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Hund und Katze - Autoimmunerkrankungen

URSACHEN VERSTEHEN UND DEN KÖRPER GANZHEITLICH UNTERSTÜTZEN

Autoimmunerkrankungen gehören zu den komplexesten Gesundheitsproblemen bei Hunden und Katzen. Sie entstehen, wenn das Immunsystem die Fähigkeit verliert, zwischen körpereigenem und körperfremdem Gewebe zu unterscheiden. Statt Krankheitserreger zu bekämpfen, richtet sich die Immunabwehr gegen den eigenen Organismus. Je nachdem, welches Gewebe betroffen ist, können Haut, Gelenke, Blutbestandteile, Muskeln oder innere Organe geschädigt werden. Auch wenn Autoimmunerkrankungen in vielen Fällen leider nicht heilbar sind, lassen sie sich in der Regel gut behandeln und mit gezielter Ernährung und naturheilkundlichen Maßnahmen sinnvoll begleiten.

Kein schwaches, sondern ein fehlgesteuertes Immunsystem steht bei Autoimmunerkrankungen im Mittelpunkt.

Was passiert bei einer Autoimmunerkrankung im Körper?

Das Immunsystem ist ein Netzwerk aus verschiedenen Abwehrzellen, Botenstoffen und Organen. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, können körpereigene Zellen fälschlicherweise als Feind erkannt werden. Warum das geschieht, ist bislang noch nicht vollständig geklärt, aber es spielen wohl mehrere Faktoren zusammen:
• genetische Veranlagung
• chronische Entzündungen
• Umweltbelastungen
• Infektionen
• dauerhafter Stress
• Veränderungen der Hormone
• Veränderungen der Darmflora

Gerade der Darm rückt in den Fokus der Forschung, da sich dort ein großer Teil des Immunsystems befindet.

Autoimmunerkrankungen bei Hund und Katze

Zu den häufigsten gehören:
• Autoimmunhämolytische Anämie: Hier zerstört das Immunsystem die roten Blutkörperchen. Die Tiere sind schwach, haben blasse Schleimhäute, erschöpfen schnell oder entwickeln Gelbsucht.
• Immunvermittelte Thrombozytopenie:
Dabei werden Blutplättchen zerstört. Typisch sind Blutungsneigung, kleine Hauteinblutungen oder Nasenbluten.
• Pemphigus-Komplex:
Eine Autoimmunerkrankung der Haut, bei der Krusten, Blasen und schmerzhafte Hautveränderungen entstehen. Gesicht, Ohren, Pfoten und Nasenspiegel sind häufig betroffen.
• Systemischer Lupus erythematodes:
Eine seltene, aber überaus vielseitige Erkrankung, die Gelenke, Haut, Nieren oder andere Organe betreffen kann.

• Immunvermittelte Polyarthritis:
Hier richtet sich die Immunreaktion gegen die Gelenke. Lahmheiten, Schmerzen oder wechselnde Gelenkentzündungen sind typische Symptome.

Autoimmunerkrankungen sind die Folge, wenn das Immunsystem irrtümlich körpereigene Zellen angreift.

Schulmedizinische Behandlung

Die veterinäre Therapie verfolgt das Ziel, die überschießende Immunreaktion zu bremsen. Zum Einsatz kommen:
• Kortison (Glukokortikoide)
• Azathioprin (beim Hund)
• Ciclosporin
• Mycophenolat
• weitere immunsuppressive Medikamente

Diese Medikamente sind oft lebensrettend und sollten nie eigenmächtig abgesetzt werden. Allerdings können sie Nebenwirkungen verursachen, weshalb viele Tierhalter nach zusätzlichen Möglichkeiten suchen, den Organismus ganzheitlich zu unterstützen.

Die Rolle der Ernährung

Eine entzündungshemmende Ernährung kann einen wichtigen Beitrag leisten. Sie ersetzt keine Therapie, kann aber helfen, den Organismus weniger zu belasten. Wichtige Grundsätze sind:
• hochwertige, gut verdauliche Eiweißquellen
• möglichst naturbelassene Futtermittel
• bedarfsgerechte Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen

• wenig stark verarbeitete Zutaten
• Verzicht auf unnötige Zusatzstoffe

Besonders interessant sind die Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Algenöl. Sie liefern EPA und DHA, die entzündungshemmende Prozesse unterstützen. Auch eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien spielt eine Rolle. Vitamin E, Vitamin C (bei Bedarf), Selen und sekundäre Pflanzenstoffe helfen, oxidativen Stress zu reduzieren.

