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Bienen - Die kleinsten Nutztiere der Welt

In t‘Horntje, einem Dorf im Süden auf Texel, traf ich Jacco van de Ree, einen von 22 Imkern, die auf der Insel tätig sind. Jacco lebt mit Frau und Kindern in einem kleinen Häuschen umgeben von märchenhaften Naturgärten.

Der anthroposophische Bioimker und seine Leidenschaft für Bienen

Jacco erzählte mir von seiner Liebe zur Natur und von der zauberhaften Welt der Bienen. Eine Leidenschaft, die er bereits hatte, als er noch auf dem holländischen Festland lebte. Ursprünglich kommt Jacco aus Den Haag. Dort arbeitete er als Produzent für Werbevideos. Sein Hobby war die Imkerei. Er hatte schon damals ein kleines Bienenvolk, das er liebevoll versorgte. Aber die Großstadt war nicht das, was er wollte. Er träumte von einem Ort, an dem er friedlich im Einklang mit der Natur sein Hobby zum Beruf machen konnte. Nach langem Suchen kam er nach Texel. Texel hat genau das, was sich ein naturverbundener Mensch wünscht. „Es ist die Magie der Insel, die mich und meine Frau verzauberte, und so beschlossen wir, uns hier niederzulassen. Das ist jetzt 18 Jahre her.“ Doch es gab ein Problem: Sein Bienenvolk durfte nicht einreisen. Denn auf Texel lebt eine ganz außergewöhnliche Bienenart, und diese darf auf keinen Fall durch andere Bienen gefährdet werden. Es ist die Schwarze Honigbiene (Apis melifera melifera), auch Dunkle Biene genannt. So musste Jacco sein „Den Haager Bienenvolk“ verkaufen und auf Texel mit einem neuen Volk starten. Heute betreut Jacco rund 30 Bienenvölker, die an 10 verschiedenen Standorten auf der Insel verteilt sind. Er platziert sie am liebsten in der Nähe von Naturschutzgebieten, wo es viele wilde Blumen gibt. Pflanzen, wie der Strandflieder, verleihen dem Texel-Honig eine spezielle Note, für den dieser weit über die Grenzen der Insel bekannt ist. „Bienen sind etwas ganz Besonderes“, so Jacco. Es gibt verschiedenste Arten, ähnlich wie bei den Vögeln. Er arbeitet mit der Schwarzen Biene, die äußerst stark und robust ist. Sie ist die ursprüngliche Urbiene, wurde in den Niederlanden durch andere Arten verdrängt und mit dem Einsatz von Pestiziden beinahe ausgerottet. Dank Schutzbemühungen und strengenVerordnungen v. a. auf Texel konnte diese reinrassige Art erhalten bleiben. Die Schwarzen Bienen produzieren wesentlich weniger Honig als andere, dafür sind sie widerstandsfähiger.

