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Wenn das Souvenir im Blut steckt - Reisekrankheiten bei Hund und Katze

Urlaub – für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Sonne, Meer, fremde Landschaften, neue Gerüche – und mittendrin unsere lieben Tiere, die uns begeistert begleiten. Hunde springen über Strände, Katzen schnuppern neugierig in Ferienhäusern oder auf Campingplätzen. Für viele Familien gehört der vierbeinige Gefährte selbstverständlich mit ins Reisegepäck. Doch was wie ein unbeschwertes Abenteuer aussieht, kann gefährliche Folgen haben. Denn neben schönen Erinnerungen können unsichtbare Passagiere mitreisen: winzige Parasiten, Bakterien oder Einzeller, die durch Mücken, Zecken und Flöhe übertragen werden. Das Heimtückische: Reisekrankheiten bleiben oft monatelang, sogar jahrelang unentdeckt. Während der Hund munter den Strand entlangläuft, beginnt ein Parasit seine Wanderung durch Blut, Haut oder Organe. Anfangs sind die Anzeichen unscheinbar – ein bisschen Müdigkeit, stumpfes Fell oder eine kleine, schlecht heilende Wunde. Erst viel später treten die ernsten Symptome auf: Fieber, Abmagerung, chronischer Husten, neurologische Ausfälle oder Organschäden. Genau darin liegt die Gefahr: Wer nicht an Reisekrankheiten denkt, sucht die Ursache oft an der falschen Stelle. Statt gezielter Behandlung folgt eine Odyssee aus unklaren Befunden und Therapieversuchen. Bis die richtige Diagnose gestellt wird, kann wertvolle Zeit vergehen – Zeit, die über den Ausgang der Erkrankung entscheidet. Reisekrankheiten sind längst keine exotische Randerscheinung mehr. Durch Reisetourismus, Tierschutzimporte und Klimawandel haben sie sich auch in unseren Breiten etabliert. Fälle von Babesiose und Sandmücken in Deutschland sowie importierte Leishmanioseund Herzwurm-Erkrankungen belegen: Das Thema ist im Praxisalltag angekommen. Dieser Artikel zeigt, welche Erreger und Symptome im Zusammenhang mit Reisekrankheiten bedeutsam sind, wie die Diagnose gelingt und warum Prävention so entscheidend ist. Vor allem macht er deutlich: Nur wer wachsam bleibt, kann die unsichtbaren Urlaubsmitbringsel rechtzeitig erkennen – und damit Tierleben retten.

Die wichtigsten Erreger

Eine der bekanntesten Reisekrankheiten ist die Leishmaniosedie durch Sandmücken übertragen wird. Nach der Infektion siedeln sich die Parasiten in der Haut an und wandern später in die Lymphknoten und inneren Organe. Die Erkrankung zeigt sich oft erst viele Monate oder Jahre nach der Infektion. Typisch sind schlecht heilende Hautläsionen an den Ohrrändern oder am Nasenrücken, geschwollene Lymphknoten, Abmagerung und schwere Nierenprobleme. Da Leishmaniose nicht heilbar ist, zielt die Therapie mit Allopurinol oder Miltefosin darauf ab, den Krankheitsverlauf zu stabilisieren. Auch von hoher Bedeutung sind die Filariosen, zu denen der Herzwurm (Dirofilaria immitis) und der Hautwurm (Dirofilaria repens) gehören. Während der Herzwurm die Lungenarterien und das Herz befällt und chronischen Husten, Atemnot und schließlich Herzinsuffizienz verursachen kann, bleibt die Hautfilariose meist symptomarm. Gelegentlich bilden sich Knoten in der Unterhaut oder Abszesse, die Juckreiz auslösen. Nachweisbar sind Filarien durch Blutuntersuchungen, PCR- oder Antigen-Tests – allerdings erst etwa sechs Monate nach der Infektion. Eine weniger bekannte, aber gefährliche Infektion ist die Hepatozoonose. Anders als viele andere Erreger wird Hepatozoon nicht durch einen Stich, sondern durch das Verschlucken einer infizierten Zecke übertragen. Die Parasiten siedeln sich in Darm, Milz, Leber, Muskulatur und im Knochenmark an. Erkrankte Hunde zeigen wiederkehrende Fieberschübe, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Abmagerung. Vor allem Tiere mit geschwächtem Immunsystem entwickeln schwere Krankheitsverläufe. Die Diagnose erfolgt am zuverlässigsten über eine PCR-Untersuchung; eine endgültige Heilung ist bislang nicht möglich. Die Babesiose (Hundemalaria) zerstört die roten Blutkörperchen, führt zu Anämie und kaffeebraunem Urin. Die Ehrlichiose befällt die weißen Blutkörperchen und ruft Fieber, Abmagerung, Blutgerinnungsstörungen und neurologische Symptome hervor. Die Anaplasmose zeigt sich durch Blutungen aus Nase oder Zahnfleisch. Auch die Rickettsiose, übertragen durch Zecken, spielt eine Rolle – sie äußert sich durch Fieber, Abgeschlagenheit, Pusteln am Bauch und eitrigen Nasenausfluss. In Mitteleuropa darf die Borreliose nicht vergessen werden, die Gelenkentzündungen und Lahmheiten verursacht. Schließlich ist auch die Neosporose relevant: Sie führt durch den Befall von Nervensystem und Muskulatur zu Kopfschiefhaltung, Augenzittern und Lähmungen.

