Fälle aus der THP-Praxis für die Praxis
SICHERE AUTOFAHRT MIT DEM HUND
THP MONIKA HEIKE SCHMALSTIEG
Neulich im Auto hatte ich einen vierbeinigen, unbekannten Fahrgast an Bord – und musste feststellen, wie viele Aspekte zu beachten sind, damit die Fahrt für den Hund ebenso positiv wie sicher verläuft. Hier eine Zusammenstellung praktischer Tipps für die Praxis.

Vor der Autofahrt können Sie mit Ihrem Hund einen kurzen Spaziergang machen – das entspannt und hilft, überschüssige Energie abzubauen.
1. Sicherung im Fahrzeug
Hunde sollten im Auto immer gesichert transportiert werden – entweder mit einem speziellen Sicherheitsgurt (Hundegeschirr mit Anschnalladapter), in einer Transportbox oder im Kofferraum mit passendem Trenngitter. Das schützt sowohl Tier als auch Insassen bei plötzlichem Bremsen oder einem Unfall.
2. Akustisches Umfeld
Hunde reagieren empfindlich auf laute Geräusche. Grelle Musik, starke Bässe oder dauerhafter Lärm können Stress verursachen. Tipp: Leise, ruhige Musik wählen oder auf Musik verzichten, v. a. bei nervösen oder nicht an Autofahrten gewöhnten Tieren.
3. Fahrweise
Eine ruhige, vorausschauende Fahrweise ist entscheidend. Starkes Beschleunigen, abruptes Bremsen oder schnelle Kurven können Hunde verunsichern oder ihnen Übelkeit verursachen. Tipp: Sanft fahren, gleichmäßiges Tempo halten.
4. Klima und Belüftung
Eine angenehme Innentemperatur ist wichtig, Zugluft sollte vermieden werden. Tipp: Fenster leicht öffnen oder die Lüftung gezielt einstellen, sodass Frischluft zirkuliert, ohne dass der Hund im Luftstrom sitzt.
5. Fensterposition und Reizüberflutung
Hunde, die an Übelkeit beim Autofahren leiden, reagieren oft auf die vorbeiziehenden Bilder. Tipp: Fenster abdunkeln oder mit einem Tuch abhängen, um visuelle Reizüberflutung zu vermeiden. Das kann Erbrechen und Unwohlsein vorbeugen.
6. Rauch und Dampf vermeiden
Zigarettenrauch kann die empfindlichen Atemwege des Hundes reizen. Tipp: Während der Fahrt nicht rauchen oder dampfen – im geschlossenen Fahrzeuginnenraum ist das für Tiere besonders belastend.
7. Pausen und Wasser
Hunde benötigen bei längeren Fahrten regelmäßige Pausen, um sich zu lösen, zu bewegen und Wasser aufzunehmen. Tipp: Alle 1,5–2 Stunden einen kurzen Halt einplanen und frisches Wasser mitführen.
Eine sichere Fixierung und ruhige Fahr- bedingungen sind die Grundlage für einen stressfreien Hundetransport.

Wichtige Gesetze und Regelungen
Straßenverkehrsordnung (StVO) – Ladungssicherung
Nach § 22 muss Ladung so gesichert sein, dass sie auch bei Vollbremsung oder plötzlichen Ausweichbewegungen nicht verrutscht, umkippt, hin- und herrollt oder herabfällt. Da ein Hund im Auto rechtlich als Ladung gilt, ist diese Regel auch für Tiere verbindlich. Wird ein Tier nicht angemessen gesichert, drohen Bußgelder.
Tierschutzrecht
Nach § 17 kann es strafbar sein, ein Tier unter Bedingungen zu transportieren, die dessen Wohlbefinden deutlich gefährden (z. B. Hitze im Auto).
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Visuelle und akustische Reizreduktion kann Übelkeit deutlich verringern.
8. Duftstoffe im Fahrzeug
Intensive Düfte (z. B. Duftbäume, starke oder frisch aufgetragene Parfüms) können zu Irritationen führen oder Stress auslösen. Tipp: Auf künstliche Geruchsquellen verzichten – eine neutrale Fahrzeugumgebung ist am besten.
9. Vorbereitung und Gewöhnung
Besonders bei fremden oder jungen Hunden empfiehlt sich eine schrittweise Gewöhnung ans Auto. Tipp: Erst mit kurzen Fahrten beginnen, den Hund nicht überfordern. Autofahrtraining kann bei empfindlichen Hunden helfen, Vertrauen aufzubauen.
10. Beruhigung und Unterstützung
In leichten Fällen können Bach-Blüten-Rescue-Tropfen (z. B. vor der Fahrt) zur Beruhigung beitragen. Tipp: In ausgeprägten Stress- oder Angstfällen können unterstützend Pheromonsprays oder ein vom Tierheilpraktiker / Tierpsychologen begleitetes Desensibilisierungstraining sinnvoll sein.
11. Vor der Fahrt
Eine Gassirunde vor dem Einsteigen hilft, überschüssige Energie abzubauen und das Risiko für Übelkeit zu verringern. Tipp: Hund vor Fahrtantritt lösen lassen und erst dann ins Auto setzen.
12. Zusätzliches Zubehör
Eine rutschfeste Unterlage oder Decke gibt dem Hund Halt und Sicherheit. Tipp: Handtücher für eventuelle Verschmutzungen oder Übelkeit bereithalten. Leckerli zur positiven Verstärkung können nützlich sein – aber nicht unmittelbar vor der Fahrt geben, um Übelkeit zu vermeiden.
Fazit
Autofahrten mit Hund erfordern mehr Aufmerksamkeit, als man zunächst denkt – v. a. wenn es sich nicht um das eigene Tier handelt. Mit etwas Vorbereitung, Geduld und Einfühlungsvermögen lässt sich jedoch auch für sensible Vierbeiner eine angenehme und sichere Fahrt gestalten. Gezieltes Desenibilisierungstraining kann so manchem Hund das Leben leichter machen.