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Gefühle Tapen - Wie „psychoLogisches Pferdetaping“ Körper und Seele verbindet

Wer sich mit Pferden beschäftigt, der weiß, dass sie feinfühlige Wesen sind, die jede Regung, Änderung oder Stimmung in ihrer Umgebung wahrnehmen. Ihr Verhalten, ihre Körpersprache, selbst kleine Veränderungen in ihrem Ausdruck können uns umgekehrt viel über ihren inneren Zustand verraten – wenn wir lernen, richtig hinzusehen! Pferde leben seit Millionen von Jahren als Lauf-, Flucht- und Herdentiere. Sicherheit bedeutet für sie Bewegung, Schutz und Sozialkontakt. Werden diese Grundbedürfnisse dauerhaft eingeschränkt – wie etwa durch mangelnde Bewegung, Isolation oder Stress – kann das Pferd aus seiner Balance geraten. Körper und Seele sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Wie beim Menschen spiegeln sich emotionale Spannungen auch im Körper wider: Ein angespanntes Pferd trägt seine Sorgen „auf den Schultern“ oder reagiert mit Verspannungen im Rücken, wenn innere Unruhe oder Unsicherheit überhandnehmen. Umgekehrt beeinflussen Schmerzen die seelische Verfassung.

Emotionale Empfindungen von Pferden

Lange Zeit wurde Pferden eine komplexe Gefühlswelt abgesprochen – man hielt sie für reine Reaktionswesen. Heute wissen wir, dass Pferde über ein bemerkenswert feines emotionales System verfügen. Sie empfinden Freude, Angst, Trauer, Neugier, Verbundenheit und Sicherheit – und sie zeigen diese Emotionen auf eine stille Weise.

Ihre Wahrnehmung ist stark auf emotionale Resonanz ausgerichtet. Pferde spüren nicht nur, wie wir uns verhalten, sondern auch, wie wir uns fühlen. Unsere Stimmung, Atmung, Körperspannung, selbst kleinste Veränderungen in der Energie können sie lesen – und spiegeln sie unmittelbar. Das macht sie zu so wertvollen Partnern z. B. in der Therapie, aber auch verletzlich gegenüber emotionalem Ungleichgewicht.

Taping-Therapie nutzt speziell auf die Haut aufgeklebte Bänder, um Muskeln, Gelenke und Faszien zu unterstützen. Durch leichte Zugreize sollen Durchblutung, Lymphfluss und Körperwahrnehmung verbessert, Schmerzen reduziert und Heilungsprozesse gefördert werden.

Ein Pferd, das häufig Frustration oder Angst erlebt, reagiert mit denselben Stressmechanismen wie der Mensch. Es schüttet Stresshormone aus, die Muskulatur verhärtet sich, der Herzschlag beschleunigt sich, das gesamte System bleibt in Alarmbereitschaft. Umgekehrt lösen Ruhe, Vertrauen und Sicherheit messbar positive Effekte aus – der Puls sinkt, die Muskulatur entspannt sich, der Atem wird gleichmäßiger. Emotionale Stabilität ist also keine „Zugabe“, sondern eine Grundvoraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden.

Wenn die Balance verloren geht

Nicht immer sind es die offensichtlichen Umgangs- und Haltungsfehler, die Pferde aus ihrem Gleichgewicht bringen. Oft sind es kleine, alltägliche Dinge wie ein unpassender Trainingsreiz, die Trennung vom Herdengefährten oder ständige Reizüberflutung. All das kann unterschwellig Stress erzeugen. Stress ist kein rein psychisches Phänomen, sondern wirkt sich über das vegetative Nervensystem auf den gesamten Organismus aus. Der Muskeltonus verändert sich, die Atmung wird flacher, die Verdauung gestört. Wird dieser Zustand chronisch, kann sich daraus ein Kreislauf aus Anspannung, Schmerz und Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Für uns Therapeuten bedeutet das, dass wir den Blick weiten müssen. Wir dürfen nicht nur die Symptome behandeln, sondern sollten versuchen, das Pferd als Ganzes zu verstehen – mit seiner Persönlichkeit, seinen Erfahrungen und Emotionen.

