Wurmkräuter - Resistenzen vermeiden

INFORMATIONEN VOM LABOR 

Autorin: Henrike Scherf – Pferdeernährungsberaterin für das Vetscreen-Team

Als Diagnostiklabor für Tierheilpraktiker erreichen uns täglich zahlreiche Fäzesproben von Pferden. Gerade im Bereich der parasitologischen Untersuchung bemerken wir eine deutliche Zunahme an Aufträgen. Das sehen wir als positive Entwicklung, da sich durch einen erkannten Endoparasitenbefall starke gesundheitlichen Schäden beim Pferd vermeiden lassen. Außerdem wird somit der weltweit zunehmenden Resistenzentwicklung bei Magen- und Darmwürmern gegen Anthelminthika (Medikamente zur Wurmbehandlung) aktiv entgegengewirkt.

GEZIELTES PARASITEN-MANAGEMENT VERMEIDET RESISTENZEN

Resistenzen gegen Anthelminthika werden in erster Linie durch Anwendungsfehler, z.B. zu häufiges Entwurmen ohne nachgewiesene Notwendigkeit, Ziel der vollständigen Wurmfreiheit oder Entwurmung ohne spätere Erfolgskontrolle, verursacht.

Um Resistenzen zu vermeiden, sollte der Erfolg der Entwurmung nach zwei und vier Wochen kontrolliert werden, damit ein Wirkverlust des Anthelminthikums erkannt wird. Da Parasiten eine tragende Rolle bei Ausbildung und Erhalt des gesunden Immunsystems spielen, sollte aus medizinischer Sicht eine vollständige Wurmfreiheit nicht angestrebt werden. Aufgrund der wachsenden Resistenzen und den gesundheitlichen Aspekten für Tier und Umwelt ist die Gabe von Entwurmungspasten erst ab einem Wurmbefall von mehr als 200 Strongylideneier (im Darm lebende Würmer) pro Gramm Kot (EpG) empfehlenswert. Bei Befall mit Spulwürmern (Parascaris equorum) sollten Pferde ab 1 Ei pro Gramm Kot (EpG) konventionell entwurmt werden. Mit Hilfe des McMaster-Verfahrens wird die Anzahl der Eier pro Gramm Pferdekot genau ermittelt. Es handelt sich hierbei um eine quantitative Methode zur Eiauszählung.

EINSATZ VON WURMKRÄUTERN

Bei einem Befund unter 200 Strongylideneiern pro Gramm Kot ist es ratsam, dem Tier Wurmkräuter oder -säfte zu verabreichen. Diese beeinflussen durch bestimmte Pflanzeninhaltstoffe das Darmmilieu positiv und verändern es zu Ungunsten der Parasiten. Auch bei stark verwurmten Pferden empfiehlt es sich, neben der Gabe des Anthelminthikums das Tier mit geeigneten Pflanzen zu unterstützen.
Einige Futtermittel-Hersteller haben bereits auf die Nachfrage reagiert und vertreiben Wurmkräuter/-säfte mit Erfolg. Viele der angebotenen Kräutermischungen enthalten Kokosflocken, Walnussblätter und Meerrettich. Aber auch Thymian, Pfefferminze und Salbei sind in den Kräutermischungen zu finden. Wurmtreibende Pflanzen wie Walnussblätter, Beifuß und Knoblauch sind durch ihre Pflanzenstoffe, wie Ätherische Öle, Scharf-, Gerb- und Bitterstoffe, in der Lage, die Entwicklung der Parasiten zu stö- ren und die Ausscheidung zu fördern. Regelmäßige Kontrollen des parasitären Status helfen, den richtigen Zeitpunkt der konventionellen Entwurmung zu finden. Ein besonderes Augenmerk sollte auf junge und alte Pferde gelegt werden, da diese die Hauptausscheider in einer Herde sind, wie dänische Wissenschaftler in einer Studie belegten.

ARTEMISIA VULGARIS – DER GEMEINE BEIFUSS, EINE ÜBERSEHENE HEILPFLANZE

Der Gemeine Beifuß gehört zur Familie der Korbblütler und zur Gattung Artemisia. Weitere Namen für das Kraut sind Besen- oder Gänsekraut. Es ist eine einjährige Bitterkrautpflanze mit Wuchshöhe von 60 – 250 cm. Der Beifuß ist sehr unscheinbar. Seine Stängel sind kahl mit zahlreichen Seitentrieben, die dunkelgrüne, stark gefiederte Blätter mit weißfilziger Unterseite tragen. Die Blüte von Juli bis September besteht aus gelben, körbchenförmigen Einzelblüten. Artemisia vulgaris ist auf der gesamten nördlichen Hemisphäre vertreten. Er ist ein Stickstoffanzeiger und wächst an Bachläufen, Wegrändern, auf Schutt- und Brachflächen.

GIFTIGKEIT UND ALLERGIEPOTENZIAL

Außerhalb der Blüte kann man den Gemeinen Beifuß mit dem giftigen Blauen Eisenhut verwechseln, da sich die Blätter der beiden Arten sehr ähneln. Das Allergiepotenzial des Gemeinen Beifußes wird als sehr hoch eingestuft. Es sind die Pollen, die ab Mitte Juli bis Ende August Symptome wie Augentränen, Fließnase, Atemnot, Müdigkeit und Abgeschlagenheit hervorrufen. Bei Allergien und bekannten Unverträglichkeiten sollte man auf den Einsatz dieser Pflanze verzichten.

ANWENDUNGSGEBIETE UND DOSIERUNG

Bitter- und Gerbstoffe, Ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe wie Carotinoide oder Flavonoide helfen dem Patienten bei Magen-Darm-Problemen, Gebärmutterkrämpfen und Störungen der Gallenfunktion. Zudem fördert Artemisia vulgaris ein für Darmparasiten ungünstiges Darmmilieu und ist somit prädestiniert für den Einsatz als Wurmkraut. Äußerlich wird er bei Geschwüren und Hautflechten angewendet. Großpferde erhalten oral 10 – 15 Gramm pro Tag, Ponys 5 Gramm pro Tag. Für tragende Stuten ist das Kraut aufgrund der gebärmutterstimulierenden Eigenschaften nicht geeignet. Wegen ihres hohen Allergiepotenzials sollte die Verträglichkeit vor der Anwendung geprüft und das Tier während der Behandlung gut beobachtet werden.

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