Würmer und Wurmkuren bei Hund und Katze

Foto © famveldman – AdobeWürmer und andere Endoparasiten sind ein unerwünschtes Übel für unsere Haustiere. Es lässt sich kaum vermeiden, dass Hunde und Katzen infektiöse Eier oder Wurmlarven direkt aus der Umwelt oder über verschluckte Zwischenwirte, z. B. Mäuse oder Vögel, aufnehmen.
Sind die Tiere infiziert, machen die Larven einen Rundgang durch den Körper ihres Wirtes. Dabei schädigen sie verschiedene Organe und können Entzündungen verursachen, bevor sie wieder in den Darm gelangen, wo sie sich vom Nahrungsbrei oder Blut ernähren, sich fortpflanzen und neue Eier ausscheiden. Diese gelangen mit dem Kot in die Umwelt und werden von anderen Tieren aufgenommen. Wurmeier können bei günstigen Bedingungen jahrelang infektiös bleiben.
Bei erwachsenen Tieren ist Wurmbefall äußerlich oft nicht sichtbar, bei Jungtieren kann dieser jedoch einen Darmverschluss mit tödlicher Folge bewirken. Ein typisches Anzeichen dafür ist ein stark aufgedunsener Bauch bei ansonsten kachektischem Zustand.

NEMATODEN
(FADENWÜRMER, RUNDWÜRMER)

Hunde und Katzen werden überwiegend von Spul-, Haken- und Peitschenwürmern befallen. Sie gehören zu den getrennt geschlechtlichen Nematoden und haben je nach Wurmart eine Körperlänge von 1 mm – 20 cm. Die Würmer besitzen eine Mundkapsel zum Anhaften an die Darmwand des Wirtes und zur Nahrungsaufnahme.

SPULWÜRMER (Ascarididae) leben im Dünndarm von Hund und Katze und sind häufige Vertreter unter den Darmparasiten. Sie werden maximal 20 cm lang. Dazu zählen der Hundespulwurm Toxascaris canis, Toxascaris leonina und der Katzenspulwurm Toxocara cati. Ein adultes Wurmweibchen kann bis zu 200.000 Eier am Tag produzieren.

HAKENWÜRMER (Ancylostomatiden) sind Blutsauger und mit einer Länge von ungefähr 1,5 cm bedeutend kürzer als Spulwürmer. Sie können ebenfalls bei Hunden und Katzen auftreten, sind aber weniger weit verbreitet.

PEITSCHENWÜRMER (Trichuris) kommen fast nur bei Hunden vor (Trichuris vulpis). Sie erreichen eine Länge von 7 cm und ernähren sich im Dickdarm vom Blut ihres Wirtes.

HYPOBIOSE

Eine Besonderheit bei Spul- und Hakenwürmern ist die Hypobiose. Larven können sich im letzten Entwicklungsstadium in ihrem Wirt, meistens in der Muskulatur, verkapseln und dort jahrelang verbleiben. Wird das Wirtstier trächtig, werden die Larven durch die hormonelle Veränderung aktiviert und wandern um den 40. Tag der Trächtigkeit in die Plazenta und von dort in die Feten. Im Rahmen dieser intrauterinen Infektion begeben sie sich in Leber, Nieren, Lunge, Gehirn und Muskulatur. Nach der Geburt wandern sie über das Herz in den Blutkreislauf, dann über Lunge und Bronchien in die Luftröhre, wo sie Hustenreiz verursachen. Dabei werden sie hochgehustet, verschluckt und gelangen so zu ihrem eigentlichen Ziel, dem Dünndarm.
Welpen beginnen bereits drei Wochen nach der Geburt mit dem Ausscheiden von bis zu 100.000 Spulwurmeiern pro Gramm Kot.
Spul- und Hakenwurmlarven wandern auch in die Milchdrüsen trächtiger Tiere und gelangen über die Laktation in die Jungen. Da nicht alle vorhandenen Larven bei einer Trächtigkeit aktiviert werden, können durch eine einmalige Infektion mehrere Würfe durch das Muttertier infiziert werden. Bei Katzen wurde bisher nur eine galaktogene (über die Muttermilch erfolgte) Infektion der Jungtiere festgestellt.

