Leishmaniose beim Hund

ERKENNEN-VERSTEHEN-BEHANDELN

THP 5 20 Page6 Image1Typische Mittelmeerkrankheiten wie die Leishmaniose sind längst auch in nördlicheren Regionen keine Seltenheit mehr. Sie richtig zu diagnostizieren ist eine Herausforderung, da die Symptome unspezifisch sein können. Bis vor Kurzem stützte sich ihre Behandlung vorwiegend auf eine schulmedizinische Medikation. Wissenschaftler der Universität Granada konnten jedoch erste Erfolge mit Kamille belegen.
Brillenförmiger Haarausfall (Periorbitale Alopezie) rund um die Augen und am Nasenspiegel (nasale Hyperkeratose), Hautläsionen und Entzündungen, brüchige, verformte Krallen, Durchfall, Gewichtsverlust, Apathie – dies sind nur einige Anzeichen, die auf eine Leishmaniose hinweisen können. Im mediterranen Raum gehört die Leishmaniose neben der von Zecken übertragenen Ehrlichiose, Babesiose und Hepatozoonose zu den am häufigsten auftretenden Infektionskrankheiten. Durch die Vermittlung von Hunden über den Auslandstierschutz aus südlichen Ländern oder Reisen dorthin kamen einerseits infizierte Tiere in nördlichere Regionen Europas, andererseits kam die Überträgerin – die Sand- und Schmetterlingsmücke – als blinde Passagierin gleich mit. Das führte zunächst dazu, dass Veterinäre die Symptome anderen Erkrankungen zuordneten und häufig von derartigen Infektionen noch nie etwas gehört hatten. Bei inzwischen über 20.000 bekannten Fällen in Deutschland und einer hohen Dunkelziffer kann die Leishmaniose nicht mehr ignoriert werden, zumal es sich um eine Zoonose handelt, die artübergreifend übertragbar ist. VORSICHT: Gerade bei der Leishmaniose sind Menschen durch Tröpfchenübertragung aus nässenden Pusteln sehr ansteckungsgefährdet!

THP 5 20 Page7 Image2Kleiner Stich, große Wirkung

Die in nördlichen Breitengraden heimisch gewordenen Sand- und Schmetterlingsmückenarten Phlebotomus mascittii und Phlebotomus perniciosus stammen ursprünglich aus der Mittelmeerregion. Dort geht man von einer Durchseuchung der Hundepopulation von rund 80 Prozent aus. Das bedeutet: Die Vierbeiner können den Erreger in sich tragen, die Erkrankung muss aber nicht zwingend ausbrechen. Es wird davon ausgegangen, dass bei jedem zweiten betroffenen Hund die Leishmaniose nicht ausbricht.
Katzen sind in der Regel nicht infiziert. Bislang wurde nur ein Fall (2018) dokumentiert. Zur Vermehrung der Sand- und Schmetterlingsmücke tragen auch klimatische Veränderungen bei. Die Überlebenschance der Insekten wird wesentlich erhöht, wenn die Durchschnittstemperaturen nicht unter 10 Grad Celsius fallen. Ihre Stiche führen meist zu heftigen Hautreaktionen, die bei dichtem oder langem Fell nur schwer und häufig erst sehr spät zu sehen sind.
Die winzigen, vornehmlich weiblichen Blutsauger haben also das Potenzial, Hunde zu infizieren, die selbst nie in südlichen Ländern waren oder mit Artgenossen von dort in Kontakt gekommen sind. Sie wiederum können als Wirt andere Säugetiere anstecken, z.B. Pferde, Nager, Schafe, Ziegen, Rinder, Wölfe, Füchse und auch Menschen. Inwieweit diese selbst zum Überträger werden, ist noch nicht geklärt. Hauptwirt bleibt der Hund. Eine iatrogene Übertragung, z.B. durch ein Muttertier auf ihre Nachkommen, den Deckakt oder über eine Bluttransfusion, konnte zwar schon nachwiesen werden, ist aber nach Angaben des European Scientific Council Companion Animal Parasites (ESCCAP) epidemiologisch zu vernachlässigen.

