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Stresspunktmassage beim Hund

Unsere Hunde haben einen hohen Anteil an Muskelmasse, daher spielt eine gesunde, elastische Muskulatur eine wesentliche Rolle für einen physiologischen Bewegungsablauf und (damit verbunden) viel Lebensfreude. Aber wie wir leiden sie oftmals an Muskelverspannungen. Da der Hund ein Meister darin ist, Bewegungseinschränkungen durch Schonhaltung zu kompensieren, erkennen wir die Probleme nicht immer gleich. Erst, wenn seine Möglichkeiten erschöpft sind, wird z. B. ein verändertes Gangbild sichtbar. Daher ist es wichtig, Muskelprobleme zu erkennen, bevor sie sich manifestieren und zu weitreichenden Folgen führen. Neben Bewegungsunlust, Leistungseinbruch und geringem Wohlbefinden ist das Verletzungsrisiko erhöht. Schon ein kleiner Fehltritt kann schwerwiegende Auswirkungen haben. Sogar Arthrose kann durch Muskelverspannungen entstehen. Das Gute ist, dass sich mithilfe der Stresspunkte frühzeitig Muskelverspannungen lösen lassen und so der Teufelskreis aus reduzierter Bewegung und starken Schmerzen durchbrochen werden kann.

Durch die gezielte Massage von Stresspunkten können Verspannungen gelöst und die Durchblutung der Muskulatur verbessert werden.

Was sind Stresspunkte?

Den Begriff „Stresspunkte“ prägte der Humanphysiotherapeut Jack Meagher, der bereits in den 1980er-Jahren die Stresspunktmassage (auch myofasziale Tiefenmassage genannt) bei Sportpferden einsetzte. Er bezeichnete druckempfindliche Punkte, die am Übergang vom Muskel zur Sehne liegen, als Stresspunkte und führte deren Bildung darauf zurück, dass Bewegung am stärksten den Muskel-Sehnen-Apparat belastet. Verspannt sich ein Muskel, erfolgt ein permanenter Zug an seiner Sehne. Da das Sehnengewebe nur eine geringe Dehnfähigkeit besitzt, ist die Belastung an dieser Stelle höher als woanders. Besteht ein Ungleichgewicht aus Belastung und Belastbarkeit der Muskulatur, erhöht sich die Muskelspannung und die angespannten Muskelfasern drücken auf das umliegende Gewebe, das geringer durchblutet wird. Folglich kommt es zum Sauerstoffmangel, wodurch nicht mehr genügend Energie produziert wird, um die Fasern zu entspannen. Im schlecht durchbluteten Gewebe sinkt der pH-Wert, und da ein saures Milieu ein starker Reiz für Schmerzrezeptoren ist, empfindet der Hund Schmerzen und geht in Schonhaltung. Hinzu kommt, dass Sehnen generell gering durchblutet werden und so bei Überlastung besonders verletzungsanfällig sind. Ist ein Muskel über einen längeren Zeitraum verspannt und kann seine Funktion nur unzureichend erfüllen, übernehmen die umliegenden Muskeln vermehrt seine Aufgabe und werden nun ihrerseits überlastet. So kann sich das Problem wie ein roter Faden durch den Körper ziehen.

Erkennen von Stresspunkten

Da sich unsere Hunde im Exterieur deutlich voneinander unterscheiden, variiert auch die Stresspunktlage, die nicht nur am Muskel-Sehnen-Übergang, sondern auch entlang der Muskelränder zu finden ist, weshalb man auch von Stresspunktzonen spricht. Zunächst deuten typische Schmerzmuster einzelner Muskelpartien auf Stresspunkte hin. So kann z. B. ein verkürzter Schritt der vorderen Gliedmaße ein Anzeichen für Verspannungen des Trapezmuskels sein. Auch eine geringere Dehnfähigkeit und Ausdauer der Muskulatur kann auf Stresspunkte hinweisen. Bei Bewegungseinschränkungen und Schmerzen nach Belastung sollte sich der Muskelbereich ebenfalls angeschaut werden. Außerdem können Stresspunkte Arthrose vortäuschen, da der Hund, wie bei einer Arthrose, nach Ruhe oder Belastung steifer läuft. Stresspunkte sind druckempfindliche Punkte, deren Schmerzen durch wiederholten Druck reproduzierbar sind. Teilweise sind verhärtete Strukturen oder Verquellungen zu fühlen und ein Zittern der Haut bei Berührung des Stresspunktes ist wahrnehmbar. Ein therapierter Stresspunkt sollte nach der Behandlung schmerzfrei oder zumindest schmerzunempfindlicher sein.

Kontraindikationen

Bevor mit der Stresspunktmassage begonnen wird, muss sichergestellt sein, dass keine Erkrankungen oder Verletzungen des Hundes vorliegen, die gegen diese Behandlung 

sprechen. Ein Laie sollte immer vorab Rücksprache mit einem Tierarzt oder Hundetherapeuten halten.

Zu den Kontraindikationen zählen:
• schlechter Allgemeinzustand
• starke Schmerzen
• Herzschwäche
• schwere Organerkrankungen
• Fieber
• Entzündungen
• Infektionskrankheiten
• nach Operationen
• offene Wunden
• Hautkrankheiten
• Osteoporose
• Knochenbrüche
• Muskel-Sehnen- und Bänderrisse
• Krebs
• neurologische Probleme
• Trächtigkeit
• Einnahme bestimmter Medikamente
• nicht-abgeklärte Lahmheit

Trifft eine oder mehrere dieser Kontraindikationen zu, gehört der Hund in professionelle Hände oder darf nicht mit der Stresspunktmassage therapiert werden.