BANDWÜRMER

Eine weitere Rolle spielen Bandwürmer (Cestoden). Sie sind fast immer Zwitter und parasitieren im Dünndarm ihrer Wirte, wo sie sich über ihre Körperoberfläche ernähren. Im Halsbereich bildet der Bandwurm ständig neue Glieder (Proglottiden). In den Endgliedern reifen bis zu 100.000 Eier. Diese Endstücke werden abgestoßen und sind beweglich. Sie können also aus dem After herauswandern, wo sie starken Juckreiz auslösen, was sich oft als „Schlittenfahren“ der betroffenen Tiere zeigt. Nach einiger Zeit trocknen die Glieder aus und die Eier werden freigesetzt. Nach der Aufnahme von Zwischenwirten (Mäuse, Flöhe) reifen sie dort zu Finnen heran. Wird ein Zwischenwirt von Hund oder Katze (Endwirt) aufgenommen, saugt sich die Finne an der Darmwand fest und reift zum adulten Bandwurm.
Der Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum) ist der häufigste Bandwurm bei Hund und Katze. Er wird auch als Kürbisbandwurm bezeichnet und kann eine Länge von 50 cm erreichen.
Überwiegend Katzen befällt der bis zu 60 cm lange Dickhalsige Bandwurm (Taenia taeniaeformis).
Der Kleine Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) tritt in Deutschland in den südlichen Bundesländern auf. Er wird nur einige Millimeter lang und befällt Füchse, Hunde und Katzen.
In Mittelmeerländern kommt oft der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) vor, der nur 4 – 7 mm groß ist.

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BANDWURM IM DARM MIT VERGRÖSSERUNG DES KOPFES, DER AN DER DARMWAND VERANKERT IST
© J. Gärtner – Adobe

EXTRAINTESTINALE WÜRMER (FILARIEN)

Eine immer größer werdende Rolle in Deutschland spielen Fadenwürmer, die sich nicht im Darm, sondern in anderen Organen einnisten. Dazu gehören Lungen- und Herzwürmer, die zum Teil durch den Import von Hunden aus Südeuropa eingeführt werden.
Lungenwürmer können bei Hunden und Füchsen auftreten. Die Spezies Angiostrongylus vasorum wird auch als Franzö- sischer Herzwurm bezeichnet und kann schwere klinische Lungensymptome mit tödlichem Ausgang verursachen. Der Lungenwurm lebt in den Pulmonalarterien sowie im rechten Atrium (Herzvorhof) und Ventrikel (Herzkammer). Eine Infektion mit dem ca. 2,5 cm langen Parasiten erfolgt über Schnecken als Zwischenwirte.
Herzwürmer können Hunde, Katzen und andere Carnivoren (Fleischfresser) befallen. Sie werden bis zu 40 cm lang und 1 mm dick. Die Infektion erfolgt über blutsaugende Mücken. Herzwürmer nisten sich wie Lungenwürmer in den Lungenarterien und der rechten Herzhälfte ein.
Seit einiger Zeit treten in Deutschland auch Fälle von in der Haut von Hunden lebenden Fadenwürmern auf (Dirofilaria repens).

ZOONOSEN DURCH WÜRMER

Eier und Larven von Hunde- oder Katzenspulwürmern können eine Zoonose (Übertragung von Tier zu Mensch) verursachen und sich auch im Menschen einnisten. Dort können sie sich weder zu adulten Würmern entwickeln noch fortpflanzen. Eine Infektion erfolgt meistens über ungewaschenes Gemüse, das mit kontaminiertem Kot, eventuell auch durch Fliegen, verunreinigt ist. Des Weiteren kann sich der Mensch direkt über das infizierte Tier durch Berührung anstecken oder durch Gartenerde und Sand auf Spielplätzen. In den meisten Fällen verläuft eine Infektion symptomlos.
Eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm kann für einen Menschen unbehandelt mit tödlichem Leberversagen (Alveoläre Echinokokkose) enden. Die Larven dringen in Gehirn, Lunge und Leber ein. Die Problematik liegt darin, dass zwischen Infektion und Erscheinen der ersten Symptome über 10 Jahre vergehen können und sich die Diagnose oft als schwierig gestaltet. Als Fehlzwischenwirt infiziert sich der Mensch vermutlich erst, wenn er die Eier über einen längeren Zeitraum oder in größerer Menge aufnimmt.