THP 5 20 Page9 Image2Prophylaxe und Früherkennung

Aus diesem Grund kommen Prophylaxe und Früherkennung eine erhöhte Aufmerksamkeit zu. Dies sollte auch die Hunde mit einschließen, die als Blutspender oder zur Zucht eingesetzt werden, die geimpft werden sollen (einschließlich einer Impfung gegen Leishmaniose) und die aus dem Ausland – vor allem dem Hauptverbreitungsgebiet rund ums Mittelmeer – importiert wurden. Im besten Fall sogar noch, bevor sie auf die Reise in ein neues Leben gehen.
Die gute Nachricht ist: Die Mücken sind – zumindest in den nicht Endemiegebieten – in der Regel zwischen April/Mai und Oktober/November nachts aktiv. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Nächte mindestens 15 bis 20 Grad Celsius haben. Moskitonetze vor Fenstern und Türen können Schutz vor dem Eindringen in Wohn- und Schlafräume bieten. Windiges Wetter mögen diese Mücken genauso wenig wie absolute Trockenheit. Unmittelbar am Strand, mit leichter Brise und trockenem Sand, ist der Hund vor ihnen meist sicher. Auch ihre Eier legen sie nur an feuchten Stellen ab. Wie viele Insekten werden sie von Licht angezogen und können dadurch auch bis in den dritten Stock fliegen, obwohl ihre normale Flughöhe nur bei rund zwei Metern liegt. Ihre Opfer müssen regungslos sein, weil sie für ihre Blutmalzeit einige Minuten brauchen. Wer sich bewegt, hat große Chancen, nicht gestochen zu werden. Der Stich selbst ist sehr schmerzhaft. Leider sind die winzigen Insekten in diesem Moment auf dem Fell selten zu sehen, was eine direkte Entfernung, welche die Übertragung verhindern könnte, erschwert.
Möglichkeiten einer unmittelbaren Prophylaxe bieten nur Impfung und Insektizide, z.B. in entsprechenden Spoton-Präparaten oder in Halsbändern. Beides will gut überlegt sein, zumal damit Risiken und Nebenwirkungen verbunden sind. Außerdem kann kein 100-prozentiger Schutz gewährleistet werden. Dennoch sollten diese Optionen sorgfältig abgewogen werden, vor allem, wenn ein längerer Aufenthalt in einem ausgewiesenen Endemiegebiet geplant ist.

Diagnose

Die Diagnose und die Behandlung hängen von der Virulenz des Erregers, der klinischen Symptomatik und nicht zuletzt vom Immunsystem des vierbeinigen Patienten ab. Der Krankheitsverlauf kann von kaum wahrnehmbaren und leichten Anzeichen über schwere Beschwerden bis hin zum Tod führen. Mal tritt Leishmaniose überwiegend kutan, also äußerlich über Haut und Fell, in Erscheinung, mal sind die inneren Organe (vizeral) befallen. Letztere besonders schwere Form kann einen tödlichen Verlauf nehmen. Erschwert wird all dies noch durch eine lange Inkubationszeit. Von der Infizierung bis zum Ausbruch vergehen mitunter Monate, in manchen Fällen sogar Jahre. In dieser Zeit können die Tiere symptomfrei sein und trotzdem zum Überträger werden. Die unspezifische Symptomatik sowie die Konstitution des tierischen Patienten sind eine Herausforderung für die Diagnostik. Hier kann die ausführliche Anamnese in der Naturheilpraxis effektiver sein als jene der Schulmedizin. Nichtsdestotrotz müssen klinische Verfahren mit einbezogen werden. Daher empfiehlt sich eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierheilpraktiker und Tierarzt, um die bestmögliche Behandlung zu erreichen. Die Serologie zum Nachweis von Antikörpern mit Blut- und Harnanalyse ist die erste Wahl zum Nachweis einer Leishmaniose. Besteht daraufhin der Verdacht einer Infektion, können die morphologische Diagnose und eine molekularbiologische Analyse des Knochenmarks folgen. Wichtig ist dabei immer die Abklärung durch eine Differenzialdiagnose.

