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Erkrankung der Wirbelsäule - Kissing Spines beim Pferd

Kissing Spines ist eine Erkrankung der Wirbelsäule beim Pferd, bei der die Dornfortsätze der Rückenwirbel zu nah beisammen sind und sich teils überlappen oder aneinander reiben. Die Folgen sind Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Verspannungen der Rückenmuskulatur, die sich negativ auf den gesamten Bewegungsablauf und -apparat des Pferdes auswirken und somit das Wohlbefinden des Tieres massiv beeinträchtigen können. Durch die eingenommene Schonhaltung sind auch die umliegenden Strukturen betroffen, und es kommt zu weiteren Fehlbelastungen. Das Kissing-Spines-Syndrom gilt als eine der häufigsten Auslöser für Rückenleiden beim Pferd. Seine Ursachen sind vielfältig und können u. a. durch zu starke Belastung, genetische Veranlagung oder falsches Training entstehen.

Anatomie

Die Wirbelsäule des Pferdes besteht aus 7 Halswirbeln, 18 Brustwirbeln, 6 Lendenwirbeln, dem Kreuzdarmbein mit 5 verwachsenen Wirbeln sowie der Schwanzwirbelsäule mit 15-21 Wirbeln. Bei Kissing Spines berühren sich die Dornfortsätze der Wirbel und reiben aneinander. In Folge entstehen sehr schmerzhafte Entzündungen. Die Dornfortsätze können sich auch überkreuzen oder im schlimmsten Fall zusammenwachsen. Betroffen sind meist die Fortsätze vom 10. Brustwirbel bis zum 4. Lendenwirbel. Besonders anfällig für diese Erkrankung sind Pferde mit Senkrücken und wenig ausgebildeter Rückenmuskulatur. Auch werden junge Pferde, die zu früh und zu intensiv geritten werden, Opfer dieses Syndroms. Eine weitere Ursache ist ein schlecht sitzender Sattel. Prädispositionen oder Genetik, wie angeborene Engstände der Dornfortsätze, können Kissing Spines begünstigen.

Symptome

• Verspannungen der Rückenmuskulatur
• Lahmheit und Steifheit
• Abwehr beim Aufstieg des Reiters
• Bestimmte Bewegungen werden vermieden oder es wird ausgewichen
• Verhaltensänderungen wie Rückzug oder aggressive Reaktionen
• Schmerzen im Rückenbereich, die sich oft schon bei Berührungen oder beim Putzen zeigen

Probleme im Pferderücken beeinträchtigen den gesamten Körper. Somit sind in diesem Zusammenhang oft Probleme im Hals- und Nackenbereich zu beobachten, die bis zum Kiefergelenk reichen. Der Bereich des ISG (Iliosakralgelenk) ist häufig extrem verspannt, was sich in der gesamten Glutealmuskulatur widerspiegelt.

Behandlung

Pferde mit Kissing Spines benötigen im Alltag eine spezielle Betreuung. Die Behandlung erfordert eine Kombination aus gezielten Übun-

Wallach Quantum erhält eine Novafon-Therapie 

gen, richtiger Ernährung und regelmäßiger Pflege, um den Pferden eine gute Lebensqualität zu erhalten. In der Physiotherapie gibt es zahlreiche Maßnahmen, die zur Linderung der Schmerzen und zur Unterstützung des Muskelaufbaus eingesetzt werden. Gezielte Massagen oder Anwendungen mit geeigneten Faszienrollen erzielen oft eine Besserung bei Verspannungen und Verklebungen der Faszien. Mit der lokalen Vibrationstherapie habe ich großartige Erfahrungen gemacht und die bestmögliche Linderung bei Schmerzen erreicht. Aber es gibt auch zahlreiche andere Behandlungsmöglichkeiten, wie etwa Wärme, Rotlicht oder Ultraschall. Eine sinnvolle Unterstützung stellt das kinesiologische Taping dar. Hier können durch verschiedene Techniken Muskelentspannung und Entlastung der Druckpunkte ermöglicht werden, die auch nach der Behandlung wirken. Durch gezieltes Training kann die Muskulatur gestärkt und die Beweglichkeit des Rückens verbessert werden. Es ist wichtig, das Training langsam zu steigern und immer ein Auge auf die Reaktionen des Pferdes zu haben, um sofort reagieren zu können, wenn das Tier Schmerzanzeichen zeigt oder Widerstand leistet. Arbeit am Kappzaum ist gut geeignet. Beim Longieren sollte nicht mit Ausbindern und Zügeln gearbeitet werden, das ist bei einem an Kissing Spines erkrankten Pferd kontraproduktiv. Um den Rücken zu lockern, haben sich Übergänge und Tempounterschiede bewährt. Diese sollten regelmäßig auf dem Trainingsplan stehen. Dehnübungen sind unerlässlich. Hier gibt es die allseits bekannte „Karotten-Methode“, bei der das Tier durch Biegen des Halses zu beiden Seiten und nach vorne in eine Dehnposition gebracht wird. Das entspannt die Hals- und Rückenmuskulatur. Am besten sollte der Trainingsplanmit einem erfahrenen Experten, z. B. einem Physiotherapeuten, abgesprochen werden. Auch Behandlungen eines Pferdeosteopathen sind eine hervorragende Ergänzung.

Ausrüstung

Zuletzt spielt die Ausrüstung eine große Rolle. Ein optimal angepasster Sattel ist für Pferde mit Kissing Spines essenziell. Ein schlecht sitzender Sattel belastet die Wirbelsäule zusätzlich und verschlimmert die Problematik und die Schmerzen enorm.

Fazit

Ein Pferd, das an Kissing Spines erkrankt ist, kann in vielen Fällen noch geritten werden. Für den Umgang mit einem Pferd mit Kissing Spines ist es unerlässlich, sich intensiv mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankung auseinanderzusetzen. Es erfordert viel Zeit, eine absolute Regelmäßigkeit und Kontinuität, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Auch sollte am eigenen Reitstil gearbeitet werden. Im Vordergrund muss die Erhaltung der Lebensqualität und die Bewegungsfreiheit des Tieres stehen.

Häufig betroffen sind die hinteren Brustwirbel

Wallach Romeo erhält eine intensive Massagebehandlung

Sattel passt nicht, daher Druckstellen sowie Einschränkungen

GEORGINA LÖPRICH-GRÄSSLER
Tierheilpraktikerin Schwerpunkte: Tierphysiotherapie, Tierpsychologie, Tierverhaltenstherapie und kinesiologisches Taping

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