WURMKUREN

Die im Volksmund gängige Bezeichnung „Wurmkur“ für ein chemisches Anthelminthikum suggeriert, dass es sich dabei um eine Art Heilverfahren oder Rehabilitation handelt, die sich für längere Zeit positiv auf die Gesundheit des Tieres auswirkt. Viele Tierhalter unterliegen dem Irrtum, ihr Tier sei danach für mehrere Wochen oder Monate vor einer Neuinfektion mit Würmern gefeit. Tatsächlich töten diese Mittel aber nur innerhalb von 24 – 72 Stunden vorhandene Würmer und Larven ab; sie wirken nicht nach! Theoretisch kann eine Neuinfektion schon nach wenigen Tagen erfolgen. Eine Wurmkur ist also niemals eine prophylaktische Maßnahme! Bei den Wirkstoffen handelt es sich um Neurotoxine, die ein Absterben der Parasiten bewirken. Diese Nervengifte können bei häufiger Verabreichung auch beim Haustier zu erheblichen Nebenwirkungen führen. Aufgeführt sind vor allem Leberprobleme, Erbschäden sowie neurologische Erkrankungen.
Die Entgiftungsorgane Leber und Nieren werden durch zu häufige Gaben chemischer Wurmkuren belastet. Da sich Vergiftungssymptome meistens erst später zeigen, werden sie mit den Entwurmungsmaßnahmen gar nicht in Verbindung gebracht. Sind Leber und Nieren irgendwann überfordert, versucht der Organismus, eine Entgiftung über die Körperöffnungen und die Haut zu bewirken. Durchfall, Erbrechen, Augen- und Ohrenentzündungen sowie Hautprobleme können entsprechende Anzeichen sein. Diese Symptome werden als eigenständige „Erkrankung“ eingestuft und vom Tierarzt meistens mit weiteren Medikamenten, z.B. Kortison, behandelt. Dadurch kann es zu einer noch größeren Belastung des Organismus kommen.
Die Darmflora wird durch chemische Anthelminthika geschädigt und braucht mehrere Monate zur Regeneration. Diese Zeit wird ihr oft aber gar nicht gegönnt, denn viele Tierhalter meinen, ihr Tier alle 3 – 6 Monate entwurmen zu müssen. Die Folge ist eine voranschreitende Schädigung der Darmschleimhaut und eine permanente Schwächung des Immunsystems. Das Tier wird immer anfälliger für bakterielle, virale, mykotische und parasitäre Infektionen.
Wenn die Gabe eines chemischen Anthelminthikums unumgänglich ist, sollte einer Dysbiose sofort mit einer Darmsanierung entgegengewirkt werden, am besten mit einem Synbiotikum (Kombination aus Prä- und Probiotika) und anderen wirksamen Maßnahmen, z.B. mit entgiftenden, darmsanierenden Vitalpilzen.

BESONDERE GEFAHR FÜR HUNDE MIT MDR-1-GENDEFEKT

Eine ganze Reihe von Wirkstoffen in Antiparasitika sind für Hunde mit MDR-1-Gendefekt (Multi Drug Resistance) sehr gefährlich oder sogar tödlich. Dazu gehören alle Mittel, die den Wirkstoff Ivermectin oder seine Abkömmlinge enthalten: Anthelminthika, aber auch einige gängige Antibiotika, Antimykotika, Opioide und Immunsuppressiva, die bei Allergien und Autoimmunerkrankungen Anwendung finden. Wurde ein Pferd mit einem solchen Mittel behandelt, ist die Aufnahme von Pferdeäpfeln für Hunde mit diesem Gendefekt extrem gefährlich.
Das MDR-1-Gen schützt gesunde Tiere durch die Blut-HirnSchranke vor dem Eindringen von gefährlichen Fremdstoffen, z.B. Arzneimittel und Umweltgifte, in Gehirn und Nervensystem. Fehlt Hunden dieses Gen, verfügen sie nur über einen reduzierten Schutzmechanismus und es kommt zu Anzeichen einer Arzneimittelüberdosierung. Dazu gehören schwere Vergiftungsanzeichen, neurologische Symptome wie Ataxie und Tremor, Benommenheit, Erbrechen, Koma und Exitus.
Betroffene Rassen sind allen voran Collie, Sheltie und Langhaar Whippet, aber auch andere Hütehunderassen und deren Mischlinge, z.B. Australian und English Shepherd, Border Collie, Weißer und Deutscher Schäferhund. Falls die Herkunft des Hundes nicht klar bestimmbar ist, sollten Hundehalter vorsichtshalber einen Test beim Tierarzt machen lassen.

