu verleihen, ist die regelmäßige Bewegung des Pferdes. Shiatsupraktiker verwenden zusätzlich Techniken, um den Körper zu vitalisieren. Beispielsweise ist das „Ohren rotieren“ eine Praktik, bei der die Immunabwehr und die Selbstheilungskräfte angeregt werden. Es belebt das gesamte Meridiansystem und entspannt die umliegende Muskulatur.
Das Abwehr-Qi
In der TCM wird speziell im Herbst großes Augenmerk auf das Abwehr-Qi (Wei-Qi) gelegt, da es für den Körper als Schutzschild fungiert. Das Abwehr-Qi zirkuliert in den Schichten zwischen den Muskeln und der Haut, und ist dafür zuständig, äußere pathogene Einflüsse, wie Feuchtigkeit, Kälte oder Bakterien, fernzuhalten. Zudem sorgt es für eine optimal temperierte Körperoberfläche, Regulation der Porenöffnung sowie des Schweißes. Das Wei-Qi wird durch eine ungenügende Funktion der Erde-Meridianen oder durch eine ungenügende Lungenfunktion geschwächt. Daher ist es gerade im Herbst wichtig, für eine Balance in diesen Meridianen zu sorgen.
Bevor die Nase rinnt und der erste Husten grüßen lässt
Um die Atemwege für den Herbst vital zu halten, kann Shiatsu präventiv den Lungenmeridian stärken, der für das Abwehr-Qi zuständig ist. Da Shiatsu aber einen ganzheitlichen Ansatz hat, wird der Shiatsupraktiker über verschiedene Akupunkturpunkte abfragen, welcher Bereich noch gestärkt werden sollte. Die erfragten Themenbereiche oder Energiebahnen werden dann durch Shiatsutechniken aktiviert, aufgefüllt oder ausgeglichen. Wir füllen dort, wo Energie fehlt, und gleichen aus, wo zu viel ist. Eine regelmäßige Stärkung der Selbstheilungskräfte kann das Pferd entspannter und vitaler durch den Herbst begleiten. Die Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland hat in der 2009 durchgeführten Studie zum therapeutischen Anwendungsfeld die Wirkung bei Menschen so zusammengefasst: „Die gesunden, selbstregulativen Kräfte werden gestärkt und führen häufig zu positiver Veränderung.“ Gerade beim Pferd ist das sensomotorische System, das für sein Überleben als Steppentier notwendig war, wesentlich empfänglicher, und die Effekte von Shiatsu wirken daher sehr ganzheitlich.
Wenn es in den Gelenken zieht
Wird es kalt und feucht, leiden manche Pferde unter Gelenkschmerzen, Verspannungen oder Spat, einer Arthrose der Sprunggelenke. Vorbeugen heißt die Devise: Die Herangehensweise mit Shiatsu ist ein Ausgleich der Meridiane, um damit die Gelenke, Sehnen und Bänder zu stärken und zu unterstützen. Bei Entzündungen, die laut TCM meist von zu viel Schleim und Feuchtigkeit im Körper verursacht werden, kann über eine Stärkung der Meridiane, der Faszientechnik oder der Muskellockerung wieder Balance ins System gebracht werden.
Moxen
Die Moxibustion ist eine Methode, bei der man mit einer glühenden Beifußzigarre Wärme in den Körper bringt und zugleich Kälte und Feuchtigkeit herausholt. Moxen wird zur Unterstützung von Immunschwäche angewendet, indem es die Fließeigenschaft des Blutes und die Sauerstoffversorgung des Körpers verbessert. Es kann durch die Wärmeeinwirkung Blockaden und Verspannungen lösen und den Stoffwechsel anregen. Eine Imbalance im Verdauungstrakt, z. B. Kotwasser, kann mit Moxibustion unterstützt werden. Moxen wird speziell bei schnellen Temperaturwechseln von warm auf kalt und windig als besonders angenehm empfunden. Es lässt das Pferd rascher entspannen und beruhigt sein Nervenkostüm.

JASMIN SCHARF
Human- und Tiershiatsupraktikerin Schwerpunkte: Shiatsu in Öber- und Niederösterreich, Ehrenamt im Verein Humanitas cum cultura

MAG. DOINA HUSIATYNSKI
Tiershiatsupraktikerin Schwerpunkte: Shiatsu in Salzburg, Tirol und Bayern