Gefühle zeigen sich im Körper

Jede Emotion kann auch ihren körperlichen Ausdruck haben. Angst, Wut, Trauer etc. können sich in verschiedenen Regionen des Pferdekörpers widerspiegeln. Diese körperlichen Signale sind wertvolle Hinweise darauf, was im Inneren des Pferdes vorgeht. Genau hier setzt das psychoLogische Pferdetaping an – ein Ansatz, der Körper und Seele verbindet.

Berührung, die bewegt

Das kinesiologische Tape kennen viele bereits als unterstützende Therapie bei muskulären oder orthopädischen Problemen. Es wirkt über die Hautrezeptoren, fördert die Mikrozirkulation, entlastet Strukturen und unterstützt körpereigene Heilungsprozesse, ohne die Bewegung einzuschränken. PsychoLogisches Pferdetaping geht einen Schritt weiter: Es nutzt die positiven Effekte des Tapes nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf emotionaler Ebene. Die Idee dahinter: Über bestimmte Hautzonen und Akupressurpunkte können wir nicht nur Muskeln, Gelenke oder andere Organe, sondern auch das seelische Gleichgewicht beeinflussen. Ein Beispiel: Wie in der Akupressur emotionale Spannungen über gezielte Punkte gelöst werden können, so lassen sich diese Punkte auch durch Crosstapes (kleine, gitterförmige Pflaster) stimulieren. Mit speziellen Tapeanlagen entsteht durch die sanfte, dauerhafte Berührung ein sensorischer Reiz, der beruhigend, ausgleichend oder aktivierend wirken kann – je nachdem, welches Ziel verfolgt wird. Dabei werden die elastischen Tapes auf bestimmte Körperzonen geklebt, um das vegetative Nervensystem positiv zu beeinflussen. In der Anwendung werden beim psychoLogischen Pferdetaping also verschiedene Zonen oder Akupressurpunkte mit Kinesio- oder Crosstapes behandelt. Dabei kommt auch das „normale“ Kinesiotape in einer bestimmten Technik zum Einsatz, die ich „Hug“ (Umarmung) nenne. Dies kann stabilisieren, Spannungen lösen und helfen, das energetische Gleichgewicht wiederherzustellen.

So kann ein ängstliches oder gestresstes Pferd durch beruhigende Tapeanlagen an bestimmten Bereichen des Körpers zur Ruhe finden, während antriebsarme oder resignierte Tiere über aktivierende Punkte stimuliert werden. Wichtig ist: Taping ersetzt keine tierärztliche oder verhaltenstherapeutische Behandlung, sondern versteht sich als begleitende, ganzheitliche Methode. Es unterstützt Prozesse, fördert die Selbstregulation und schenkt dem Tier die Möglichkeit, wieder in Balance zu kommen – körperlich wie seelisch.

Dialog ohne Worte

Was dieses Konzept so besonders macht, ist seine Feinfühligkeit. Es braucht kein „Mehr an Technik“, sondern ein feines Gespür für das, was Mensch und Tier geschieht. Das Tape wird zu einem stillen Vermittler – zwischen Haut und Nervensystem, Gefühl und Körper, Pferd und Mensch. Letztlich ist das Ziel, nicht nur Symptome zu lindern, sondern Verbindung zu schaffen: zum eigenen Körper, zur inneren Ruhe und dem Vertrauen, das zwischen Mensch und Pferd entsteht, wenn Berührung körperlich und emotional gemeint ist.

Mensch und Pferd begegnen sich jenseits von Rollen, Status und Masken.

CAROLIN CAPRANO
Tierheilpraktikerin

Tierphysiotherapie mit Schwerpunkt Pferde, Kinesiologisches Taping, Autorin

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