Hufrehe - Eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut
Hufrehe, auch Laminitis genannt, ist eine der am längsten bekannten Erkrankungen des Pferdes. Ihre Ursachen sind vielfältig, wobei metabolische Störungen die häufigsten Auslöser darstellen.
Falsche Fütterung
Durch falsche Futterung kommt es zu:
• übermäßiger Aufnahme von Fructan (Zucker) und Stärke
• gastrointestinalen Störungen
• erweitertem Gangbild
• Stoffwechselerkrankungen
• Vergiftungen
• Belastung bzw. Überbelastung der Hufe
• Equinem Cushing-Syndrom oder Equinem metabolischem Syndrom im Sinne endokriner oder metabolischer Störungen
Aufnahme giftiger Pflanzen
Die Aufnahme giftiger Pflanzen bewirkt:
• Sägebock-Stellung
• weit nach vorn gestreckte Vorderbeine, um die Hufspitze zu entlasten
• deutliche Schmerzen beim engen Wenden
• Wärme: Hufe fühlen sich warm an
• Pulsation der Mittelfußarterie
• klammen Gang – das Pferd läuft sehr vorsichtig und ungern
Gesunder Huf: Die Lederhaut ist fest mit der Hufwand verbunden und trägt das Hufbein
Hufrehe: Die Verbindung zwischen Lederhaut und Hufwand löst sich – das Hufbein kann sich drehen und sinkt folglich ab
Bei genauem Hinsehen kann man im Gesicht des Pferdes seine Schmerzen erkennen. Es zeigt ein „Schmerzauge“, ein angespanntes Maul und einen schmerzhaften Gang.
Mögliche Hilfen
Kühlen der Hufe mit fließendem Wasser, Kühlbandagen oder in crushed Eis. Das Pferd weich stellen und Hufpolster mit Watte oder Binden anlegen, oder mit Hufschuhen arbeiten. Die Fütterung sollte überprüft und ggf. angepasst werden. Denn hier liegen meistens die Ursachen begründet, die zur Entwicklung einer Hufrehe führten. Ebenso sollte die Winkelung des Hufes gecheckt werden, da sich daran eine Hufrehe schon früh erkennen lässt. Ursächlich kommen viele Störungen in verschiedenen Organsystemen in Frage. Meist zeigt sich eine übermäßige Aufnahme von Speicher-Kohlenhydraten (Fruktan im Weidegras oder von Stärke im Getreide), sodass Heu-Waschungen zur Vermeidung empfohlen werden. Insgesamt ist es ein komplexer Ablauf, der im Pferd passiert. Daher ist es erforderlich, die Ursache so schnell wie möglich zu finden, um schnell gegensteuern zu können und Linderung zu ermöglichen.
Fallstudie Araberstute
Die 18-jährige Araberstute wurde mir mit einer Hufbein-Senkung und einem Hufbein-Durchbruch vorgestellt, wobei die Besitzer im Vorfeld versucht hatten, die Hufe selbst zu bearbeiten. Sie waren deutlich steil gestellt und das Futter wenig ausgewogen, da mit viel Heu in schlechter Qualität gefüttert wurde. Eine Hufrehe war vorprogrammiert und konnte schnell diagnostiziert werden. Nach der Anfertigung von Röntgenbildern habe ich das weitere Vorgehen mit der Hufbearbeiterin besprochen. Zuerst wurde eine Blutegeltherapie durchgeführt, um das Pferd zu entgiften und die Schmerzen zu nehmen. Hierbei darf man pro 5 kg Tier 1 Egel ansetzen. Ich selbst bin begeistert von den kleinen Helfern.
Die erfahrene Hufbearbeiterin Nadine Kirsch hat die Hufe in kurzen Intervallen bearbeitet und mit Modelliermasse und passenden Hufschuhen unterstützt. Die Stute wurde zu Hause in einer kleineren Box gehalten, zeigte dort aber extreme Verhaltensauffälligkeiten, sodass ich mich entschied, sie in einem Paddock laufen zu lassen. Ihr Bewegungsdrang war sehr groß, denn sie stand lange Zeit alleine und hatte somit keine Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen. Das freie Bewegen tat ihrer Psyche gut und damit auch ihrem Genesungsfortschritt. Als Tierheilpraktikerin betrachte ich immer das Tier im Ganzen. Jedes Tier wird individuell behandelt und bekommt einen eigenen Therapieplan, der auf die momentane Situation abgestimmt ist und mit dem Besitzer besprochen wird. Nach kurzer Eingewöhnungszeit stand die Stute nur durch Bänder von den restlichen Pferden getrennt und konnte schnell mit den anderen Pferden zusammengestellt werden, sodass sie sich frei bewegen und soziale Bindungen eingehen konnte. Sie blüht immer mehr auf, und nach 2 Jahren in der gemischten Herde hat sie ihren Platz in der Gruppe gefunden, läuft im Paddock und auf der Wiese, und hat bislang keinen Reheschub mehr gezeigt. Ich bin froh, dass ich dieses tolle Pferd übernommen habe, denn sie hatte ihre Chance zu leben verdient.
