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Gefahr durch menschliche Exkremente

TIERÄRZTE WARNEN VOR VERGIFTUNG

In den vergangenen Wochen mehren sich Berichte über Hunde, die nach dem Kontakt mit menschlichem Kot teils schwere Vergiftungserscheinungen zeigen. Tierärzte beobachten mit Sorge eine Zunahme solcher Vorfälle, die sich meist beim Spaziergang ereignen, wenn Hunde unbeaufsichtigt fremde Hinterlassenschaften aufnehmen.

Bereits 2011 kam es in Deutschland zu einem tragischen Fall, der für Aufsehen sorgte. Im Umfeld eines Dorffestes hatte ein Hund menschlichen Kot aufgenommen, der mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) belastet war. Das Tier verstarb innerhalb weniger Stunden – die pathologische Untersuchung bestätigte die dramatische Infektion. Auch aktuell berichten Tierärzte über mehrere bestätigte Fälle. So litt die Hündin Luna nach einem nächtlichen Spaziergang plötzlich an Durchfall, vermehrtem Speichelfluss, blassen Schleimhäuten und Untertemperatur. Dank sofortiger tierärztlicher Behandlung mit Infusionen konnte sie gerettet werden. Ähnliche Vergiftungen wurden auch bei Labrador Oskar und Labradoodle Elli festgestellt. In allen Fällen bestand der Verdacht auf die Aufnahme menschlichen Kotes. Besonders perfide: Hunde nehmen menschlichen Kot meist nicht zufällig, sondern gezielt auf. Durch die Ernährung des Menschen enthält ihr Kot oft Zuckerreste, Aromastoffe, Medikamente, Drogenabbauprodukte und andere Substanzen, die für Hunde stark attraktiv riechen und schmecken. Was für uns völlig unvorstellbar erscheint, wirkt auf viele Hunde wie eine Art „Leckerbissen“. Genau das macht die Gefahr so tückisch, denn die Tiere suchen nach diesen Hinterlassenschaften – vor allem dort, wo Menschen sich unerlaubt in der Natur erleichtern.

Besonders in der kalten Jahreszeit nehmen viele Männer und Frauen Medikamente, Schmerzmittel, Psychopharmaka oder berauschende Substanzen ein, die ebenfalls über den Stuhl ausgeschieden werden. Durch die Legalisierung von Cannabis

wächst zudem die Sorge, dass Exkremente unter Drogeneinfluss häufiger in der Natur landen – für Hunde eine potenzielle Giftquelle, die unterschätzt wird. Sollte der Verdacht bestehen, dass ein Hund erst kürzlich kontaminierten Kot aufgenommen hat, empfiehlt sich der sofortige Gang zum Tierarzt. Ist die Aufnahme frisch, kann durch gezielte Injektion eines Brechmittels das Gift aus dem Körper entfernt werden, bevor es in den Blutkreislauf gelangt. Je schneller gehandelt wird, desto besser stehen die Chancen, eine Vergiftung zu verhindern.

Fazit

Die Aufnahme von menschlichem Kot kann für Hunde lebensbedrohlich sein! Tierhalter sollten ihre Hunde beim Spaziergang genau beobachten und bei ersten Anzeichen von Unwohlsein sofort tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Wachsamkeit und schnelles Eingreifen sind entscheidend

Fallstudie: Orale Aufnahme menschlichen Kotes

Patientin: Hündin Luna, Golden Retriever, 4 Jahre Vorstellungsgrund: Akute Vergiftungssymptomatik nach Aufnahme unbekannter Substanz beim Spaziergang

Anamnese
Die Hündin wurde mir am Morgen nach einem nächtlichen Spaziergang mit heftigem Durchfall, massivem Speichelfluss, blassen Schleimhäuten und Untertemperatur vorgestellt. Die Besitzer gaben an, dass Luna während des Spaziergangs immer wieder intensiv am Boden schnüffelte und vermutlich etwas aufgenommen hat. Die Symptome traten 6 Stunden nach dem Spaziergang auf. In der Vorgeschichte sind keine chronischen Erkrankungen bekannt, Luna wird regelmäßig entwurmt, geimpft und ist parasitenfrei.