Ein vollkommener Organismus „der Bien“

Ein Bienenvolk kann aus bis zu 40.000 Bienen bestehen. „Genau gesagt ist eine einzelne Biene keine Biene; nur zusammen bilden sie einen lebenden Organismus“, erklärt er mir. Auch fügt Jacco hinzu, dass ein durchschnittlicher Bienenstock jährlich ca. 20 kg Honig produziert, während seine Ernte sich auf 3 kg beschränkt. Das läge daran, dass er den Rest des Honigs seinen Bienen überlässt, damit sie sich selbst versorgen und gut über den Winter kommen. Viele seiner Imkerkollegen ersetzen Honig durch Zuckerwasser. „Als reiner Bioimker wähle ich den natürlichsten Weg.“ Honig liefert zwar Energie, aber die eigentlichen Bausteine sind die Pollen. Pollen beinhalten fast alle essenziellen Aminosäuren, Vitamine und Fette, was jungen Bienen zum gesunden Wachsen benötigen. Pollen haben heilende und immunstärkende Eigenschaften, das ist längst bekannt. Mit einem Lächeln erwähnte er noch, bezüglich des Honigs, das Wort Bienenkotze. Damit konnte ich nun wirklich nichts anfangen. Das klingt auch nicht appetitlich! „Was genau ist damit gemeint?“, fragte ich. Nun, Bienen trinken Nektar aus Blumen und fliegen dann zurück zu ihrem Bienenstock. Der Nektar wird dann in einer Art Kropf, auch Honigblase genannt, gespeichert. Am Ende vom Kropf gibt es ein Ventil, das den Kropf vom Rest des Verdauungssystems abtrennt. Zurück im Stock übergibt die Sammelbiene den Nektar durch Hochwürgen an die Verarbeitungsbienen weiter. Bis dahin konnte ich folgen. Jetzt geschieht ein komplexer Prozess: Die Verarbeitungsbienen fügen durch Wiederkauen des Nektars wichtige Enzyme dazu. Der Nektar wird dann in eine Wachszelle gegeben, wo er von anderen Bienen mit deren Flügelschlag so lange befächelt wird, bis das meiste Wasser verdunstet und Honig entsteht. Also ist die Honigblase eine Art Sammel- und Transportorgan, und gleichzeitig ein zentrales Element für die Produktion von Honig. Neben Honig fokussiert sich Jacco auf die Herstellung und den Verkauf von Bienenkittharz auch Propolis genannt. Eine einzigartige rötlich-braune, klebrige Substanz, die Bienen zur Stärkung und zum Schutz ihrer Bienenstöcke verwenden. Sie sammeln diese von verschiedene Baumarten und fügen bei deren Verarbeitungen einige Substanzen hinzu. Dass Propolis gegen Bakterien, Viren und Pilze wirken soll, ist in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt. Jacco verarbeitet Propolis zu hochwertigen Salben und Tinkturen. Seine biologischen Produkte gewinnen auf Texel immer mehr an Beliebtheit. Aber im Grunde geht es ihm nicht nur um die Herstellung von Produkten, sondern es in erster Linie um Aufklärung. „Ohne die Bestäubungsleistung der Bienen gäbe es keine Samen und Früchte, um unsere Welt zu ernähren“, betont er. Deshalb bietet Jacco jährlich von Mai bis Oktober jeden zweiten Dienstag lehrreiche Exkursionen über Bienen an. Er erzählt über das Leben der Bienen, welche Stellung sie in der Natur haben und wie man sie schützen kann. Bevor wir uns aufmachten zu einem Standort seiner Bienenvölker, hatte ich noch eine Frage: „Wie sieht es denn aus mit Bienenparasiten und dem seit einigen Jahren massiven Sterben von Bienenvölkern“? Im Gespräch bezüglich dem Bienensterben standen im Vordergrund an erster Stelle der Einsatz diverser Pflanzenschutzmittel sowie der Anbau und die Ausbreitung der Monokulturen. Auch zunehmende Anfälligkeiten gegen Krankheiten, die auf ein geschwächtes Immunsystem der Honigbienen hindeuten, und das Vorhandensein der Varroamilbe. Grundsätzlich gibt es die Varroamilbe überall, wo es Bienen gibt. Auch auf Texel. Jaccos Bienen sind varroamilbenfrei. „Unsere Schwarzen Bienen sind stärker, immuner und resistenter gegen diesen Parasiten.“ Als Bioimker verzichtet er auf Chemikalien.

Schutz der Schwarzen Biene auf Texel

• 1984 entstand auf Texel ein Bienenreservat für die letzten Schwarzen Bienenvölker der Niederlande.
• Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Bienenvölker eine deutlich geringer Wintersterblichkeit aufweisen, als ihre Bienenkollegen auf dem Festland.
• Es ist anzunehmen, dass die Texel-Bienen eine hohe Widerstandsfähigkeit in Bezug auf die Varroamilbe entwickelt haben.
• Um ihren Bestand und ihre Gesundheit zu schützen, ist der Import von anderen Bienen vom Festland nach Texel strengstens verboten.
• Seit 1 Januar 2024 ist Bienenhaltung auf Texel genehmigungspflichtig.

Diese Genehmigungen werden ausschließlich für die Haltung der Schwarzen Biene ausgestellt und unterliegen strengen Kontrollen.

Was genau ist die Varroamilbe?

Die Varromilbe (Varroa destructor) gehört zu den Spinnentieren (Arachnida) und ist ein reiner Bienenschädling. Sie befällt adulte Bienen sowie deren Brut und saugt diese aus. Um sich fortzupflanzen, verlässt die Milbe die erwachsenen Bienen und begibt sich auf den Weg zu denen Brutzellen. Dort eingenistet, findet die Paarung und ihre Vermehrung statt.
• Weibliche Milbe: bis 1,6 mm, oval, dunkel gefärbt
• Männliche Milbe: bis 0,8 mm, rundlicher, heller gefärbt

Virusüberträger (Vektor)
Zahlreiche Viren können durch die Varroamilbe übertragen werden. Am bekanntesten ist das Flügeldeformationsvirus (DWV). Die Milbe injiziert das Virus direkt der Brut. Dort vermehrt es sich und schädigt die heranwachsenden Bienen, sodass sie nach dem Schlüpfen versterben oder verkrüppeln. Ihre Lebenszeit ist verkürzt. Solche Bienen sind nicht mehr in der Lage, den Gesamtorganismus zu unterstützen – das Volk wird immer kleiner und bricht irgendwann zusammen.

Meldepflicht in Deutschland (§ 3 TierSeuchMeldV)
Die Varroose, wie der Befall dieser Milben genannt wird, wurde nach der Deutschen Tierseuchenmeldeverordnung (TierSeuchMeldV) (März 2026) als meldepflichtige Krankheit eingestuft. Das bedeutet, dass ein Befall der zuständigen Behörde (Veterinäramt) gemeldet werden muss.

