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Fallstudie - Exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund (mittelgradig)

Erstvorstellung

Der Rhodesian-Ridgeback-Rüde Tayo (1,5 Jahre) wurde mir von seiner Besitzerin im Januar 2025 vorgestellt. Tayo wurde gebarft und litt trotz guter Futteraufnahme an unerklärlichem Gewichtsverlust, der stetig voranschritt. Der sonst kräftige, sportliche und agile Hund war in letzter Zeit kraftlos und zog sich immer mehr zurück. Seine Besitzerin machte sich große Sorgen und bat mich, der Ursache auf den Grund zu gehen.

Anamnese

Tayo stammt aus einem Wurf mit sieben Welpen, er war der Kleinste und Zierlichste („Kümmerling“). Bereits im Alter von neun Wochen litt der Hund an einer hämorrhagischen Enteritis, die antibiotisch behandelt wurde. Tayo wurde von seiner Besitzerin gebarft – das Futter schmeckte ihm, und es ging ihm gut. Im Laufe der Zeit schlichen sich diverse Unverträglichkeiten ein, und Tayo verlor kontinuierlich an Gewicht (minus 2,4 kg in drei Monaten). Die zuvor durchgeführten Untersuchungen (Blutbilder) zeigten keine signifikanten Auffälligkeiten. Eine Entwurmung war zuletzt vor einem Jahr durchgeführt worden. Tayo war sehr abgemagert und seine Besitzerin wünschte sich, dass er wieder mehr „auf die Rippen bekommt“. Aus diesem Grund hatte sie sich zuvor bereits an eine Fachkollegin gewandt, welche die Fettzufuhr in der Ration auf eine exorbitant hohe Menge anhob. Anhand der akuten Symptomatik und der bisherigen Informationen lag der Verdacht nahe, dass das Tier an einem Befall mit Endoparasiten litt und parallel eine Pankreasproblematik aufwies.

Kotdiagnostik

Im ersten Schritt meiner Diagnostik empfahl ich der Besitzerin ein spezielles Kot-Screening, um einen möglichen Parasitenbefall und eine eventuelle Pankreasschwäche aufzudecken. Der Laborbefund bestätigte: mittelgradiger Befall mit Hakenwürmern und eine mittelgradige Pankreasinsuffizienz.

Ernährungsdiagnostik mit PetCalc

Mithilfe der Webanwendung „PetCalc“ (www.petcalc.de) führte ich eine Rationsüberprüfung des aktuellen Ernährungsstatus durch, um Fehlversorgungen mit Nährstoffen, Mengen- und Spurenelementen, Vitaminen sowie Fettsäuren aufzudecken.

Die Überprüfung wurde mit dem Rationsrechner PetCalc erstellt.

Die wichtigsten Ergebnisse
• zu hoher Fettanteil in der Gesamtration
• erhebliche Überversorgung mit Phosphor, Kupfer, Zink und Vitamin A
• falsches Ca/P (Calcium-PhosphorVerhältnis)
• ungünstiger PEQ (Protein-Energie-Quotient)

Therapieplan und Verlauf

Schritt 1
Zunächst bat ich die Besitzerin, eine Entwurmung durchzuführen.

Schritt 2
Der nächste und wichtigste Schritt der Therapie war die Zugabe geeigneter Enzyme zum Futter. Diese sind notwendig, um einerseits das Pankreas zu entlasten und andererseits die Verdauung und Metabolisierung der Nährstoffe zu gewährleisten. Nur so kann das Tier an Gewicht zunehmen. Auf dem Markt sind sowohl tierische als auch pflanzliche Enzympräparate erhältlich. Ich entschied mich für ein pflanzliches Präparat.

Schritt 3
Ich erstellte für Tayo einen Therapieplan zum kompletten Wiederaufbau der Darmflora (Mikrobielle Therapie). Bestandteile waren Colostrum, ein passendes Probiotikum und Weihrauch-Kapseln.

Schritt 4
Mit einem individuell erstellten Rationsplan inklusive der notwendigen Fütterungsanpassungen erhielt die Besitzerin von mir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um ihren Hund wieder zu einem gesunden Body-Condition-Score (BCS) zu führen.

Nach erfolgreicher Behandlung und Futteranpassung

BUCH

ERNÄHRUNGS-BERATER FÜR HUNDE

Mirjam Viehweger

Der umfangreiche Leitfaden vermittelt Hundebesitzern, Tierheilpraktikern, Tierernährungsberatern und Tierärzten detailliertes Fachwissen über die Ernährung von Hunden.

Oertel & Spörer Verlag

Zusätzlich bat ich die Besitzerin, sich regelmäßig bei mir zu melden und mir Rückmeldung zu geben, wie es Tayo geht, v. a. im Hinblick auf sein Gewicht. Engmaschige Kontrollen der Pankreaswerte im Kot waren ergänzend notwendig, um den Therapieverlauf zu beurteilen und bei Bedarf die Dosierung der Enzyme anzupassen. Nach einem anfänglichen Auf und Ab, was für diese Erkrankung nicht ungewöhnlich ist, gelang es uns schließlich, dass Tayo sein Gewicht von 35,6 kg (Januar 2025) auf sein Zielgewicht von 45 kg (August 2025) steigern konnte. Tayo ist wieder kräftig, aktiv und frei von Heißhungerattacken. Auch seine Besitzerin kann endlich wieder lächeln.

MIRJAM VIEHWEGER
Tierheilpraktikerin

Tierernährungsberatung, Mikrobielle Therapie, Mykotherapie, Autorin, Dozentin

info@
praxis-fuer-tierernaehrung.de