Lebererkrankungen beim Pferd aufgrund Jakobskreuzkraut

Lebererkrankungen beim Pferd kommen mittlerweile sehr häufig vor, bleiben aber meist unentdeckt. Oft fallen sie als Zufallsbefund in Form veränderter Leberparameter im Routine-Check-up auf. Erste Anzeichen wie Leistungsabfall und Müdigkeit sind unspezifisch. Erst im fortgeschrittenen Stadium, wenn eine Leberschädigung bereits vorliegt, werden 70 – 80 Prozent der Pferde auffällig und zeigen klinische Symptome. Diese sind ebenfalls eher unspezifisch und äußern sich durch Depression, Anorexie, Kolik, Gewichtsverlust und Durchfall, auch Hepathoenzephalopathie und Ikterus werden beobachtet.

DIE URSACHEN FÜR LEBERPROBLEME SIND VIELFÄLTIG

Infektionen mit Leptospiren, übertragen von Ratten und Mäusen, oder verschiedenen Viren und Bakterien bis hin zu proteinhaltigem Futter in Kombination mit Bewegungsmangel oder schlechte Futterqualität können Leberprobleme verursachen. Zunehmend stellen Umwelttoxine wie Farben und Lacke, Schimmelpilze und Sporen im Stall ein Problem dar. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr steckt im Raufutter, denn immer häufiger werden Pflanzengifte wie Colchicin (Herbstzeitlose) oder Pyrrolizidin-Alkaloide (PA wie Jakobskreuzkraut) im Heu gefunden. Jakobskreuzkraut, eine heimische Pflanze, vermehrt sich zunehmend auf stillgelegten Ackerflächen, extensiv genutzten Weiden (insbesondere Pferdeweiden), Extensivgrünlandflächen, Wegrändern, Böschungen und an Straßenrändern. Da die Pflanze auf der Weide in der Regel nicht gefressen wird, kann sie leicht zur Saatreife gelangen und sich durch die intensive Trittbelastung der Pferde leicht ausbreiten. Die Aufnahme von jungen Pflanzen oder bei überweideten Grünflächen kann trotzdem nicht ausgeschlossen werden. Jungtiere oder weideunerfahrene Pferde sind einem besonderen Risiko ausgesetzt und fressen diese Pflanzen einfach mit. Im Raufutter versteckt, werden sie von den Pferden oft mitgefressen, weil während des Trocknungsprozesses die Bitterstoffe abgebaut werden, die Toxine bleiben aber erhalten. Daher stellt ein Giftpflanzen belastetes Raufutter ein großes Problem dar. Die Hauptblütezeit ist im Juli, aber auch in späten Schnitten (im November) sind blühende Pflanzen gefunden worden. Bei Silagen wird durch den Silier-Vorgang die PA-Konzentration zwar reduziert – nichtsdestotrotz bleiben Restkonzentrationen erhalten. Es wird von einer Fütterung mit Kreuzkraut belasteten Silagen abgeraten.

TOXISCHE REAKTION

Pferde reagieren besonders empfindlich auf dieses Pflanzengift. Hier reichen schon geringe Mengen aus, um im akuten Fall innerhalb von wenigen Tagen zum Tode zu führen. PAs sind in bedenklichen Konzentrationen auch in kommerziellen Pferdefutter gefunden worden. In 43 Prozent der untersuchten Futterproben wurden erhöhte bis zu bedenklich hohe Konzentrationen analysiert. Im Mittel lag die Belastung bei 171 µg/kg (± 311µg/kg). Die höchste Konzentration von >1.200 µg/kg wurde in einem Alfalfa-Produkt gefunden. Eine Kräutermischung war mit einer PA-Konzentration von >800 µg/kg belastet. PA-Kontaminationen mit überschrittenen Grenzwerten wurden auch in pflanzlichen Rohstoffen für Arzneimittel entdeckt. Für Futtermittel laut §8 Futtermittelverordnung werden PAs nicht (noch nicht!) als unerwünschte Stoffe genannt. Für eine Risikoabschätzung gilt eine maximale Aufnahme von 1µg/kg Körpergewicht als grenzwertig, ohne Berücksichtigung der unterschiedlichen Toxizität der verschiedenen PAs. Kreuzkraut kann einen Gesamt-PA-Gehalt von ca. 2 g/kg (2.000.000 µg/kg) erreichen. Somit reicht bereits eine Senecio-Pflanze pro Hektar in einem Feld von z.B. Johanniskraut aus, um die Grenze zu überschreiten. Das Gravierende an dieser Stoffgruppe ist, dass sie vom Körper nicht ausgeschieden werden kann und zu akuten und chronischen Leberschädigungen führt. Es kommt zu einer Akkumulation in der Leber. Bestimmend für die Schwere der Intoxikation ist die Gesamtmenge an aufgenommenen PA unabhängig vom Zeitraum. Die PAs werden in der Leber metabolisiert und schädigen irreversibel die Leberzellen sowie die DNA. Somit kann auch Monate nach der PA-Aufnahme das Tier versterben.

