Hautprobleme bei Hunden aus ayurvedischer Sicht

Symptombilder wie Juckreiz, wund geleckte Stellen oder Hautrötungen lassen sich bei Hunden oft beobachten. Nicht selten sind diese allergisch bedingt, das Immunsystem spielt verrückt, das Tier reagiert auf Lebensmittel, Futter- und Hausstaubmilben, Pollen oder Gräser. Man spricht hier von einem allergischen Ekzem, das Hundebesitzer durchaus zur Verzweiflung bringen kann. Meist versuchen die Halter betroffener Hunde, die Symptomatik mit Salben, Ölen etc. zu lindern, doch beheben lässt sich die Ursache damit nicht. Um eine langfristige Linderung zu erreichen, bedarf es einer ganzheitlichen Therapie. Diese beginnt mit der Umstellung der Ernährung, dem Aufbau einer gesunden Darmflora und der Wiederherstellung eines vitalen Stoffwechsels. Die Ayurveda-Medizin betrachtet allergische Hautreaktionen beim Hund als Komplex aus geschwächtem Stoffwechsel, Toxin-Ablagerungen im Blut und einer bioenergetischen Disbalance. Diesen Ansatz möchte ich im Folgenden näher erläutern.

HAUTPROBLEME BEI HUNDEN AUS SICHT DER AYURVEDA-MEDIZIN

Allgemein sind bei der Entstehung von Hautkrankheiten alle Elemente (Feuer, Wasser, Luft, Erde, Raum) und die daraus resultierenden Bioenergien (Vata = Luft und Raum, Pitta = Feuer und Wasser, Kapha = Wasser und Erde) aktiv. Es liegt also ein umfassendes und ganzheitliches Problem vor. Bei allergischen Ekzemen mit Hautrötung und Entzündungsneigung handelt es sich um eine Pitta-dominierende Hautkrankheit. Allergische Ekzeme mit Hauptsymptom Juckreiz entstehen auch unter Einfluss von Kapha (Störung des Immunsystems), bei schuppiger und trockener Haut auch mit Einfluss von Vata. Jede allergische Form des Ekzems ist zudem Folge einer Störung des „roten Blutgewebes“ (rote Blutkörperchen und Blutzirkulation), durch „Blutverunreinigung“, vermehrte Hitze und Säure im Körper.

URSACHE DES ALLERGISCHEN EKZEMS AUS AYURVEDISCHER SICHT

Das allergische Ekzem ist eine chronische Hautkrankheit und wird im Ayurveda zu den Krankheiten aufgrund von Blutverunreinigung gezählt. Blutverunreinigung ist hierbei bildlich zu verstehen: Aus dem ayurvedischem Verständnis heraus werden bei Vorliegen einer Verdauungsschwäche Toxine in der Blutbahn abgelegt und dort gespeichert, diese verschlacken dann den Körper. Das Blutgewebe (rote Blutzellen) hat aufgrund ähnlicher Qualitäten einen engen Bezug zum Pitta-Dosha (Feuerelement). Eine Behandlung des Blutgewebes (Rakta Dhatu) bringt daher eine Balancierung von Pitta mit sich, und andersherum. Aus ayurvedischer Sicht wird das Blutgewebe, das im Ayurveda als Rakta bezeichnet wird, stetig neu gebildet, gereinigt und in seiner Qualität erhalten. Dieser Vorgang wird durch das blutfärbende Pitta (ranjakala-pitta), das eine Funktionseinheit mit Leber und Milz bildet, unterstützt. Der Abbau und Aufbau von Rakta steht daher in direktem Zusammenhang mit der Leber und findet über die Gallenflüssigkeit statt. Der Gallensaft ist in seiner Haupteigenschaft sauer, durch diese Eigenschaft hat er großen Einfluss auf die Balance von Pitta und Rakta, da beide durch Säure negativ beeinflusst werden. Beim allergischen Ekzem wird der Regenerationsprozess des Blutgewebes (Rakta) geschwächt. Folglich werden ausscheidungspflichtige Stoffe, Toxine und Schlacken in Rakta-Dhatu gestört. Sie verunreinigen das Blut. Diese Störung im Rakta-Gewebe verläuft parallel mit einer ganzheitlichen Biodisbalance durch übermäßige Säure und Hitze im Körper, die Entzündungen fördern. Im Ayurveda wird dies als Pitta-Aggravation zusammengefasst. Die Übersäuerung des Körpers bringt Brennen und Jucken in pathologischer Form mit sich und wirkt sich dadurch auf die Gesundheit der Haut aus. Denn die Haut versucht Hitze und Toxine/Schlacken nach außen abzugeben. Ein Ekzem wird schulmedizinisch durch Entzündungen, Ödeme, Quaddeln und Verkrustungen der Haut charakterisiert. Diese Symptome werden aus ayurvedischer Sicht vor allem durch die Eigenschaften des Feuerelements Pitta hervorgerufen. Der starke Juckreiz und die Hyperaktivität des Immunsystems (schulmedizinisch Allergie benannt) kann dem Kapha-Dosha (Wasserund Erdelement) zugeordnet werden. Ein geschwächter Stoffwechsel und eine schlecht besiedelte Darmflora kann die Bildung von Stoffwechseltoxinen und Schlacken begünstigen.
Möchten wir ursächlich behandeln, sind nicht nur die Linderung von Säure und Hitze, die Reinigung des Blutes, sondern auch die Regeneration von Stoffwechsel und Darmflora essenziell.