Bienenlaus (Braula coeca)

Die Bienenlaus ist in unseren Breiten selten geworden. Das liegt an der Tatsache, dass durch die Bekämpfung der Varroamilbe auch die Bienenlaus verschwindet. Bienenläuse sind nur bedingte Parasiten. Sie schmarotzen, indem sie sich mit ihren Borstenkämmen an den Körper der Bienen, meist der Königin, heften und von ihrem Futter mitfressen.

Jacco van de Ree ist Inhaber der Website Bijenraadsel mit Onlineshop. Hier werden sämtliche Produkte aus biologischer Herstellung zum Verkauf angeboten und auch nach Deutschland verschickt.

Wir sollten achtsam sein und dafür sorgen, dass diese wundervollen Geschöpfe auf unserer Erde erhalten bleiben.

Mein Dank geht an Jacco van de Ree für seine Zeit und die liebevolle Einführung in die Welt der Bienen sowie an meinen Fotografen und Übersetzer Henkjan Klok.

Eier der Bienenlaus werden an die Honigzellen geklebt. Dort entwickeln sich kleine Larven, die sich durch die Wände der Waben bohren, wo sie sich von Pollen und Wachs ernähren. Ein zu starker Befall der Königin führt zur Verringerung oder kompletten Einstellung der Eiablage. Bekämpfen kann man Bienenläuse mit dem Rauch aus einem Smoker.

Der Tanz der Bienen

Rundtanz
Mit diesem Tanzstil weisen Bienen auf ergiebige Futterquellen in der direkten Umgebung (bis zu 100 Meter) hin. Die Biene läuft auf der Wabe abwechselnd in kleinen Kreisen nach links und rechts, um Aufmerksamkeit zu erregen. Je ausdrucksvoller und intensiver ihr Tanz, umso mehr Nahrung ist zu finden.

Schwänzeltanz (waggle dance)
Dieser Tanz wird eingesetzt, wenn sich die Nahrungsquelle weiter als 100 Meter entfernt vom Bienenstock befindet. Die Bienen tanzen eine „8“ auf der Wabe. Durch präzise Bewegungen zeigen sie an, in welcher Richtung qualitativer Nektar ist, und wie weit dieser entfernt ist. Je weiter die Nahrungsquelle weg, desto langsamer der Tanz.

Kommunikationsgenie Biene

• Das Gehirn einer Biene ist nicht größer als ein Stecknadelkopf. Es besitzt etwa 1 Million Nervenzellen.

• Bienen können Zahlen bis 4 unterscheiden.
• Bienen riechen 250.000x mehr als der Mensch.
• Arbeitsbienen können bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts an Pollen oder Nektar im Flug transportieren.
• Bienen merken sich komplexe Muster und lernen aus Erfahrungen.
• Durch chemische Signale wie Pheromone können sie die Sozialstruktur, Orientierung und Ressourcennutzung steuern.
• Kognitive Prozesse ermöglichen ihnen, diverse Kunststile zu unterscheiden.
• Sie hinterlassen beim Landen kleine Duftspuren, um anderen Bienen das Signal zu geben: „Hier war ich schon, suche du woanders.“
• Sie benutzen Nektar als Informationsmedium. Geruch und Geschmack diverser besuchter Blüten wird weitergegeben.
• Bienen regulieren das Klima in ihrem Bienenstock, was sie zu Anpassungskünstlern macht.
• Mithilfe des Flügelschlags öffnen sie Wabenzwischenräume und platzieren dort Tankstellenbienen, damit erschöpfte Sammlerinnen auftanken können.
• Sie steuern mit Präzision Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Dadurch werden Brut und Vorräte optimal geschützt.
• Bienen können durch ihre Bewegungen elektrische Felder erzeugen, die das Wachstum von Pflanzen fördern.
• Sie sammeln Pflanzenstoffe gegen Parasiten und betreiben Selbstmedikation.
• Zur Navigation bedienen sie sich der Polarisation und nutzen gezielt den Sonnenstand.

All diese Aufzählungen sind Werkzeuge, um Krankheiten vorzubeugen, Völker zu leiten und das Zusammenspiel von Tier, Pflanze und Umwelt zu verstehen. Bienen sind mehr als nur Bestäuber! Sie agieren als Tänzer, Baumeister, Klimamanager, Chemiker und sind Meister der Kooperation.

PETRA JERICKE
Heilpraktikerin Tierheilpraktikerin Schwerpunkte: Orthomolekularmedizin. Labordiagnostik, Parasitologie, Mykotherapie und Horvi-Therapie, Dozentin der Paracelsus Gesundheitsakademien