Serie Pferdernährung: Mineralfutter für das Pferd - Eine sinnvolle Nahrungsergänzung?

Im Normalfall reicht eine Versorgung von Rau- und Kraftfutter aus, um dem Pferd alle wichtigen Nährstoffe, Spurenelemente, Mineralstoffe und Vitamine zukommen zu lassen. Entscheidend sind jedoch die Haltung, das Alter und der Gesundheitszustand des Tieres. Pferde, die vorwiegend mit Heu gefüttert werden und Zugang zu frischem Gras haben, sind in der Regel ausreichend mit allen Mengen-, Spurenelementen und Vitaminen versorgt. Zusätzlich kann Kraftfutter einen Ausgleich schaffen und ein Salzleckstein eine ausreichende Natrium- und Chloridversorgung bewirken.

NOTWENDIGKEIT DER ZUFÜTTERUNG

Nahrungsergänzungen, wie z.B. Mineralfutter, werden vor allem dann notwendig, wenn Mangelzustände oder Krankheiten vorliegen. Aber auch bei laktierenden Stuten, Jungtieren oder Senioren kann sie sinnvoll sein. Ein Pferd im Wachstum z.B. braucht von einigen Nährstoffen wie Kalzium, Kalium, Chlor, Eisen, essenzielle Aminosäuren, Vitamin A und E mehr als ein adultes Pferd. Grob gesagt kann der Nährstoffbedarf eines Fohlens ab dem zweiten Lebensmonat nicht mehr über die Stutenmilch abgedeckt werden, sodass ein auf Fohlen zugeschnittenes Zusatzfutter notwendig wird. Ähnlich verhält es sich bei Senioren: Bei ihnen sollte bei Zink, Selen, Vitamin A und E vom doppelten Bedarf ausgegangen werden. Wird ein Senior z.B. mit Luzerne-Cobs gefüttert, kann er das Zink nicht mehr so gut verwerten, sodass die Zinkzufuhr erhöht werden sollte. Bei Pferden mit EMS, Cushing oder bestimmten Stoffwechselproblemen führt die Zusatzfütterung mit Mineralfutter zwar nicht zur Heilung der Krankheit, kann den Verlauf jedoch positiv unterstützen.
Auch Stuten während der Trächtigkeit oder Laktation sind in der Regel mit Nährstoffen unterversorgt, weil ihr Bedarf steigt. Ein Mehrbedarf besteht dabei an Kalzium, Phosphor und Selen.
Ein weiteres Augenmerk ist auf Sportpferde zu richten, da große Mengen an Mineralstoffen über den Schweiß verloren gehen. Insbesondere sind davon Pferde im Polosport betroffen, da diese einer außerordentlichen Belastung ausgesetzt sind und schweißgetränkt vom Platz geführt werden.

RASSEUNTERSCHIEDE

Deutliche Rasseunterschiede, wie sie etwa bei Hunden auftreten, lassen sich beim Pferd schwieriger herleiten. Jedoch gibt es auch beim Pferd Rassemerkmale, die einen Mehrbedarf an Nährstoffen nach sich ziehen. Friesen, Tinker und Isländer z.B. haben ein sehr dichtes Haarkleid, sodass hier von einem höheren Bedarf an Zink, Kupfer und Mangan ausgegangen werden kann, erst recht, wenn Fellprobleme vorliegen. Das Quarter Horse besitzt viel Muskelmasse, sodass bei diesen Pferden oft eine Substitution mit Selen, Magnesium und Vitamin E sinnvoll sein kann. Dasselbe gilt für Sport- und Arbeitspferde, weil diese ebenfalls eine höhere Muskelmasse aufweisen.

DIE RICHTIGE MENGE MACHT’S

Wieviel ein Pferd von was braucht, lässt sich pauschal nicht sagen und ist auch schwer zu berechnen. Die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) gibt aber Beispiele vor, an denen man sich orientieren kann. So braucht ein 500 kg schweres Pferd etwa 17,4 g Kalzium, 12 g Phosphor und 5,6g Magnesium pro Tag, um seinen Erhaltungsbedarf zu decken. 1 kg Heu beinhaltet maximal 5 g Phosphor und 19,5 g Kalzium, sodass hierüber der Phosphorbedarf nicht gedeckt werden kann.
Ob ein Pferd nun zu wenig oder zu viel Mengen-, Spurenelemente und Vitamine bekommt, kann berechnet werden, indem das komplette Futter abgemessen und die enthaltenen Nährstoffe anschließend anhand von Tabellen abgeglichen und berechnet werden. Auch Laboranalysen (z.B. Urinprobe, Blutanalyse, Haaranalyse) können durchgeführt werden.

ORGANISCHE UND ANORGANISCHE MINERALSTOFFE

Wie Mineralstoffe vom Körper aufgenommen und verarbeitet werden, gibt die Bioverfügbarkeit an. Auf dem Markt stehen zwei verschiedene Mineralfutterzusätze zur Verfügung: organische und anorganische. Welche die bessere ist, wird kontrovers diskutiert. Ein entscheidender Unterschied lässt sich jedoch in ihrer Bioverfügbarkeit angeben: Organische Mineralstoffe setzen sich aus chemischen Komplexverbindungen zusammen, die an der Endung „-at“ erkannt werden können (Glukonat, Laktat, Chelat etc.). Häufig zu lesen ist eine bessere Bioverfügbarkeit von organischen Mineralien. Verschiedene Studien zeigten jedoch auf, dass viele Mineralien auch in ihrer anorganischen Form eine gute Bioverfügbarkeit aufweisen. Magnesium z.B. ist in herkömmlichen Futterrationen nur in geringen Mengen enthalten, und Natrium und Chlor gehen in hohen Mengen über den Schweiß verloren. Als Ergänzung reicht hier ein Salzleckstein (anorganisch) aus, um die Verluste aufzufangen (außer bei Sportpferden).
Selen kann Pferden als organische oder anorganische Verbindung zugefüttert werden, da Pferde beide Formen sehr gut verwerten. Ebenso verhält es sich mit Zink und Kalzium. Letzteres ist wichtig für den Knochenstoffwechsel und liegt im Ergänzungsfutter als Kalziumcarbonat oder Kalziumphosphat in anorganischer Form sowie als Kalziumglukonat oder Kalziumzitrat in organischer Form vor.
Es ist schwer zu sagen, welche Form bevorzugt werden sollte. Meist ist es eine Preisfrage. Die anorganischen Mineralstoffformen sind günstiger, sodass ein Produktvergleich anhand von Inhaltsstoffen, Bioverfügbarkeit und chemischer Zusammensetzung durchaus sinnvoll sein kann.

DR. ISA FOLTIN
TIERÄRZTIN DIPL.-JOURNALISTIN

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE
Medizinjournalistin für Wissenschafts- und Publikumsmedien, Expertin für vergleichende Radiologie bei Mensch und Tier

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