Das Hautmikrobiom
Entwicklungen, Trends und therapeutische Konsequenzen
Schlüssel zur Hautgesundheit bei Heimtieren
MIT BÜRSTE UND GESCHULTEM BLICK WIRD DAS HUNDEOHR INSPIZIERT – MODERNE TIERPFLEGE BEGINNT BEI DER ACHTSAMEN BEOBACHTUNG UND UNTERSTÜTZT DAS HAUTMIKROBIOM ALS NATÜRLICHEN SCHUTZSCHILD
Hautgesundheit neu gedacht
In der modernen Heimtierhaltung erfährt das Thema „Hautgesundheit“ einen bemerkenswerten Bedeutungswandel – getragen von einer neuen Haltergeneration, die Haustiere nicht mehr als Nutz- oder Begleittiere, sondern als vollwertige Familienmitglieder betrachtet. Entsprechend verändern sich auch die Anforderungen an Pflege- und Therapieansätze. Im Zentrum dieser Entwicklung steht ein biologischer Faktor, der lange vernachlässigt wurde: das Hautmikrobiom.
Ein gestörtes Mikrobiom ist bei vielen dermatologischen Erkrankungen mitbeteiligt.
Dieses Thema bietet nicht nur neue therapeutische Ansätze, sondern auch eine wichtige Grundlage für Prävention, Diagnostik und Beratung – insbesondere im Spannungsfeld zwischen ganzheitlicher Tiergesundheit und schulmedizinischer Intervention.
Das Hautmikrobiom: biologischer Schutzschild und Regulator
Die Haut von Hunden, Katzen und Pferden ist mehr als eine äußere Hülle. Sie ist ein immunologisch aktives Organ, besiedelt von Milliarden Mikroorganismen, die in einer dynamischen Balance miteinander koexistieren. Das Hautmikrobiom übernimmt zentrale Aufgaben:
• Schutz vor pathogenen Keimen
• Stärkung der Hautbarriere
• Regulation des pH-Werts
• Kommunikation mit dem Immunsystem
Ein gestörtes Mikrobiom (Dysbiose) ist bei vielen dermatologischen Erkrankungen mitbeteiligt, insbesondere bei chronischem Juckreiz, Hotspots, Ekzemen, seborrhoischer Haut und allergischen Reaktionen. Daher ist es essenziell, mikrobielle Balance als Basis einer erfolgreichen Hautbehandlung zu verstehen.
Neue Pflegekonzepte: mikrobiomfreundlich, präventiv und funktional
Der Markt für Pflegeprodukte hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Hochwertige, mikrobiomfreundliche Präparate setzen auf:
• prä- und probiotische Zusätze zur Förderung „guter“ Keime
• Produkte, die dem pH-Wert von Tierhaut angepasst sind
• hautidentische Lipide zur Stärkung der Barrierefunktion
• immunaktive Naturstoffe wie Antikörper aus Rinderkolostrum
Diese Produkte wirken nicht rein symptomatisch, sondern unterstützen die Selbstregulation der Hautflora. In der Praxis bedeutet das: weniger Rückfälle, geringerer Arzneimittelbedarf und eine nachhaltigere Wirkung auf die Hautgesundheit.
Mikrobiomanalysen: Diagnostik mit Zukunft
In der ganzheitlichen Tiermedizin gewinnt auch die Diagnostik des Hautmikrobioms zunehmend an Bedeutung. Spezialisierte Labore bieten heute die Möglichkeit, mikrobiologische Abstriche der Haut analysieren zu lassen. So lassen sich Dysbiosen gezielt erkennen und entsprechende Pflege- und Fütterungsmaßnahmen einleiten. Auch im Bereich der Verhaltensbeobachtung eröffnen sich neue Möglichkeiten: KI-gestützte Tools zur Erkennung von Kratz- oder Leckverhalten sowie Wearables ermöglichen ein frühzeitiges Erfassen von Hautproblemen, bevor diverse klinische Symptome auf der Haut sichtbar werden.