Verdachtsdiagnose
Aufgrund der akuten Symptomatik, des zeitlichen Zusammenhangs mit dem Spaziergang und der anamnestischen Angaben wurde eine Aufnahme toxischer Substanzen vermutet. Im Gespräch mit den Besitzern kam heraus, dass am Spazierweg regelmäßig menschliche Exkremente zu finden sind. Die gezielte Aufnahme dieser wird von Luna öfter gezeigt.

Differenzialdiagnosen
• Orale Toxinaufnahme (z. B. Exkremente, Medikamentenrückstände, Drogen)
• Bakterielle Enteritis
• Parasitäre Infektion (Giardien, Kokzidien)
• Futtermittelunverträglichkeit (hier eher unwahrscheinlich)

Akutbehandlung
Da der Vorfall bereits mehrere Stunden zurücklag, war ein Auslösen von Erbrechen nicht mehr sinnvoll. Ziel war deshalb die Stabilisierung des Kreislaufs und die Unterstützung der Ausleitung. Daher wurde eine Infusionstherapie (Volumensubstitution, Elektrolytausgleich) zur Stabilisierung des Kreislaufs und zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts aufgrund von Durchfall und Erbrechen durchgeführt, da hypovolämische Zustände bei Vergiftungen schnell zu Organbelastungen führen können.

Homöopathische Unterstützung
Nux vomica D6 (bei vermuteter Toxinaufnahme, Übelkeit, Erbrechen). Diese homöopathische Gabe wurde ergänzend gewählt, da bei oraler Aufnahme von Medikamentenresten häufig eine Übelkeitsproblematik mit zentralem Anteil besteht.

Entgiftende Phytotherapie
Mariendistelextrakt (Leberstoffwechsel, Antioxidans), Artischocke (Gallensekretion), Löwenzahn (Ausscheidung). Die Phytotherapie unterstützt die Leberentgiftung, die bei Toxinbelastung primär beansprucht wird.

Magen-Darm-Schutz
Moortrunk sowie Huminsäuren, um die Schleimhäute zu beruhigen und Resttoxine zu binden. Sie binden Giftstoffe lokal im Darm und schonen damit die Darmschleimhaut.

Probiotische Darmsanierung
Nach Abklingen der akuten Symptome zur Stabilisierung der Darmflora. Die probiotische Stabilisierung beugt Sekundärstörungen nach akuter Enteritis vor.

Verlaufskontrolle
Bereits nach 24 Stunden zeigte sich eine deutliche Stabilisierung. Der Kreislauf kompensierte sich, der Durchfall war rückläufig und die Temperatur wieder im Normbereich. Nach 72 Stunden war eine vollständige Normalisierung erreicht. Nach 7 Tagen waren keine Rückfälle zu verzeichnen, die Futteraufnahme hatte sich vollständig normalisiert und die Kotkonsistenz war stabil.

Präventive Empfehlung
Die Besitzer wurden intensiv aufgeklärt, zukünftig beim Spaziergang auf mögliche Gefahrenquellen (insbesondere menschliche Exkremente) zu achten und Luna in gefährdenden Gebieten an der Leine zu führen. Darüber hinaus wurde ein kontrollierter Darmflora-Aufbau für 4 Wochen empfohlen.

Fazit

Der Fall zeigt eindrücklich, wie gefährlich die Aufnahme von menschlichem Kot für Hunde werden kann, da Medikamente, Drogen oder Bakterien enthalten sein können. Eine schnelle Stabilisierung, eine frühzeitige Entgiftung und Darmschutzmaßnahmen können den Verlauf positiv beeinflussen.

ELENA GLOTZBACH
Tierheilpraktikerin

Tierakupunktur, Tierphysiotherapie, Ernährungsberatung für Tiere, Hundefriseurin, Dozentin der Paracelsus Gesundheitsakademien

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