ALTERNATIVEN ZUR CHEMISCHEN KEULE

Ein Wurmbefall muss sich nicht zwangsläufig zu einer Helminthose entwickeln. Bei gesunden Tieren ruft eine Wurminfektion oft nur geringe oder gar keine Krankheitsanzeichen hervor.
Die Untersuchung einer Sammelkotprobe von 3 Tagen, die der Tierarzt im Labor untersuchen lässt, gibt Aufschluss, ob überhaupt Wurmbefall vorliegt.
Zu berücksichtigen ist dabei die Präpatenzzeit, die bei den meisten Wurmarten bei 60 Tagen liegt. Darunter versteht man die Zeit, die zwischen der Infektion und der Nachweismöglichkeit von Eiern und Larven liegt. Während der Prä- patenz können also Wurmlarven vorhanden sein, die aber nicht nachgewiesen werden können. Es empfiehlt sich also, vor allem zu Beginn, wenn man sich für diese Kontrollmethode entscheidet, in regelmäßigen Abständen den Kot untersuchen zu lassen.
Ein starkes Immunsystem und eine damit einhergehende gesunde Darmflora sind sehr wichtig im Kampf gegen Parasiten. Etwa 80 Prozent aller Abwehrzellen sind im Darm angesiedelt. Verschiedene Faktoren können eine Dysbiose hervorrufen, das Gleichgewicht im Darm kippt dann zugunsten der „schlechten“ Darmbakterien. Dies kann zu chronischen Entzündungsprozessen führen und erleichtert die unkontrollierte Vermehrung von Parasiten und Mikroben. Eine artgerechte Ernährung ist neben anderen Faktoren eine Grundvoraussetzung für ein stabiles Darmmikrobiom.

Phytotherapeutisch ist Artemisia annua (Einjähriger Beifuß) eine starke Pflanze gegen Parasiten, Mikroben und sogar entartete Zellen (Krebs). Als „Qing Hao“ hat sie in der TCM eine über 2.000 Jahre alte Tradition als Entwurmungsmittel und natürliches Antibiotikum gegen Keime.
Für die (Wieder-)Entdeckung der Pflanze als wirksames Mittel gegen Malaria wurde der chinesischen Pharmakologin Youyou Tu 2015 der Nobelpreis für Medizin anteilig verliehen. Dank dieser „Pflanze der Hoffnung“ wurden schon viele Menschenleben gerettet, die an dieser schweren, durch Parasiten (Plasmodien) ausgelösten Infektion erkrankten. Auch bei anderen schweren Erkrankungen wie Borreliose und im Zusammenhang mit Covid-19 hat die Pflanze ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt.
Vorsicht ist bei Katzen geboten, da Artemisia annua ätherische Öle enthält. Aufgrund einer Glucoronidierungsschwäche fehlt Katzen ein Enzym, sodass sie ätherische Öle nicht abbauen können und es zu Vergiftungen kommen kann.

THP 4 21 Page10 Image1Vitalpilze stellen eine gute Maßnahme und Prophylaxe gegen Würmer dar. Hier bieten sich neben dem Coriolus versicolor der Chaga sowie der Chinesische Raupenpilz Cordyceps sinensis an. Sie wirken nicht nur antikanzerogen, antibakteriell, antiviral und antimykotisch, sondern auch antiparasitär gegen Endo- und Ektoparasiten, immunmodulierend, antiinflammatorisch und antioxidativ. Durch ihre wertvollen Inhaltsstoffe sind sie in der Lage, pathogene Faktoren auszuleiten und den Körper zu entgiften.

Ein altes Hausmittel gegen Würmer bei Hunden ist die Fütterung eines Rinderohrs mit Fell. Kokosraspeln, geraspelte Möhren, gemahlene Kürbiskerne und Heilerde helfen vorbeugend.
Inzwischen werden auch natürliche Mittel auf Kräuterbasis gegen Würmer bei Haustieren von verschiedenen Herstellern angeboten. Zu beachten ist dabei jedoch für Katzenhalter, dass diese Mischungen fast immer auch Kräuter mit ätherischen Ölen, z.B. Wermut, enthalten.

ANGELIKA YALINANGELIKA YALIN
TIERHEILPRAKTIKERIN

TÄTIGKEITSSCHWERPUNKTE
Ernährungsberatung, Tierkommunikation, Mykotherapie, Homöopathie, Dozentin an den Paracelsus Schulen

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