Was bei der Stresspunkt- behandlung zu beachten ist

• ruhiger und weicher Behandlungsplatz
• innere Ruhe und Zeit
• keine Behandlung direkt vor und nach der Fütterung
• Druckintensität an den Hund anpassen und auf Zeichen der Anspannung achten
• Direkte Behandlung des Stresspunktes maximal 2 Minuten und Wiederholung nach 2-3 Tagen
• Nur manuell arbeiten und dabei den Schmuck abnehmen
• Der Hund sollte sich vorher gelöst haben
• trockenes, sauberes Fell
• Zusätzlich Wasser geben, ggf. mit Hüttenkäse oder Dosenfutter anreichern

• Keine anstrengende Aktivität am Behandlungstag, aber ein Spaziergang und dann Ruhe zur Erholung

Die Zirkelreibung ist eine grundlegende Technik der Stresspunktmassage. Dabei wird ein Punkt mit Fingerkuppen oder Daumen in kleinen, kreisenden Bewegungen massiert. So werden Spannungen im Gewebe gelöst, die Durchblutung gefördert und reflektorische Reaktionen im Nervensystem angeregt.

 

Ausführung der Stresspunktmassage

Beim Aufsuchen von Stresspunkten kann der Hund stehen, sitzen oder liegen. Dabei helfen tastbare Knochenpunkte zur Orientierung am Hundekörper und erleichtern das Auffinden der Punkte. Die Behandlung selbst erfolgt ausschließlich im Liegen. Zu Beginn werden beide Seiten des Hundekörpers mit der Hand langsam abgestrichen, um Wärmezonen, Schwellungen oder Dellen in der Muskulatur auszuschließen. Andernfalls ist ein Tierarzt zu konsultieren. Zeigt der Hund bei Berührung schon starke Schmerzen oder Abwehrreaktionen, ist von einer Behandlung abzuraten. Strukturveränderungen lassen sich am besten durch Streichen über das Gewebe mit den flachen Fingern oder Fingerbeeren und wenig Druck ertasten. Nachdem der gesamte Körper nach Gewebeveränderung abgetastet und sichergestellt wurde, dass keine Kontraindikationen vorliegen, wird mit leichtem Druck auf die entsprechenden Punkte am Muskel-Sehnen-Übergang und an den Muskelrändern geprüft, ob der Hund reagiert. Dabei ist es wichtig, den Hund im Blick zu haben, denn eine kleine Reaktion der Anspannung genügt und ist oft schon an der Mimik des Hundes erkennbar. Achten Sie auf die Druckintensität, da es bei zu viel Kraft zu einem falsch positiven Befund kommen kann. Manche Stresspunkte bauen schnell eine Verquellung auf oder es ist eine straffe Linie zu spüren, z. B. beim Trapezmuskel. Die direkte Behandlung der Stresspunkte erfolgt nach einleitender Massage mit Streichungen und Knetungen des gesamten Muskels, um das Gewebe ausgiebig zu erwärmen. Nach der Stresspunktbehandlung wird der Muskel ausgestrichen, nicht zuletzt, weil eine Behandlung immer mit Entspannung endet. Abschließend wir der Muskel passiv gedehnt. Die Massage der Stresspunkte, mit dem Ziel, die Durchblutung anzuregen, erfolgt mit Reibung (Friktion) quer bzw. längs zum Muskelfaserverlauf oder mit Zirkelreibung. Daneben gibt es noch jene Technik der Druckpunktmassage, bei der Finger oder Daumen senkrecht auf den Stresspunkt aufgesetzt werden und ein konstanter Druck in die Tiefe ausgeübt wird. Diese Technik kann aber schmerzhaft sein. Reibungen, ggf. mit an- und abschwellendem Druck ausgeführt, sind sanfter und der Druckpunktmassage vorzuziehen. Bei Reibungen wird der Zeigefinger oder der Daumen in einem Winkel von 45 Grad zum jeweiligen Stresspunkt aufgesetzt. Mittelund Zeigefinger können auch übereinandergelegt werden, um mit dem Mittelfinger einen variablen Druck auf dem Zeigefinger auszuüben. Weniger intensiv ist es, wenn mit an- und abschwellendem Druck gearbeitet wird. Dabei geht der Druck in Richtung quer zum Faserverlauf und mit weniger Druck zurück bzw. bei Längsfriktion mit Druck längs der Muskelfaser und mit weniger Druck zurück. Bei Zirkelreibung wird unter Druckaufnahme ein Halbkreis ausgeführt und mit geringerem Druck der Kreis beendet. Die Behandlung darf dem Hund keine Schmerzen bereiten, da er sonst mit Abwehr reagiert und so eine Weiterbehandlung unmöglich macht. Daher richtet sich die Druckstärke immer nach dem Hund.

Fazit

Mit dieser besonderen Form der Massage lassen sich frühzeitig Muskelverspannungen erkennen, lösen und damit Schmerzen und Verletzungsanfälligkeit reduzieren. Die Stresspunktmassage trägt zur Gesunderhaltung und zum Wohlbefinden unserer Hunde bei und vertieft, aufgrund der fürsorglichen Berührung, gleichzeitig die Beziehung zwischen Mensch und Hund.

Stresspunkt 2 Minuten behandeln, dann dem Gewebe Pause zur Regulation und Entspannung geben.

PIA GERECKE
Hundephysiotherapeutin

Stresspunktmassage bei Hunden, Osteopathie, Unterwasserlaufband, Akupunktur