Symptomatik – wenn wenig eindeutig ist

Das Schwierige an Reisekrankheiten ist, dass sie nur selten mit eindeutigen Symptomen beginnen. Viele Tiere wirken zunächst müde, verlieren an Belastbarkeit oder entwickeln leichtes Fieber. Solche unspezifischen Anzeichen lassen sich leicht mit anderen Ursachen verwechseln. Erst im weiteren Verlauf zeigen sich charakteristische Muster: chronischer Husten bei Herzwurmbefall, schlecht heilende Wunden bei Leishmaniose, blutiger Urin bei Babesiose oder neurologische Auffälligkeiten bei Neosporose. Daher ist eine sorgfältige Auslandsanamnese unverzichtbar.

Diagnostik – Profile nach Reiseziel

Die Abklärung von Reisekrankheiten darf nicht dem Zufall überlassen bleiben. Einzel-Tests helfen selten, da viele Erreger ähnliche

Wichtig sind Vektorschutz, gute Labor- diagnostik und regionen- spezifische Profile.

Oft genügt ein einziger Stich … und die Erkrankung nimmt ihren Lauf.

Symptome hervorrufen oder lange Inkubationszeiten haben. Entscheidend ist ein strukturierter Ansatz: Wo war das Tier unterwegs? Und welche Erreger sind dort typisch? Genau nach diesem Prinzip hat VetScreen kompakte Reiseprofile entwickelt, die alle relevanten Erreger einer Region in einem Untersuchungspaket zusammenfassen. War ein Hund z. B. in Südeuropa unterwegs – also in Spanien, Italien, Kroatien, Griechenland oder Türkei – bietet das Südeuropa-Screen die passende Diagnostik. Es prüft Antikörper gegen Leishmania, Ehrlichia, Babesia, Rickettsia und ergänzt diese um Antigen-Tests auf Herzwurm und PCR-Untersuchungen auf Hepatozoon, Filarien und Anaplasma platys. Damit werden die zentralen Reisekrankheiten des Mittelmeerraums in einem einzigen Profil abgedeckt.

So entsteht ein Fahrplan, der Struktur und Sicherheit bietet:Reiseziel bestimmen – passendes VetScreen-Profil auswählen – Nachkontrollen einplanen.

Bei Hunden aus Osteuropa – z. B. aus Rumänien, Ungarn, Polen oder Ukraine – steht das Osteuropa-Screen im Vordergrund. Es richtet den Fokus auf Babesia, Anaplasma phagocytophilum und den Herzwurm. Für Tiere aus Nord- und Mitteleuropa, wo Zeckeninfektionen dominieren, wurde das Nord-/Zentraleuropa-Screen entwickelt, das Borrelia, Neospora, Anaplasma, Babesia sowie den Herzwurm erfasst.

Für Hunde, die aus den USA mitgebracht werden, gibt es ein eigenes Profil, das die dort relevanten Erreger – darunter Rickettsia rickettsii und Hepatozoon – berücksichtigt. Auch für Katzen hat VetScreen maßgeschneiderte Profile entwickelt: Das Süd-/Osteuropa-Screen deckt Leishmania, Rickettsia, Bartonella henselae und Retrovirusinfektionen (FIV/FeLV) ab und ergänzt diese durch PCR-Tests auf Hepatozoon, Filarien und Piroplasmen. Für Katzen mit Exposition in Mitteleuropa steht das Nord-/Zentraleuropa-Screen zur Verfügung, das Bartonella, Rickettsia und hämotrope Mykoplasmen erfasst. Damit erhält jede Praxis ein klares Instrument: Nicht mühsam einzelne Tests kombinieren, sondern das Profil passend zum Reiseziel wählen – und alle relevanten Erreger sind abgedeckt. Wichtig ist auch der Zeitplan: Tiere mit Symptomen sollten sofort untersucht werden. Bei symptomlosen Rückkehrern empfiehlt sich die erste Untersuchung nach drei Wochen, wenn die meisten Erreger nachweisbar sind. Nach sechs Monaten sollte unbedingt ein Kontroll-Screening erfolgen, da v. a. Herzwurm und Leishmaniose erst dann sicher diagnostiziert werden können.