Eine entzündungshemmende Ernährung kann den Organismus bei Autoimmunerkrankungen sinnvoll unterstützen.

Darmgesundheit als Schlüssel

Immer mehr Studien zeigen, dass Veränderungen des Darmmikrobioms mit verschiedenen Autoimmunerkrankungen in Zusammenhang stehen. Ein gesunder Darm kann unterstützt werden durch:
• ballaststoffreiche Komponenten, soweit sie vertragen werden
• Präbiotika
• ausgewählte Probiotika
• eine möglichst abwechslungsreiche, hochwertige Ernährung

Bei chronischen Durchfällen oder Verdauungsproblemen sollte immer tierärztlich abgeklärt werden, ob weitere Erkrankungen vorliegen.

Heilpilze (Mykotherapie)

Einige Vitalpilze werden aufgrund ihrer immunmodulierenden Eigenschaften eingesetzt.

Dazugehören z. B.:
• Reishi
• Coriolus
• Maitake
• Hericium

Sie sollen das Immunsystem nicht einfach stimulieren, sondern regulierend auf verschiedene Immunprozesse wirken. Die wissenschaftliche Datenlage bei Hund und Katze entwickelt sich zwar stetig weiter, ist jedoch noch begrenzt.

Phytotherapie

Einige Heilpflanzen besitzen entzündungshemmende Eigenschaften. Dazu zählen z. B.:
• Weihrauch (Boswellia)
• Kurkuma (Curcuma)
• Hagebutte
• Grünlippmuschel (kein Heilkraut, aber häufig unterstützend bei Gelenkproblemen)

Nicht jede Pflanze eignet sich für Katzen. Katzen verfügen über einen besonderen Stoffwechsel und reagieren auf zahlreiche Pflanzenstoffe empfindlicher als Hunde. Deshalb sollten alle Anwendungen fachkundig begleitet werden.

Mikronährstoffe

Je nach Erkrankung können sinnvoll sein:
• Omega-3-Fettsäuren
• Vitamin D (nur nach Kontrolle und tierärztlicher Empfehlung)
• Vitamin E
• Zink
• Selen

Eine unkontrollierte Gabe hoher Dosierungen ist nicht empfehlenswert.

Stress nicht unterschätzen

Chronischer Stress beeinflusst das Immunsystem erheblich. Ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung im individuell passenden Maß, feste Tagesabläufe und eine ruhige 

Umgebung können helfen, den Organismus zu entlasten. Besonders Katzen reagieren empfindlich auf Veränderungen im Umfeld.

Was vermieden werden sollte

Bei Autoimmunpatienten ist Zurückhaltung oft sinnvoll. Achten Sie auf Folgendes:
• keine unnötige Futterwechsel
• kein eigenmächtiges Absetzen von Medikamenten
• keine wahllose Gabe zahlreicher Nahrungsergänzungsmittel
• keine übermäßige Belastung während aktiver Krankheitsschübe

Jede naturheilkundliche Maßnahme sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden, insbesondere wenn immunsuppressive Medikamentengabe besteht.

Fazit

Autoimmunerkrankungen stellen Hund und Katze sowie ihre Besitzer vor große Herausforderungen. Eine frühzeitige Diagnose und eine konsequente schulmedizinische Therapie bilden die Grundlage der Behandlung.
Ergänzend können eine entzündungshemmende Ernährung, Förderung der Darmgesundheit, gezielt eingesetzte Mikronährstoffe und ausgewählte naturheilkundliche Verfahren dazu beitragen, den Organismus zu unterstützen und die Lebensqualität vieler Tiere zu verbessern. Entscheidend ist dabei der individuelle Behandlungsplan. Denn Autoimmunerkrankungen verlaufen sehr unterschiedlich – und jedes Tier bringt seine eigenen Bedürfnisse mit. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierheilpraktikern, Tierärzten, ggf. tiermedizinisch ausgebildeten Ernährungsberatern und naturheilkundlich erfahrenen Therapeuten bietet die besten Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Begleitung.

MONIKA HEIKE SCHMALSTIEG
Tierheilpraktikerin

Schwerpunkte: Tierpsychologie und Homöopathie, psychosomatische Störungen bei Tieren, Studienleiterin der Paracelsus Gesundheitsakademie Hannover

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