Therapiemethoden

THP 5 20 Page8 Image1Leishmaniose zu behandeln ist eine Herausforderung. Die eingesetzte Medikation ist hoch toxisch (Chemotherapie) und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Hinzu kommt, dass sie nicht zur Ausheilung führt, da die Erreger nicht vollständig abgetötet werden können. Sie parasitieren weiter im Organismus. Das heißt: Selbst wenn die Symptome gemildert werden, bleibt der Hund zeitlebens Überträger. Dies muss den Besitzern vor der Therapie vermittelt werden.
An der Universität Granada, Spanien hat ein Forscherteam unter Leitung von Victoriano Corpas-Lopés einen naturheilkundlichen Ansatz zur Behandlung mit Kamille (Matricaria camomilla) untersucht und kam dabei zu erstaunlichen Ergebnissen. Der darin enthaltene Wirkstoff (-)a-Bisabolol, der rund 70 Prozent der Kamille-Essenz ausmacht, wurde erfolgreich in-vitro im Versuch mit Mäusen getestet, die mit Leishmania infantum infiziert waren. Die Wissenschaftler setzten diesen Wirkstoff auch zur Behandlung von zwölf Hunden ein, die sich auf natürliche Weise mit viszeraler Leishmaniose infiziert hatten. Die Tiere wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Während sechs Hunden subkutan die übliche Dosierung von N-Methylglucaminantimonat (100 mg/kg) verabreicht wurde, erhielt die Kontrollgruppe oral eine (-)-a-Bisabolol-Therapie in der Dosierung 30 mg/ kg. Die Therapie war auf drei Monate angesetzt. Die Medikamente wurden zunächst 30 Tage lang verabreicht. Nach einer 30-tägigen Pause wurde die Behandlung für weitere 30 Tage wiederholt.
Wie sich zeigte, konnte durch den aus der Kamille gewonnenen Wirkstoff die Vermehrung der Parasiten stark reduziert werden, bei einer gleichzeitig verstärkten Immunantwort (THI/Interferon Gamma). Im Vergleich zur herkömmlichen Medikation waren nicht nur die Nebenwirkungen wesentlich geringer, es konnte auch ein signifikanter Rückgang der Symptome nachgewiesen werden. Nun kann man einwenden, dass die untersuchte Anzahl infizierter Tiere sehr klein gewesen ist. Nichtsdestotrotz ist ein vielversprechender Ansatz gemacht, der natürliche Heilmittel als Alternative und Ergänzung zur klassischen Medikation bei der Behandlung von Leishmaniose ins Blickfeld rückt.

Ernährung bei Leishmaniose

THP 5 20 Page9 Image1Das Immunsystem hat mit der Infektion ordentlich zu kämpfen. Deshalb empfiehlt es sich, nicht nur medizinisch und naturheilkundlich alles zu tun, um dem Patienten bei der Genesung zu unterstützen, sondern auch auf der Ernährungsebene einzuwirken.
Das qualitativ hochwertige Futter sollte leicht verdaulich, nährstoffreich und die Abwehrkräfte stärkend sein. Dabei kann man sich die Wirkung der Kamille durchaus zunutze machen und sie in die Nahrung integrieren, z.B. als Tee, der löffelweise über das Futter gegeben wird.
Nicht minder wichtig sind die Umgebung und die Lebensumstände eines kranken Hundes. So sollte Stress für ihn ebenso vermieden werden, wie ihn unnötig belastenden Stoffen und Toxinen auszusetzen, z.B. scharfen Haushaltsreinigern, Zigarettenrauch, Abgasen im Straßenverkehr.

CLAUDIA HÖTZENDORFER
DIPL.-JOURNALISTIN
Redakteurin, Autorin und Lektorin.
Seit 2006 gibt sie das Online-Magazin Duesseldogs.de heraus und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Themen Ernährung, Gesundheit und Forschung. Sie lebt derzeit in einer WG mit zwei Border Collies und einem Münsterländer.

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