Praxisfälle

Fall 1: Dirofilaria beim 7-jährigen Labrador Balu
Balu verbrachte drei Wochen mit seiner Familie an der spanischen Mittelmeerküste. Dort tollte er abends am Strand – genau in der Zeit, in der Sand- und Stechmücken aktiv sind. Nach der Rückkehr war er zunächst unauffällig. Erst Monate später fiel auf, dass Balu schneller außer Atem geriet und beim Spielen früh erschöpft war. Die Tierhalter hielten das für Alterserscheinungen. Als er dann mit Atemnot und Aszites vorgestellt wurde, ergab die Echokardiographie den Befund: Dirofilaria immitis – Herzwurm. Bei Balu hatten sich adulte Würmer im Herzen angesiedelt. Nur eine aufwendige, risikobehaftete Langzeittherapie konnte zum Glück sein Leben retten. Der Fall zeigt: Ohne gezielten Check nach sechs Monaten bleibt ein Herzwurmbefall lange unentdeckt – bis es fast zu spät ist.

Fall 2: Leishmaniose bei Tierschutzhündin Nelly
Die 2-jährige Mischlingshündin kam über einen Tierschutzverein aus Griechenland nach Deutschland. Bei der Übergabe wirkte sie gesund, nur etwas dünn. Vier Monate später entwickelte sie Hautläsionen an den Ohrrändern, verlor Gewicht und wirkte müde. Erst eine Nachkontrolle mit dem Südeuropa-Screen brachte die Diagnose Leishmaniose. Nellys Erkrankung hätte unbemerkt bleiben können, da die Symptome unspezifisch wirkten. Durch den frühzeitigen Labornachweis konnte eine Behandlung mit Allopurinol eingeleitet werden. Heute lebt Nelly stabil, doch sie benötigt lebenslang Therapie und regelmäßige Blutkontrollen. Der Fall zeigt: Gerade Tierschutzhunde aus dem Mittelmeerraum sollten konsequent getestet und nach sechs Monaten überprüft werden – selbst wenn sie gesund erscheinen.

Prävention – zeitgerecht und wirksam

Die beste Vorsorge ist, Infektionen zu verhindern, bevor sie entstehen. Die wirksamste Maßnahme gegen Reisekrankheiten besteht darin, eine Infektion gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu gehört ein konsequenter Vektorschutz mit repellierenden Spot-ons oder Halsbändern, die mindestens zwei Wochen vor Reiseantritt angewendet werden. Während der Reise gilt es, Spaziergänge in der Dämmerung zu vermeiden und Hunde nachts im Haus zu halten. Ein Moskitonetz bzw. Insektenschutz im Innenraum ist sinnvoll. Nach der Rückkehr richtet sich der Zeitplan der Nachsorge nach dem Infektionsrisiko: Tiere mit Symptomen sollten sofort untersucht werden. Bei symptomlosen Tieren empfiehlt sich das erste Screening drei Wochen nach Rückkehr, um Infektionen wie Babesiose, Ehrlichiose oder Anaplasmose zu erfassen. Nach sechs Monaten sollte eine Kontrolluntersuchung erfolgen, da Herzwurm und Leishmaniose erst dann sicher nachweisbar sind. Gerade bei Tieren aus dem Auslandstierschutz ist diese Nachsorge unverzichtbar.

Fazit – strukturierte Vorsorge statt Zufall

Reisekrankheiten gehören längst zum Praxisalltag. Sie verlaufen häufig unspezifisch, entwickeln sich über Wochen oder Monate und stellen dadurch eine diagnostische Herausforderung dar. Die Beispiele zeigen, wie wichtig ein geplanter Ansatz ist: Nur wer an diese Erkrankungen denkt und strukturiert vorgeht, erkennt sie rechtzeitig. Der Schlüssel liegt in drei Säulen: konsequenter Vektorschutz, zeitgerechte Labordiagnostik und regionenspezifische Profile. Mit den von VetScreen entwickelten Reise-Screens steht Tierärzten und Tierheilpraktikern ein Werkzeug zur Verfügung, das die wichtigsten Erreger je nach Herkunftsland abdeckt und die Nachtestung berücksichtigt. So lassen sich Infektionen frühzeitig identifizieren, unnötige Einzeluntersuchungen vermeiden und Patienten gezielt behandeln. Für Tierhalter bedeutet das Sicherheit – für die Praxis effizientes Handeln. Damit wird aus einem möglichen „unsichtbaren Mitbringsel“ kein unkalkulierbares Risiko, sondern eine klar beherrschbare Größe in der tiermedizinischen Vorsorge.

VETSCREEN

Labordiagnostik für Tierheilpraktiker

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