Mikrobiompflege vs. Medikamente
Weniger Bedarf an Antibiotika und Kortison
Die gezielte Unterstützung des Hautmikrobioms durch Pflegeprodukte wirkt präventiv und ursächlich, während Antibiotika und Kortison oft lediglich akute Symptome unterdrücken. Ein stabilisiertes Mikrobiom senkt das Risiko bakterieller Sekundärinfektionen und chronischer Entzündungen. Die Praxisrelevanz besteht darin, dass mikrobiomfreundliche Pflege den medikamentösen Therapiebedarf deutlich reduzieren kann, insbesondere bei rezidivierenden Hauterkrankungen.
Vermeidung von Rückfällen
Schulmedizinische Medikamente stören häufig das mikrobielle Gleichgewicht und führen bei wiederholtem Einsatz zu Rückfällen. Mikrobiomfreundliche Pflegeprodukte dagegen fördern die Regeneration der natürlichen Hautflora, was die Rückfallquote deutlich senkt.
Beitrag zur Resistenzvermeidung
Die Reduktion des Antibiotikaeinsatzes durch mikrobiologische Hautpflege leistet einen Beitrag zur Vermeidung antibiotikaresistenter Keime – ein zunehmend kritisches Thema in der Veterinärmedizin.
Nebenwirkungsfreie Alternative
Langfristiger Kortisoneinsatz kann gravierende Nebenwirkungen wie Hautatrophie und Immunsuppression auslösen. Eine mikrobiomzentrierte Therapie ist schonender, nachhaltiger und besser verträglich.
Ganzheitlicher Ansatz: Mikrobiompflege von innen und außen
Die Pflege des Hautmikrobioms beschränkt sich nicht auf äußere Anwendungen. Auch Ernährung und Darmgesundheit beeinflussen die Hautflora maßgeblich. Bei einem nachgewiesenem Mangelzustand oder einer Dysbiose können funktionelle Ergänzungsfuttermittel zum Einsatz kommen. Dazu gehören:
• Probiotika und Präbiotika
• Omega-3-Fettsäuren
• Zink, Biotin und Vitamin E
• Adaptogene (Ashwagandha, Reishi etc.)
Sie können das Hautbild verbessern und die Resilienz gegenüber Umweltreizen stärken. Es ist hilfreich, Hauterkrankungen daher stets ganzheitlich zu betrachten – mit Blick auf Mikrobiom, Darmmilieu, Immunsystem und das Stressniveau.
Schlüsselkompetenz Beratung und Aufklärung
„Petparents“ suchen nicht nur Produkte, sondern auch Orientierung und Wissen. Daraus ergibt sich die Chance, ein ganzheitliches Therapiekonzept aufzusetzen, etwa durch:
• Aufklärung zu Hautbarriere und Mikrobiom
• Empfehlungen zu guten Pflege- und Ergänzungsprodukten
• Anleitung zur achtsamen Tierbeobachtung
• Vermittlung ganzheitlicher Zusammenhänge (z. B. Stress-Haut-Achse)
Gerade bei chronischen Hautproblemen kann eine fundierte Beratung zur Entscheidung gegen wiederholte Kortison- sowie Antibiotikagaben beitragen und die Bindung zwischen Tierhalter und Therapeut deutlich stärken.
Das Mikrobiom als therapeutische Ressource
Der Blick auf das Hautmikrobiom eröffnet neue Wege in Diagnostik, Therapie und Prävention. Statt lediglich Symptome zu behandeln, rückt die biologische Grundlage der Hautgesundheit in den Fokus – mit langfristig positiven Effekten auf Tierwohl, Lebensqualität und Therapieerfolg.
Der mikrobiomzentrierte Ansatz bedeutet:
• weniger akute Hautprobleme
• reduzierter Medikamenteneinsatz
• geringeres Rückfallrisiko
Mehr Resilienz und Wohlbefinden
Damit stellt das Mikrobiom einen zentralen Hebel dar, um moderne Tierpflege wissenschaftlich fundiert und naturheilkundlich integriert weiterzuentwickeln – im Sinne einerganzheitlichen Tiergesundheit.

DR. RER. NAT. BEATRIX FORSTER
Studium der Humanbiologie mit Promotion am Max-Planck-Institut für Biochemie, über 20 Jahre Expertise in Immuntherapie, Forschung und Industrie, Gründerin und Geschäftsführerin der Doderm GmbH