Fallstudie Araberwallach
Der 24-jährige Araberwallach war laut Tierarzt austherapiert. Nach Feststellung einer Hufrehe wurden eine Entgiftung und eine Schmerztherapie mit Traumeel® ad us. vet. vorgenommen und eine Stoffwechseloptimierung empfohlen. Die Besitzerin war erprobt im Geben subkutaner injektionen und hat ihr Pferd dann nach meinem Therapieplan selbst behandelt.
Der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) besitzt hochspezialisierte anatomische Strukturen und gibt während des Saugvorgangs zahlreiche bioaktiveWirkstoffe direkt ins Gewebe ab
Im Therapiekonzept wurden verschiedene Präparate zur Unterstützung von Entzündungsregulation, Stoffwechsel und Bewegungsapparat kombiniert
Zum Einsatz kamen Belladonna gegen die Entzündung, Nux vomica für den Bewegungsapparat und die Verdauung, Rhustoxidondentron für den Bewegungsapparat, Engystol, um das Immunsystem zu aktivieren, Silicea zur Entgiftung und Lymphomyosot für die Ausleitung. Nachdem die Halterin das Pferd nach meinem Behandlungsplan gespritzt hatte, zeigte sich bereits nach vier Injektionen eine deutliche Besserung. Die Besitzerin war begeistert über den Fortschritt durch diese naturheilkundliche Behandlung, zumal ihr Mann selbst Tierarzt ist und eine Tierklinik für Kleintiere leitet. Im Verlauf wurden eine Bearbeitung der Hufe vorgenommen und Röntgenbilder angefertigt. Die Besitzerin folgte weiter meinem Therapieplan und berichtete von Fortschritten, die ihr Wallach Ibi machte. Sie schickte uns Videos, wie Ibi wieder schmerzfrei über die Koppel galoppierte. Einem Tier die Chance zu geben, wieder gesund zu werden, ist ein Geschenk. Entsprechend erfreute mich die Nachricht und dieser intensive Austausch mit der Kundin sehr – auch der behandelnde Tierarzt zeigte sich glücklich.
Blutegeltherapie
Bei einer Blutegeltherapie werden spezielle Blutegel verwendet (Hirudo medicinalis), die an beiden Enden Saugnäpfe besitzen.
Mit dem hinteren Saugnapf klammern sie sich an ihrem Wirt fest, während sich im vorderen Saugnapf die Mundöffnung mit 240 Zähnen in 3 Kiefern mit je 80 Zähnen befinden. Sie haben 32 Gehirne und 5 Augenpaare, und können sich bis zu ihrem 5-fachen Gewicht mit Blut vollsaugen. Blutegel zählen zu den ältesten bekannten Heilmitteln und kamen bereits 1.500 v. Chr. in der Medizin zum Einsatz. Sie sind erst mit 3 Jahren geschlechtsreif, sind Zwitter, können sich aber alleine nicht fortpflanzen. Mit ihrer Mundöffnung tasten Sie die Umgebung ab und suchen sich eine geeignete Bißstelle. Der Biss wird kaum wahrgenommen, da gleichzeitig ein betäubender Wirkstoff abgesondert wird. Somit ist der Biss vergleichbar mit einem Mückenstich. Der Speichel der Blutegel enthält einen komplexen Wirkstoff-Cocktail aus über 100 bioaktiven Substanzen, die entzündungshemmend, gerinnungshemmend und schmerzlindernd sind. Hauptwirkstoff ist Hirudin, das eine entstauende Wirkung hat und die Bildung der weißen Blutkörperchen fördert. Calin hemmt die Blutgerinnung und ist für den sanften Aderlass verantwortlich. Hyaluronidase wirkt als Ausbreitungsfaktor und lockert das Bindegewebe auf. Hyaluronsäure wir gespaltet, sodass der Wirkstoff tiefer ins Gewebe eindringen kann. Egelin ist schmerzstillend und Bdellin stark entzündungshemmend. Der Gerinnungsfaktor Xa nimmt eine Schlüsselposition in der Blutgerinnung ein, da er diese blockiert. Insofern führen medizinische Blutegel zur Schmerzlinderung bei Arthrose, Rheuma und Sehnenverletzungen. Sie wirken durchblutungsfördernd und entzündungshemmend, verbessern den Lymphfluss und die Durchblutung des Gewebes.
TINA SPENGLER- BUSCHAUER
Tierheilpraktikerin Tierfriseurin Schwerpunkte: Fellpflege,Homöopathie, Manuelle Therapie und Phytotherapie tierheilpraxispfotenoase @yahoo.com