Für Kinder: Der Pfeilflug der Wildgänse

THP 5 20 Page62 Image1Hallihallo! Wir heißen Ronja und Maxim und sind Wildgänse. Genauer gesagt: Blässgänse. Das ist wichtig zu wissen, denn es gibt ganz verschiedene Arten von Wildgänsen. Wir sind dunkelgrau-braun gefärbt mit einer meistens hellen Unterseite und haben unregelmäßige, schwarze Querflecken am Bauch, außerdem einen rosa Schnabel und orangefarbene Füße. Wenn wir erwachsen werden, bekommen wir einen weißen Fleck, eine sog. „Blässe“, die von der Schnabelwurzel bis zur Stirn reicht. Daher kommt auch unser Name.

Wir zwei haben uns schon vor vielen Jahren ineinander verliebt und teilen seitdem unser Leben, denn wir Gänse bleiben uns treu. Das hilft uns auch in der kurzen Spanne, in der es in unserer Heimat, der russische Tundra, warm genug ist, um zu brüten, denn so müssen wir uns nicht erst wieder einen neuen geeigneten Partner suchen. Das spart Zeit. Nach unserer Rückkehr aus dem Winterquartier im Mai warten wir noch die Schneeschmelze ab und bauen dann ein schönes, lockeres Nest aus Gräsern und Stängeln in einer Mulde am Boden, das wir vor Beginn der Brut noch mit Daunen auspolstern. Dann hat es Ronja weich, während sie die vier bis sechs Eier ausbrütet. Ich bin währenddessen damit beschäftigt, das Nest vor Eindringlingen zu beschützen. Nach der Brutzeit von 28 Tagen schlüpfen unsere Küken, die Gössel genannt werden. Schon kurz danach folgen sie uns und machen sich als Nestflüchter selbst auf Futtersuche. Am liebsten fressen wir Wasser- und Landpflanzen, aber auch Stauden, kleine Wurzeln, Klee und Löwenzahn. Während der Mauser, (die Zeit, in der wir die alten Schwungfedern abwerfen und neue nachwachsen können) sind wir flugunfähig und halten uns daher mit anderen Familienmitgliedern nah am Wasser auf, da wir uns bei Gefahr dorthin in Sicherheit bringen können.

THP 5 20 Page63 Image2Mitte August sind dann unsere Federn nachgewachsen, und auch unsere Jungvögel sind nun flugfähig. Da wir als Zugvögel unsere Heimat jedes Jahr verlassen, um woanders zu überwintern, machen wir uns dann auf den langen Weg. Vor uns liegt eine Strecke von 5.000 bis 6.000 km, bis wir unser Winterquartier in Deutschland erreichen. Zuerst führt uns unsere Reise an die Sammelplätze von Flussmündungen und Buchten der Eismeerküste. Hier treffen sich mehrere hunderttausend Gänse. Die lange Reise absolvieren wir in Etappen. Dabei fliegen wir immer fast 1.000 km am Stück und rasten anschließend einige Tage. Natürlich kennen wir die Rastplätze mit dem besten Nahrungsangebot, denn wir müssen nach dieser Anstrengung unsere Reserven wieder auffüllen.

Dann startet die nächste Etappe. Übrigens versuchen wir, unsere Flugrouten geheim zu halten. Bisher scheint uns das ganz gut gelungen zu sein, denn darüber, wie wir uns orientieren, konntet ihr Menschen lange nur Vermutungen anstellen. Da aber mittlerweile ein paar von uns mit Überwachungssendern ausgestattet wurden, kommt ihr uns immer mehr auf die Schliche.

THP 5 20 Page63 Image1Haben wir unser Winterquartier erreicht, führen wir ein sehr geregeltes Leben. Um in der Nacht vor Füchsen und anderen Bodenfeinden sicher zu sein, begeben wir uns abends auf große Wasserflächen wie den Altarm eines Flusses, einen Baggersee, in das Watt oder auf eine überschwemmte Wiese. Morgens fliegen wir noch in der Dämmerung, ungefähr eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang, zu unseren Futterorten, den Äsungsplätzen, die bis zu 40km vom Schlafplatz entfernt sind. Dort halten wir uns während des gesamten Tages auf. Wir haben viel zu tun, um unseren Nahrungsbedarf an Blättern und anderer pflanzlicher Kost zu decken. Nur bei Dauerfrost suchen wir auch tagsüber offenes Wasser auf, um zu trinken. In der Abenddämmerung fliegen wir Gänse dann alle in einem eindrucksvollen Schauspiel zurück zu unseren Übernachtungsgewässern. Geeignete Schlafplätze sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir Wildgänse ein Rastgebiet überhaupt nutzen können. Es handelt sich dabei normalerweise um Gewässer, deren Kenntnis von Generation zu Generation weitergegeben wird. Bewährte Schlafplätze werden also über viele Jahre immer wieder aufgesucht und die Jungvögel lernen sie unter Führung ihrer Eltern kennen.

Wenn im Februar die Tage spürbar länger werden und die Temperaturen langsam steigen, werden wir unruhig und uns packt wieder das Reisefieber. Wir sehnen uns zurück in unsere Heimat, und unser Heimzug in die Brutgebiete beginnt. Wisst ihr, woran ihr erkennen könnt, dass gerade eine Schar Gänse über eure Köpfe fliegt?

Wir Wildgänse fliegen in einer Keilformation. Das bedeutet, dass eine von uns vorausfliegt und wir anderen versetzt hinterher. Das machen wir, weil wir durch den Luftsog, den die vor uns fliegenden Gänse bilden, weniger Kraft beim Fliegen brauchen. So sparen wir Energie. Bei einer Strecke von 1.000 km am Stück ist das wirklich sehr hilfreich.

Außerdem sind wir äußerst kommunikativ und verfügen über mehr als ein Dutzend verschiedene Rufe. Unsere keilförmige Flugformation besteht aus zahlreichen kleinen Familienverbänden, die sich untereinander verständigen. Die Verwandtschaft passt auf, dass keiner verloren geht. Wir signalisieren uns gegenseitig, dass wir Hunger haben, wollen wissen, wie weit es noch ist, oder sagen Bescheid, dass wir nicht mehr können. Das kennt ihr doch sicher auch, wenn ihr eine Wanderung mit euren Eltern macht. Und wenn die Gans an der Spitze die Position wechseln will, wird auch das weitergeschnattert. Ihr könnt ja beim nächsten Ausflug mit Mama und Papa auch mal probieren, ob es einfacher ist, wenn ihr so eine Dreiecksform bildet!

Eure Ronja und Euer Maxim

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