THERAPIE

Es ist wichtig, die Ursachen für die Leberprobleme zu erkennen und möglichst zu eliminieren. Dann erfolgt eine leberunterstützende Therapie, da dieses Organ selbst bei schweren Lebererkrankungen (Leberinsuffizienz bei z.B. hepatoenzephalem Syndrom) eine hohe Regenerationsfähigkeit besitzt. Diese leberunterstützenden Therapien können folgendermaßen ausschauen:

  • Reduktion der Ammoniak-Entwicklung im Dickdarm durch Fütterung von Lactulose (navalis lactal®) mit angepasster Fütterung (kohlenhydratreich und proteinarme Ration)
  • Diätetische Therapie mit Nutraceuticals, basierend auf einem Wirkstoffkomplex aus Kräutern (Marienistel, Artischocke, Scharfsgabe u.a.), sowie verschiedener Vitamine und Spurenelemente in organisch gebundener Form (z.B. navalis heparal®) führt zu sehr gutem Erfolg

Ein Bumerang wäre, wenn durch die Phytomischungen, die hepatoprotektive und regenerative Wirkungen haben, wiederum Toxine in den Organismus eingetragen würden. Das klingt unglaublich, wurde aber leider beobachtet. Alle navalis®-Produkte z.B. sind aber frei von Pyrrolizidin-Alkaloiden und können unbedenklich gefüttert werden.
Mithilfe der modernen Labordiagnostik kann eine Lebererkrankung leicht diagnostiziert werden. Durchgeführt wird eine Analyse der Leberenzyme aus dem Serum (Gesamt-Bilirubin, Alk. Phosphatase, Gamma-GT, AST, GLDH). Die meisten veterinärmedizinischen Labore bieten im Rahmen ihrer Pferde-Profile diese Laborparameter kostengünstig an.

FALLSTUDIE: THERAPIE MIT NAVALIS HEPARAL® BEI EINEM 4-JÄHRIGEN WARMBLUTWALLACH

Das Pferd (aus Polen) war beim Ausprobieren sehr brav und machte seinen Job gut. Die allgemeine Ankaufuntersuchung ohne Blutbild war ohne Befund. Nach dem Kauf wurde eine Blutuntersuchung durchgeführt (Wert I). Aufgrund der schlechten Leberwerte bekam das Pferd für zwei Wochen navalis heparal® (1 Dose). Im Anschluss zeigte das Pferd deutlich mehr Freude am Leben. Wert II nach der Fütterung einer Dose über 16 Tage und Fütterung guter Heuqualität. Ein Jahr später Wert III nach Fütterung guter Heuqualität.

FAZIT

Die Leber regeneriert sich unter Anwendung von natürlichen Produkten wieder, was zeigt, dass die Leberwerte über Jahre stabil bleiben, wenn die Fütterung von gutem Heu gewährleistet ist. Wenn das nicht gegeben ist, kann eine Zufütterung einer ausgewogenen Mischung aus Mariendistel, Artischocken, Spurenelementen und Vitaminen (z.B. navalis heparal®) zur Regeneration der Leber beitragen.

Literatur

  • BfAM 2016: Bekanntmachung zur Prüfung des Gehalts an Pyrrolizidinalkaloiden zur Sicherstellung der Qualität und Unbedenklichkeit von Arzneimitteln, die pflanzliche Stoffe bzw. pflanzliche Zubereitungen oder homöopathische Zubereitungen aus pflanzlichen Ausgangsstoffen als Wirkstoffe enthalten. 1. März 2016.
  • Christall B.; Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln – Aktivitäten des BLL und Positionen der Lebensmittelwirtschaft. 16. BfR-Forum, Verbraucherschutz. 3./4. Dezember 2015.
  • www.CliniTox.com: Giftpflanze: Senecio sp. – Toxine (uzh.ch). 9. Dezember 2021
  • Gelen,H. May, A. Venner, M.: Lebererkrankungen beim Pferd, 2010. PferdeHeilkunde. 26, 5, 668-679.
  • Neitzke, A, Berendonk, C.: Jakobskreuzkraut – eine Giftpflanze auf dem Vormarsch, 2020. www.Landwirtschaftskammem.de.
  • Rückert C., Emmerich I., Hertzsch R., Vervuert I.: Pyrrolizidine, alkaloids in commercial feedstuffs for horses. 2019. Equine Vet. J. 51 (4), 495–499.
  • Schulz M., Meins J., Diemert S., Zagermann-Muncke P., Goebel R., Schrenk D, Schubert-Zsilavecz M., Abdel-Tawab M.: Detection of pyrrolizidine al.kaloids in German licensed herbal medicinal teas. 2015. Phytomedicine 22 (6), 648–656.
  • Schwarz, B.. Alber, G.; Is it possible to avoid pyrrolizidine alkaloid contamination in equine herb containing nutraceuticals?, Equine Medicine. 2021 37, 2, 119-122.

DR. ANJA MÜLLER
DIPL.-CHEMIKERIN

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