AYURVEDISCHE THERAPIE BEI HAUTPROBLEMEN DES HUNDES

Hautkrankheiten können durch Reinigung des Blutgewebes und Förderung der Regenerierung von Rakta-Dhatu behandelt werden. Die Therapie von allergischen Ekzemen ist durch eine systematische Entgiftung und Reinigung des Körpers geprägt. Pitta und in diesem Zusammenhang auch Säure- und Hitzeentwicklungen des Körpers werden durch Kräuter reduziert, das Blutgewebe gestärkt. Im Vordergrund steht die Ausleitung und Blutreinigung durch Bitterstoffe. Eine Reinigung des Blutgewebes entsäuert (durch die beruhigende Wirkung auf die Galle) den Körper, sodass sich Pitta reduziert. Viele Hunde mit Hautproblemen zeigen gleichzeitig einen empfindlichen Magen bis hin zu Magenschleimhautentzündungen. Beide Erkrankungen sind aus ayurvedischer Sicht ganz eng miteinander verbunden. Um die Stoffwechselfunktion des Blutgewebes zu stabilisieren und die Ausscheidung verschiedener Toxine anzuregen, sind nicht nur Bitterstoffe, sondern auch leichtverdauliche und basische Futtermittel wichtig. Wurzelgemüse, Geflü- gel-, Hasen- oder Ziegenfleisch und grüne, bittere Blattgemüse wie Rucola, Blattsalate, Chiccoree und Radiccio sind hier die wichtigsten Komponenten.

AYURVEDISCHE HEILPFLANZEN ZUR BEHANDLUNG DES ALLERGISCHEN EKZEMS BEI HUNDEN

ALOE VERA (ALOE VERA; GHRIT)
Der Pflanzensaft hat vielfältige Wirkungen auf Körperkanäle und Verdauungstrakt. Durch den bitteren Geschmack werden Erd-, Wasser- und Feuerelement balanciert. Aloe Vera ist bittertonisch, entzündungshemmend und blutreinigend, beugt chronischen Erkrankungen der Haut vor. Aloe reguliert den Zucker- und Fettstoffwechsel, dabei werden Zell- und Gewebestoffwechsel angeregt. Aloe-Vera-Sirup wirkt Immunschwäche entgegen. Die kühlende Eigenschaft des Gels kann verstärkte Hitze und Entzündungen im Körper regulieren. Innerlich regeneriert es die Magenschleimhaut, äußerlich wirkt es kühlend und lindert den Juckreiz.

AZADIRACHTA INDICA (NIEM; NEEM)
ist eine der stärksten blutreinigenden und entgiftenden Heilmittel im Ayurveda. Durch den bitteren Geschmack und die kühlenden Eigenschaften verringern die Blätter des Azadirachta indica Hitze und Säure. Sie regulieren das Immunsystem und beugen hypersensiblen Reaktionen vor. Durch den bitteren Geschmack reduziert Niem Feuer-, Wasser- und Erdelement und regt den Stoffwechsel an. Azadirachta indica hat entzündungshemmende, entgiftende, bittertonische, stimulierende und desinfizierende Heilwirkungen auf die Haut. Sie reguliert den Stoffwechsel des Hautgewebes und hat daher sowohl therapeutische als auch vorbeugende Qualitäten. Azadirachta indica ist ein Lebertonikum. Wie bei vielen anderen Lebertonika können sich durch die Gabe von NiemBlättern die Leberwerte kurzzeitig erhöhen, was beim Einsatz dieser Pflanze beachtet werden sollte.

CENTELLA ASIATICA (INDISCHE WASSERNABEL; MANDUKARPARNIE)
hat durchblutungsfördernde, wundreinigende, entzündungshemmende und „erweichende“ Wirkungen auf die Haut. Die blutreinigende, Stoffwechsel regulierende und Toxin reduzierende Wirkung hilft dem Körper, Rakta zu reinigen.
Auch in schulmedizinischen Beobachtungen konnte Centella asiatica eine hauttherapeutische Wirkung bei Ekzemen nachgewiesen werden. Centella asiatica enthält eine Reihe von Flavoiden und Enzymen, die antiallergische und antiinflammatorische Bedeutung für die Haut haben. Auch die antioxidative Eigenschaft der Pflanze konnte nachgewiesen werden.

CURCUMA LONGA (KURKUMA; HARIDRA)
ist eines der bekanntesten ayurvedischen Heilmittel sowohl für die innere als auch für die äußere Anwendung. Nach ayurvedischer Pharmakologie balanciert Curcuma longa alle drei Bioenergien und reinigt das Blutgewebe.
Der Inhaltsstoff Curcumin ist in der Schulmedizin als potentes Antioxidans und Entzündungshemmer bekannt. Dieser wird jedoch immer nur im Kombionation mit Piperin (in Pfeffer) oder Fetten bioverfügbar. Es ist daher darauf zu achten, Curcuma stets in Verbindung mit Öl einzusetzen. Curcuma longa enthält verschiedene chemisch wirksame Zusammensetzungen von Curcumin: curcuminoids (Curcumin I), demethoxycurcumin (Curcumin II) und bisdemethoxycurcumin (Curcumin III). Das kommerzielle Curcumin beinhaltet ca. 77 Prozent Curcumin I, 17 Prozent Curcumin II und 3 Prozent Curcumin III (Omayma et al. 2014). Die Wurzeln und Rhizome bieten immunologisch aktive Polysaccharide und ätherische Öle (2 – 7 Prozent) mit Tempene, Phellandren, Cineon und Borneol, Carponsäure und mehreren Senquiterpenen, darunter der tertiäre Alkohol Turmerol.
Curcuma longa hat antiallergene, entzündungshemmende, juckreizstillende, wundreinigende und heilende Wirkungen und hat sich im Ayurveda als wirksames Hauttherapeutikum erwiesen. Die Pflanze stärkt das Immunsystem und unterstützt die Darmflora. Zusammen mit Kokosöl oder Hanföl ist es ein sehr gutes Mittel zur ganzheitlichen Behandlung von Hunden mit Hautproblemen.

ECLIPTIA ALBA (FALSCHES GÄNSEBLÜMCHEN; BRINGARAJA)
ist ein Hauttherapeutikum mit einer Rakta-regenerierenden Wirkung und besonders bei Ekzemen mit Entzündungs-Dominanz (Rötung, Eiter) zu empfehlen. Es hat blutreinigende, entzündungshemmende und bittertonische Eigenschaften. Ecliptia alba wirkt beruhigend und psychisch balancierend, und ist gerade dann empfehlenswert, wenn Stress einen stark ursächlichen Faktor darstellt. Die Pflanze hat haartonische und haarwuchsfördernde Potenz und eignet sich sehr gut, um kahle Stellen nachwachsen zu lassen. Auch nach schulmedizinischen Parametern ist Ecliptia alba ein wirkungsvolles Hauttherapeutikum, da antioxidante, antiinflammatorische und tonische Wirkungen auf die Haut nachgewiesen wurden. Inhaltsstoff der Ecliptia alba ist das Alkaloid Ecliptin, das auch zur Behandlung von Leberschäden eingesetzt wird.

RUBIA CORDIFOLIA (MUDARPFLANZE; MANJISTA)
ist nach Meinung vieler Naturheilkundler eine der besten Blutreinigungsmittel und Immunmodulatoren der ayurvedischen Medizin. Besonders heilsam ist diese Pflanze durch ihre ausgleichende Wirkung auf alle drei Bioenergien. Sie kühlt und entgiftet das Blut, wirkt Stauungen und Durchblutungsstörungen entgegen und hat damit erhebliche positive Auswirkungen auf den Gesamtstoffwechsel.

TINOSPORA CORDIFOLIA (GUDUCHI; GUDUCHI)
beinhaltet das Alkaloid Berberin und zahlreiche Bitterstoffe. Diese Pflanze wirkt heilend bei entzündlichen Hauterkrankungen, erneuert Gewebe und reinigt Blutgewebe. Im Rahmen einer Studie konnte mit der Gabe von Tinospora cordifolia und Ecliptica alba ein Therapieerfolg von 89,5 Prozent in der Behandlung von Ekzemen erreicht werden. Tinospora cordifolia verfügt über einen hohen Vitamin-C-Gehalt und hilft dem Körper, eine Immunresistenz aufzubauen. Auch die Bildung weißer Blutkörperchen kann durch Guduchi angeregt werden. Neuesten Studien zufolge hat die Pflanze auch antiallergene, antioxidative, immunstimmulierende und leberschützende Wirkungen und wird von Hunden sowie Katzen sehr gut vertragen. Damit ist es ein optimales Mittel zur Behandlung allergischer Hautreaktionen bei Hunden.

FAZIT

Eine sorgfältige Auswahl geeigneter Bitterkräuter, eine angepasste Ernährung, eine stressfreie Umgebung und eine liebevolle Haltung des Hundes können Hautprobleme vielversprechend lindern und ganzheitlich therapieren. Ayurveda ist hierbei ein Ansatz für eine ganzheitliche naturheilkundliche Therapie, der sich wunderbar mit einer Blutegeltherapie, Reiki und anderen Energiearbeiten kombinieren lässt.

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Ayurveda für Mensch und Tier, Ernährungsberatung, Manualtherapie, Phytotherapie, Autorin

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